Korruptionsermittlungen Netanyahu unter Druck - weiterer Vertrauter wird Kronzeuge

Nir Chefez war lange enger Berater von Benjamin Netanyahu - nun wird er als Kronzeuge gegen den Premier in einem neuen Korruptionsfall aussagen.

Benjamin Netanyahu
DPA

Benjamin Netanyahu


Benjamin Netanyahu ist gerade in den USA. Der israelische Premier trifft in Washington US-Präsident Donald Trump. Bereits vor dem Treffen konnte sich Netanyahu über einen außenpolitischen Erfolg freuen. Nach den Vereinigten Staaten hat sich auch Guatemala dazu entschlossen, die Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. In der Heimat läuft es für den Ministerpräsidenten hingegen weniger gut.

Mit Netanyahus langjährigem Medienberater Nir Chefez wird bereits ein zweiter Vertrauter des Regierungschefs Kronzeuge im Zuge der Ermittlungen um Israels größtes Telekom-Unternehmen Bezeq. Das teilte die Polizei am Montag mit.

In dem neuen Korruptionsfall wird Netanyhu verdächtigt, in seiner Zeit als Kommunikationsminister Bezeq begünstigt zu haben. Im Gegenzug soll die zum Unternehmen gehörende Nachrichtenseite "Walla" positiv über ihn und seine Familie berichtet haben.

"Ununterbrochene Jagd nach Kronzeugen"

Bereits in der vergangenen Woche war Schlomo Filber, ebenfalls ein Vertrauter Netanyahus und Ex-Generaldirektor des Kommunikationsministeriums, eine Kronzeugen-Vereinbarung eingegangen. Filber und Chefez waren vor rund zwei Wochen festgenommen worden.

Ein Sprecher von Netanyahus Familie stritt erneut jegliches Fehlverhalten des Regierungschefs ab. "Die ununterbrochene Jagd nach Kronzeugen ist der beste Beweis, dass es nichts gibt - und nichts geben wird", hieß es in einer Mitteilung.

Nach gut einjährigen Ermittlungen hatte Israels Polizei bereits im Februar eine Anklage wegen Korruption gegen Netanyahu empfohlen. Es seien ausreichend Beweise für Bestechlichkeit, Betrug und Untreue in zwei Fällen gesammelt worden, teilte ein Sprecher mit. Über eine Anklage muss die Staatsanwaltschaft entscheiden. Netanyahu wies die Vorwürfe als "absurd" zurück.

dop/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.