Nahost-Konflikt: Mehr als 100 Tote in Gaza - Israel greift Hamas-Bank an

Die Verhandlungen kommen nur langsam voran, im Konflikt zwischen Israel und der Hamas ringen die Parteien um einen Waffenstillstand. Erneut griff die israelische Armee strategische Ziele im Gaza-Streifen an. Die Zahl der Toten steigt auf mehr als 100.

Gaza/Jerusalem - Es ist bereits der siebte Tag in Folge mit blutiger Gewalt zwischen Israelis und radikalislamischen Palästinensern - und die Zahl der Opfer steigt: Palästinensischen Angaben zufolge wurden seit Beginn der jüngsten Luftoffensive Israels 111 Menschen im Gaza-Streifen getötet, unter den Opfern seien 56 Zivilisten. Auf israelischer Seite waren seit Mittwoch drei Tote unter der Zivilbevölkerung zu beklagen.

Israels Militär setzte seine Angriffe auf Ziele im Gaza-Streifen fort, während aus dem Palästinensergebiet immer wieder Raketen auf Israel abgefeuert werden. Nach palästinensischen Angaben griffen israelische Kampfflugzeuge in der Nacht zum Dienstag unter anderem das Gebäude einer Bank in Gaza-Stadt an, über die die in dem Palästinensergebiet herrschende radikalislamische Hamas ihre Gehaltszahlungen abwickelt.

Das Innere des Gebäudes der Islamischen Nationalbank in Gaza wurde dabei zerstört. Der 31 Jahre alte Eigentümer Suleiman Tauil verurteilte den Angriff und erklärte, er habe mit der Politik nichts zu tun. Die Hamas hatte die Bank gegründet, um die internationalen Sanktionen zu umgehen. Die USA, Israel und andere westliche Staaten stufen die Hamas als Terrorgruppe ein.

Mehrere Verletzte seien nach dem Angriff in Krankenhäuser gebracht worden, hieß es in palästinensischen Berichten. Auch ein Regierungsgebäude und das Haus eines Milizenführers seien angegriffen worden. Angriffe wurden auch aus Chan Junis im Süden des Gaza-Streifens gemeldet. Hier sei ein Wohngebiet beschossen worden. Die israelische Armee habe die Bewohner Gazas davor gewarnt, ihre Häuser zu verlassen.

Die Kassam-Brigaden, der militärische Arm der Hamas, gaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan zufolge an, allein am Montag mehr als 100 Raketen und Granaten auf israelisches Gebiet abgefeuert zu haben. Nach Berichten der israelischen Nachrichtenwebsite Ynet wurden insgesamt 135 Geschosse abgefeuert, von denen 67 auf israelischem Gebiet eingeschlagen seien. 42 weitere seien abgefangen und in der Luft zerstört worden. In der Nacht zum Dienstag schlug Ynet zufolge ein Geschoss in der Ortschaft Ofakim ein. In mehreren israelischen Ortschaften wurde Luftalarm gegeben. Berichte über Opfer oder Schäden gab es zunächst nicht.

Fotostrecke

14  Bilder
Israels Offensive: Im Bann des Terrors
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versammelte am Montagabend seine engsten Minister um sich, um über den Fortgang der Militäroperation im Gaza-Streifen und eine mögliche Bodenoffensive zu beraten. Dem Bericht zufolge wünscht Israel eine Waffenruhe von einem oder zwei Tagen, in denen über einen längerfristigen Waffenstillstand verhandelt werden könnte. Dem Nachrichtensender al-Arabija zufolge erzielte Ägypten bei seiner Vermittlung zwischen Israel und der Hamas Fortschritte. Demnach würden in Kairo bereits Vorbereitungen für die Unterzeichnung einer Waffenruhe-Vereinbarung getroffen. Danach soll es bei den Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien nicht nur um ein Ende der Raketenangriffe gehen, sondern auch um ein Ende der Blockade des Gaza-Streifens.

