Nahost-Konflikt Israel beschießt Gaza-Streifen nach Grenzanschlag

Erst wurde ein israelischer Zivilist von einem Scharfschützen aus dem Gaza-Streifen getötet, dann bombardierte die Luftwaffe Ziele in dem palästinensischen Gebiet. Dabei soll ein dreijähriges Mädchen ums Leben gekommen sein.

Luftangriff auf Chan Junis: "Wenn es keine Ruhe in Israel gibt, wird es keine Ruhe in Gaza geben"
REUTERS

Luftangriff auf Chan Junis: "Wenn es keine Ruhe in Israel gibt, wird es keine Ruhe in Gaza geben"


Tel Aviv/Gaza - Weitere Menschen haben Heiligabend den seit Jahrzehnten währenden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern mit ihrem Leben bezahlt. Zunächst war ein israelischer Zivilist erschossen worden, der an der Sperranlage zum Gaza-Streifen Reparaturarbeiten verrichtete. Er war schwerverletzt mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort starb er kurz darauf an den Folgen seiner Verletzungen.

Verteidigungsminister Mosche Jaalon kündigte kurz darauf Vergeltung an: "Ich rate der Hamas davon ab, unsere Geduld zu strapazieren. Wenn es keine Ruhe in Israel gibt, wird es keine Ruhe in Gaza geben", sagte Jaalon.

Regierungschef Benjamin Netanjahu, der sich zum Zeitpunkt des Angriffs selbst in Sderot, etwa einen Kilometer vom Gaza-Streifen entfernt, aufhielt, sprach von einem "extrem schweren Vorfall", der nicht ignoriert werden könne.

Hamas räumt ihre Einrichtungen

Die militärische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten, Augenzeugen im Gaza-Streifen berichteten von mindestens zwölf Luftschlägen. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv bestätigte, man habe im Gaza-Streifen angegriffen.

Die Luftangriffe richteten sich nach palästinensischen Angaben gegen Trainingszentren der im Gaza-Streifen herrschenden Hamas in Chan Junis. Aus Furcht vor weiteren Attacken räumte die Hamas die meisten ihrer Einrichtungen.

Bei einem Angriff auf das Flüchtlingslager Maghasi sei ein dreijähriges Mädchen getötet worden, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan. Ihre Mutter und ihr Bruder seien verletzt worden.

Bei einem anderen Vorfall schossen israelische Soldaten am Dienstag auf einen Palästinenser, der sich dem Grenzzaun genähert hatte. Der Mann wurde am Oberkörper getroffen und von Mitarbeitern des Roten Kreuzes versorgt. Die israelische Armee begründet ihr Vorgehen damit, dass in der Vergangenheit mehrfach Sprengsätze entlang der Sperranlage deponiert wurden.

Der Angriff auf den israelischen Arbeiter am Grenzzaun reiht sich ein in eine Kette von Vorfällen seit dem Wochenende. Am Sonntag wurde ein israelischer Polizist im besetzten Westjordanland niedergestochen. Am selben Tag explodierte in einem Bus eine Bombe. Schaden konnte nur dadurch verhindert werden, dass dem Busfahrer das verdächtige Gepäckstück auffiel und der Bus rechtzeitig evakuiert wurde. Die Polizei vermutet militante Palästinenser hinter der Tat. Am Montag schlug eine Kassam-Rakete nahe einer Bushaltestelle in Aschkelon ein. Verletzt wurde niemand.

syd/dpa/AFP

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