Mörsergranatenangriffe Palästinenser beschießen israelischen Bus - ein Schwerverletzter

Nach einer israelischen Geheimoperation im Gazastreifen mit sieben Toten haben Palästinenser mehr als 80 Raketen auf Israel abgeschossen. Die Folge: Ein Schwerverletzter - und Raketenalarm weit über die Grenzregion hinaus.

Ausgebrannter Bus nach Beschuss aus dem Gazastreifen
AFP

Ausgebrannter Bus nach Beschuss aus dem Gazastreifen


Neue Gewalt am Gazastreifen: Nachdem bei dem Einsatz einer israelischen Spezialeinheit im Gazastreifen am Sonntagabend sieben militante Palästinenser und ein israelischer Offizier getötet wurden, kam es am Montagnachmittag zu mehr als 80 Raketen- und Mörsergranatenangriffen aus der Palästinenserenklave.

Unter anderem wurde ein israelischer Bus am Montag nach Armeeangaben von einem Geschoss getroffen, das militante Palästinenser aus dem Gazastreifen abgefeuert hatten. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv bestätigte, das Fahrzeug sei beschädigt worden.

Israelische Medien berichteten von einem Mörsergranatenangriff, bei dem ein 19-jähriger Israeli schwer verletzt worden sei. In mehreren Orten in der Nähe des Gazastreifens gab es am Nachmittag erneut Raketenalarm.

Netanyahu kürzt Besuch in Frankreich ab - und kehrt nach Israel zurück

Die missglückte Kommandoaktion in der Nacht zu Montag nährt die Sorge vor einer neuen größeren Eskalation zwischen Israel und der Hamas. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten teilte mit, Benjamin Netanyahu habe angesichts der Sicherheitslage im Süden Israels einen Besuch in Frankreich verkürzt.

Nach Darstellung der Hamas war die israelische Spezialeinheit mit einem zivilen Fahrzeug drei Kilometer weit in den südlichen Gazastreifen vorgedrungen. Ziel der Operation sei gewesen, den 37 Jahre alten Hamas-Kommandeur Nur Baraka zu entführen. Militante Palästinenser hätten allerdings die Spezialeinheit in ihrem Fahrzeug nahe Chan Junis entdeckt und die Identitäten der Israelis überprüft.

Dabei hätten die Israelis Nur Baraka getötet und seien anschließend in Richtung Grenze davongefahren. Hamas-Kämpfer hätten das Feuer eröffnet und die Spezialeinheit verfolgt. Anschließend hätten israelische Kampfjets die Gegend beschossen, um den Soldaten den Rückzug zu ermöglichen.

Zerstörtes Gebäude im Gazastreifen
AP

Zerstörtes Gebäude im Gazastreifen

Ein Sprecher der israelischen Armee hingegen betonte: "Dies war kein Tötungsversuch und kein Entführungsversuch." In einer Mitteilung hieß es lediglich, während eines Einsatzes im Gazastreifen sei es zu einem Schusswechsel gekommen. Das Militär sagte, entgegen Gerüchten seien bei dem Vorfall keine israelischen Soldaten entführt worden.

Die israelische Zeitung "Haaretz" schrieb, die Armee habe bei der Operation möglicherweise Geheimdienstinformationen sammeln wollen - etwa über Angriffstunnel der Hamas nach Israel.

Nach dem Vorfall feuerten militante Palästinenser Dutzende Raketen auf Israel ab. Drei davon seien von dem Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden, hieß es in der Mitteilung des israelischen Militärs.

Beschuss aus dem Gazastreifen
AFP

Beschuss aus dem Gazastreifen

In israelischen Grenzorten wurde Raketenalarm ausgelöst, aber auch in der über hundert Kilometer entfernt liegenden Touristenregion am Toten Meer. Die israelische Luftwaffe flog Gegenangriffe.

Im Gazastreifen leben mehr als zwei Millionen Menschen. Es mangelt unter anderem an Trinkwasser und Strom. Die Hamas wird von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft.

dop/dpa



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