USA verlegen Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer

US-Präsident Barack Obama sprach am Montag am Telefon erneut mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi sowie mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu über die Eskalation der Gewalt. Dabei habe er betont, dass der Raketenbeschuss Israels beendet werden müsse, teilte das Weiße Haus mit.

Die USA verlegten drei Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer, um notfalls US-Bürger aus dem Krisengebiet in Sicherheit bringen zu können. Es handle sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, berichtete der US-Nachrichtensender CNN.

Zuvor war Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kairo eingetroffen, wo die Konfliktparteien unter ägyptischer Vermittlung über die Bedingungen für eine Einstellung der gegenseitigen Angriffe verhandeln. Nach einem Treffen mit Ban zeigte sich der ägyptische Außenminister Mohammed Amr zuversichtlich, in den "kommenden Tagen" Resultate vorweisen zu können.

Differenzen im Uno-Sicherheitsrat

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle mahnte nach einem Treffen mit seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman am Montagabend in Jerusalem zu einem baldigen Ende der gegenseitigen Angriffe. "Entscheidend ist, dass wir nichts unversucht lassen, einen Waffenstillstand zu ermöglichen", sagte er. Dabei sei besonders wichtig, mit Ägypten im Gespräch zu bleiben. "Es ist ganz wichtig, dass Ägypten eine konstruktive Rolle einnimmt." Am Dienstag wollte Westerwelle mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zusammentreffen.

In New York kam der Uno-Sicherheitsrat erneut zu kurzfristig einberufenen Beratungen über die Lage im Nahen Osten zusammen. Dabei sei das Gremium von der politischen Abteilung der Vereinten Nationen über die aktuelle Entwicklung informiert worden, sagte der deutsche Uno-Botschafter Peter Wittig im Anschluss. "Die Mitglieder haben sich dafür ausgesprochen, dass die gefährliche Situation so schnell wie möglich deeskaliert werden muss." Das Gremium arbeite derzeit an einer gemeinsamen Erklärung.

Allerdings zeichnet sich Streit in dem Gremium ab: Die USA lehnten nach den Worten ihrer Uno-Botschafterin Susan Rice einen Text ab, der die Bemühungen um eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas "unterminiere". Der am vergangenen Donnerstag von arabischen Staaten eingebrachte Entwurf fordert ein Ende der israelischen Offensive im Gaza-Streifen, ohne den Beschuss Israels durch Raketen aus dem Palästinensergebiet zu erwähnen.

Neben den USA hatten auch Großbritannien, Frankreich und Deutschland Bedenken gegen diesen Entwurf geäußert. Dagegen nannte Russlands Uno-Botschafter Witalij Tschurkin den von Marokko eingebrachten Entwurf am Montag einen "sehr guten Text". Sollte die Erklärung nicht bis Dienstag, 15 Uhr MEZ, verabschiedet sein, werde Russland als ständiges Mitglied des Uno-Sicherheitsrats am Mittwoch einen eigenen Text zur Abstimmung stellen. Dagegen dürften die USA ihr Veto einlegen.

