Evakuierung aus Kriegsgebiet Israel bringt Hunderte syrische Weißhelme in Sicherheit

Sie sind im Kriegsgebiet oft die ersten Helfer - jetzt brauchten Hunderte syrische Weißhelme selbst Hilfe. Die israelische Armee hat sie vor den vorrückenden Truppen des Machthabers Assad gerettet.

Tod im Einsatz: Beerdigung eines Weißhelms in Syrien (Archivfoto)
AP / Feras Domy

Tod im Einsatz: Beerdigung eines Weißhelms in Syrien (Archivfoto)


Die israelische Armee hat mehrere hundert syrische Weißhelme und deren Familien aus Syrien in Sicherheit gebracht. Wie der israelische Armeerundfunk am Sonntag meldete, wurden etwa 800 Syrer, Mitglieder der syrischen Hilfsorganisation und ihre Familien, nach Israel geholt und dann nach Jordanien weitergeleitet. Jordanien erklärte unmittelbar darauf, die Menschen würden nun nach Deutschland, Kanada und Großbritannien gebracht.

Die Weißhelme seien durch das Vorrücken der Truppen von Machthaber Baschar al-Assad im Süden Syriens bedroht gewesen, berichtete der israelische Armeerundfunk weiter. Die Evakuierungsaktion sei auf Bitten der USA und europäischer Staaten erfolgt.

In einer Erklärung des jordanischen Außenministeriums hieß es, Jordanien habe die Aufnahme der Menschen aus humanitären Gründen bewilligt, da ihre Leben in Gefahr gewesen seien. Sie würden nun in die drei genannten Länder weitergeleitet.

Außenminister Heiko Maas hat die Aufnahme von Mitgliedern der syrischen Hilfsorganisation Weißhelme bestätigt. "Die Weißhelme haben seit Beginn des Syrien-Konflikts mehr als 100 000 Menschen gerettet", sagte der SPD-Politiker der "Bild-Zeitung". Ihr Einsatz verdiene Bewunderung und jeden Respekt, "und wir haben ihn aus Überzeugung unterstützt". Mit dem Vormarsch des Regimes drohe vielen Weißhelmen nun Gefahr für Leib und Leben. "Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, dass viele dieser mutigen Ersthelfer nun Schutz und Zuflucht finden, einige davon auch in Deutschland."

Die "Bild"-Zeitung hatte zunächst berichtet, dass Deutschland rund 50 geflüchtete Helfer aufnehmen werde. Mittlerweile haben das Außen- und das Innenministerium in einer gemeinsamen Presseerklärung mitgeteilt, dass acht Weißhelme und ihre Familien aufgenommen würden.

Die syrischen Weißhelme kümmern sich im Kriegsgebiet vor allem um die Rettung und Bergung von Menschen aus Gebäuden, die durch die Kampfhandlungen zerstört wurden. Sie wurden vor allem durch ihren Einsatz in der lange Zeit heftig umkämpften Stadt Aleppo bekannt. Die folgende Fotostrecke zeigt die Weißhelme bei ihrem Einsatz im September 2016:

Fotostrecke

11  Bilder
Weißhelme in Aleppo: "Wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Menschheit"

Die Weißhelme gehörten oft zu den ersten Helfern vor Ort, wenn Bomben eingeschlagen waren. Ein Beispiel für ihre Arbeit zeigt dieser Tweet vom Ende Juni - die Helfer bargen ein Kind aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses:

Die Organisation hatte 2016 den Alternativen Nobelpreis gewonnen.Sie würden von Assads Regierung mit Inhaftierung und Exekution bedroht, hieß es von israelische Seite.

Die israelische Armee erklärte, der Militäreinsatz bedeute keine Änderung in der Politik Israels, das eine Aufnahme von syrischen Flüchtlingen ablehnt. "Es handelt sich um eine ausnahmsweise erfolgte humanitäre Geste", hieß es in der Erklärung. "Israel behält seine Politik der Nichteinmischung in den Konflikt in Syrien bei. Es hält das syrische Regime für alles, was auf syrischem Boden passiert, für verantwortlich."

Seit 1967 hält Israel einen Teil der Golanhöhen an der Grenze zu Syrien besetzt. In der Vergangenheit hat Israel geflüchtete Zivilisten auf dem von Syrien kontrollierten Teil der Golanhöhen mit Medikamenten und Lebensmitteln versorgt.

Trotz der erklärten Politik der Nichteinmischung bombardierte die israelische Luftwaffen mehrfach Ziele in Syrien, um nach eigenen Angaben Waffentransporte zu treffen, die für die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon bestimmt gewesen seien.

oka/hpi/AFP/Reuters



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