Gazastreifen Streit über Todesschuss auf einen Fotografen

Bei Protesten im Gazastreifen hat die israelische Armee am Freitag den Journalisten Yaser Murtaja erschossen. Reporter ohne Grenzen werfen dem Militär Vorsatz vor. Verteidigungsminister Lieberman sagt, in Gaza gebe es keine unschuldigen Menschen.

Yaser Murtaja
REUTERS

Yaser Murtaja


Yaser Murtaja trug eine dunkle Schutzweste mit der Aufschrift "Press", als er am Freitag Fotos der antiisraelischen Proteste im Gazastreifen machte. Trotzdem wurde er von einem israelischen Scharfschützen tödlich im Unterleib getroffen. Der 30-jährige Foto- und Videojournalist, der unter anderem für die BBC und "Vice" tätig war, hinterlässt eine Frau und ein Kind, am Samstag ist er unter großer Anteilnahme beerdigt worden.

Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) wirft Israel Vorsatz vor. Auf Murtaja sei ganz offensichtlich absichtlich geschossen worden, sagte RSF-Generalsekretär Christophe Deloire. Die Organisation forderte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls. Die Schuldigen für dieses "Verbrechen gegen die Pressefreiheit" müssten zur Verantwortung gezogen werden. Murtaja war nicht der einzige Reporter, der am Freitag von Kugeln getroffen wurde, mehrere weitere Journalisten wurden verwundet.

Die israelische Armee (IDF) teilte mit, sie habe eine interne Untersuchung des Vorfalls angekündigt. "Die IDF schießt nicht absichtlich auf Journalisten", teilte ein Militärsprecher mit. "Die Umstände, in denen Journalisten getroffen wurden - angeblich durch IDF-Beschuss, sind uns unbekannt und werden geprüft."

"Man muss verstehen, dass es keine unschuldigen Menschen in Gaza gibt"

Eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls lehnt die israelische Regierung ab. "Das ist die übliche Torheit, die wie kennen", sagte Verteidigungsminister Avigdor Lieberman dem Radiosender der Armee. Er behauptete, Murtaja habe am Freitag eine Drohne eingesetzt und diese über israelische Soldaten im Grenzgebiet zum Gazastreifen fliegen lassen.

Tatsächlich ist bekannt, dass Murtaja bei seiner Arbeit als Journalist in Gaza mehrfach eine Drohne für Luftaufnahmen eingesetzt hatte. Es gibt bislang jedoch keinen Beleg dafür, dass er sie auch am vergangenen Freitag benutzt hatte, wie Lieberman behauptet.

Ohnehin scheint das konkrete Handeln des Journalisten für den Verteidigungsminister unerheblich zu sein. Lieberman sagte am Sonntag: "Man muss verstehen, dass es keine unschuldigen Menschen in Gaza gibt. Jeder ist mit der Hamas verbunden, die werden alle von der Hamas bezahlt."

syd/dpa/AFP



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