Diplomatischer Eklat Israel erklärt Schwedens Außenministerin zur unerwünschten Person

Die schwedische Außenministerin hat Israel aufgefordert, die Tötung von Dutzenden Palästinensern glaubwürdig zu untersuchen. Die Regierung in Jerusalem reagiert harsch.

Schwedische Außenministerin Wallström: "Eine Mischung aus Blindheit und politischer Dummheit"
REUTERS/ TT News Agency

Schwedische Außenministerin Wallström: "Eine Mischung aus Blindheit und politischer Dummheit"


Knapp 150 Araber sind seit Anfang Oktober in Israel und den palästinensischen Gebieten erschossen worden. Mehr als 90 Tote waren Attentäter oder mutmaßliche Angreifer, die mit Messern auf Israelis losgingen. Die anderen kamen bei Zusammenstößen mit der israelischen Polizei und Armee ums Leben.

Schwedens Außenministerin forderte am Dienstag von Israel eine Aufklärung zu den Umständen der Vorfälle. "Es ist unerlässlich, dass diese Todesfälle gründlich und glaubwürdig untersucht werden, um Klarheit zu schaffen und eventuelle Verantwortlichkeiten zu ermitteln", sagte Margot Wallström in einer Parlamentsdebatte in Stockholm.

In Israel sorgte die Äußerung der schwedischen Chefdiplomatin für große Empörung. "Israel hat beschlossen, seine Tür für schwedische Regierungsvertreter zur schließen", sagte Vizeaußenministerin Tzipi Hotovely im israelischen Rundfunk. Wallströms Äußerungen seien "eine Mischung aus Blindheit und politischer Dummheit".

Ein Außenamtssprecher relativierte später, nur Wallström sei in Israel unerwünscht. Ein Berater Hotovelys stellte klar, dass die diplomatischen Beziehungen zu Schweden nicht abgebrochen würden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu - der auch das Amt des Außenministers bekleidet - wertete Hotovelys Zornausbruch als übertrieben, berichteten israelische Medien.

Doch auch die israelische Opposition kritisierte Wallström massiv. Er frage sich, "wie Schweden reagieren wird, wenn es dort zu solchen Terrorattacken kommt, und warum nicht die gleichen Fragen an Paris gerichtet werden", sagte Oppositionsführer Isaac Herzog.

Besonders scharf reagierte der rechtsgerichtete Abgeordnete Avigdor Lieberman, der bis Mai israelischer Außenminister war: "Das einzige, was uns die schwedische Außenministerin noch nicht angetan hat, ist, sich persönlich den palästinensischen Terroristen anzuschließen und auf Juden einzustechen. So wie sie sich bisher benommen hat, können wir nur hoffen, dass dies nicht auch noch passiert."

Bei Anschlägen mit Messern und vereinzelt auch mit Autos oder Schusswaffen wurden in den vergangenen drei Monaten 23 Israelis und ein US-Bürger getötet. In einem Fall soll ein Polizist auf eine mit einer Schere bewaffnete Schülerin geschossen haben, obwohl diese bereits getroffen reglos auf dem Boden lag. Dazu wurden Ermittlungen aufgenommen.

Die israelische Menschenrechtsorganisation Betselem hatte den Sicherheitskräften Anfang Dezember vorgeworfen, palästinensische Angreifer mit "Erschießungsbefehl" gezielt zu töten. Israels Armee und Polizei weisen den Vorwurf vehement zurück.

syd/AFP/dpa



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