Verletzten Attentäter erschossen Netanyahu fordert Begnadigung für verurteilten Soldaten

Der Attentäter lag bereits am Boden, trotzdem tötete ihn der israelische Soldat Elor Azaria. Dafür ist er nun verurteilt worden. Regierungspolitiker machen sich für seine Begnadigung stark.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu
AP

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu


Es war einer der umstrittensten Prozesse in der Geschichte Israels: Der israelische Soldat Elor Azaria hatte einen verletzten, am Boden liegenden palästinensischen Attentäter erschossen, an diesem Mittwoch ist er von einem Militärgericht wegen Totschlags schuldig gesprochen worden. Kurz nach dem Urteil regt sich nun heftiger Protest.

Mehrere Regierungsmitglieder wollen sich für eine Begnadigung Asarias einsetzen, darunter der ultrarechte Erziehungsminister Naftali Bennett. Auch Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat nun erklärt, er sei für eine Begnadigung. Auf Facebook schrieb er am Abend: "Es ist ein schwieriger und schmerzlicher Tag für uns alle - vor allem für Elor und seine Familie, unsere Soldaten und Zivilisten, mich eingeschlossen."

Innerhalb eines Monats wird die Verkündigung des Strafmaßes erwartet. Asaria drohen bis zu 20 Jahre Haft. Eine Begnadigung müsste von Präsident Reuven Rivlin ausgesprochen werden.

Der Zwischenfall in der Stadt Hebron im März vergangenen Jahres hatte auch international für Aufsehen gesorgt. Dabei tötete der Soldat einen am Boden liegenden palästinensischen Attentäter mit einem Kopfschuss. Zuvor hatte ein weiterer Angreifer einen anderen Soldaten angegriffen und mit einem Messer verletzt.

Die Tat wurde von einem palästinensischen Aktivisten auf Video festgehalten. Die israelischen Streitkräfte erklärten bereits kurz nach der Tat, es handele sich um einen schweren Verstoß gegen die Regeln und Werte der Armee.

Während der Urteilsverkündung kam es vor dem Gericht zu Demonstrationen. Auch vor dem Militärhauptquartier protestierten mehrere Hundert Menschen - laut Polizei teilweise aggressiv - für eine Freilassung Asarias.

asc/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.