hen/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Einfach Unmöglich!
kursat_guduk 20.11.2012
"Angriffe wurden auch aus Chan Junis im Süden des Gaza-Streifens gemeldet. Hier sei ein Wohngebiet beschossen worden. Die israelische Armee habe die Bewohner Gazas davor gewarnt, ihre Häuser zu verlassen." Also ist es wirklich so, dass isreal keine Motive hatte die Wohngebiete zu bombadieren und es "einfach so" mal gemacht oder wie haben wir diesen Abschnitt zu verstehen???
2. Militärische Ziele
Linksruck 20.11.2012
Zitat von sysopNach palästinensischen Angaben griffen israelische Kampfflugzeuge in der Nacht zum Dienstag unter anderem das Gebäude einer Bank in Gaza-Stadt an, über die die in dem Palästinensergebiet herrschende radikal-islamische Hamas ihre Gehaltszahlungen abwickelt. Israel bombardiert Bank der Hamas - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-bombardiert-bank-der-hamas-a-868152.html)
Das hat was. Bombardieren die Israelis auch Läden, in denen Menschen ihre Lebensmittel einkaufen, Häuser von Ärzten, die verletzte Menschen behandeln? Könnte ja sein, dass sich unter diesen Menschen auch Mitglieder der Hamas befinden.
3. waffenstillstand ist nicht die loesung
micromiller 20.11.2012
der verzweifelte versuch der palestinenser auf ihre situation aufmerksam zu machen ist mit einem waffenstillstand nicht geloest. das problem ist eine verbindliche loesung der aufteilung der siedlungsgebiete und eine klare aussage israels was geschehen soll. israel ist eine hight tech atommacht, die von den palestinensern bewohnten teilgebiete erinnern eher an das spaete mittelalter. israel und die amerikaner haben die macht eine klare menschenwuerdige loesung zu diktieren und die arabischen milliardearsstaaten das geld diese loesungen umzusetzen. die loesung kann nur eine klare verbindliche verteilung oder umverteilung der siedlungsgebiete sein, die durch einem unabhaengigen staat der palestinenser gesichert sind. das die amerikaner nun .drei Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer, um notfalls US-Bürger aus dem Krisengebiet in Sicherheit bringen zu können ist ein trauerspiel der geballten unfaehigkeit oder das vorspiel zu einer grossen gewaltsamen aktion.
4. Israel
moltke401 20.11.2012
Zitat von sysopDie Verhandlungen kommen nur langsam voran, im Konflikt zwischen Israel und der Hamas ringen die Parteien um einen Waffenstillstand. Erneut griff die israelische Armee strategische Ziele im Gaza-Streifen an. Die Zahl der Toten steigt auf über 100. Israel bombardiert Bank der Hamas - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-bombardiert-bank-der-hamas-a-868152.html)
Israel betont immer, wie sie doch den Frieden wollen. Ich denke genau durch solche Kriege soll der Hass aufrecht erhalten werden, da es dadurch immer wieder erhebliche Unterstützung aus dem Ausland gibt. Was aber wenn tatsächlich einmal schlimmere Waffen in die Hände der Hamas gelangen. Dann kann es Israel ungleich härter treffen als jetzt. Da momentan Wahlkampf ist und 86 % der ISraelis dieses vorgehen unterstützen ist derzeit alles in Israel im grünen Bereich. Das große Problem ist die Bodenoffensive welche von nur ca.35% unterstützt wird. Hierzu wird es sicherlich am Verhandlungstich einen Erfolg dagegen geben um die Wiederwahl der Staatsterroristen nicht zu gefährden.
5. es zeigt sich immer wieder,
viceman 20.11.2012
Zitat von sysopDie Verhandlungen kommen nur langsam voran, im Konflikt zwischen Israel und der Hamas ringen die Parteien um einen Waffenstillstand. Erneut griff die israelische Armee strategische Ziele im Gaza-Streifen an. Die Zahl der Toten steigt auf über 100. Israel bombardiert Bank der Hamas - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-bombardiert-bank-der-hamas-a-868152.html)
der terror beherrscht beide seiten des konfliktes.so wie die raketenabschüsse in richtung israel, genauso verbrecherisch sind die angriffe auf regierungsgebäude u.a. strategische ziele, die sich in nähe von wohngebieten befinden.die opferzahl beweist das wieder einmal. ca. 50 % zivile opfer bei "präzisionsangriffen" das ist pervers/abartig !
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Nahost-Konflikt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 59 Kommentare
  • Zur Startseite

Fotostrecke
Gaza-Streifen: Das Leid der Zivilisten
Reichweite der Hamas-Raketen Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Reichweite der Hamas-Raketen



Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 7,837 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt: Schimon Peres

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Israel-Reiseseite