Hochrechnungen Netanjahu bei Israel-Wahl trotz Verlusten vorn

Israel hat gewählt - und es zeichnet sich eine Mehrheit für Ministerpräsident Netanjahu ab. In Hochrechnungen kam sein Likud-Beitenu-Block auf 31 von 120 Sitzen, das sind deutlich weniger als erwartet. Zum Regieren könnte es für das rechts-ultrareligiöse Lager dennoch reichen.

Israelischer Politiker Netanjahu: Gebanntes Warten auf das Endergebnis der Wahlen
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Israelischer Politiker Netanjahu: Gebanntes Warten auf das Endergebnis der Wahlen


Tel Aviv - Bei den Parlamentswahlen in Israel zeichnet sich ein Erfolg für den konservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu ab, jedoch nicht in der erwarteten Größe. Nach Schließung der Wahllokale lassen die Hochrechnungen erwarten, dass sein Bündnis Likud-Beitenu stärkste Kraft wird. Der rechtsorientierte Block habe aber nur 31 von insgesamt 120 Sitzen im Parlament erzielt. Das sind elf Sitze weniger als bisher. Prognosen für das Bündnis hatten vor der Wahl bei bis zu 35 Sitzen gelegen.

In einer ersten Reaktion sagte Netanjahu: "Ich danke dem israelischen Volk, dass es mich wiedergewählt hat." Die Wahl sei an Auftrag an ihn, eine breit aufgestellte Regierung zusammenzustellen. Das rechts-religiöse nationalistische Lager kam den Prognosen zufolge insgesamt auf etwa 62 der 120 Knesset-Stize.

Überraschend an zweiter Stelle schnitt den Erhebungen von drei israelischen Fernsehsendern zufolge die neu gegründete Partei "Es gibt eine Zukunft" ab (19 Sitze), die in der politischen Mitte angesiedelt ist. Damit könnte Lapid entweder Oppositionsführer werden oder einen wichtigen Kabinettsposten anstreben, falls er sich einer Regierungskoalition unter Netanjahu anschließen sollte.

Die Arbeitspartei (17 Sitze) liegt demnach an dritter und die Siedlerpartei "Das jüdische Haus" an vierter Stelle (zwölf Sitze).

Da keine der Parteien eine verbindliche Koalitionsaussage abgegeben hat und große Differenzen zwischen möglichen Koalitionspartnern bestehen, war unklar, welche Ausrichtung die künftige israelische Regierung haben wird. Von dieser hängt unter anderem die Zukunft des seit Jahren auf Eis liegenden Friedensprozesses mit den Palästinensern ab. Das könnte entscheidend für Israels Beziehungen zu seinen engsten Verbündeten wie den USA und Deutschland sein.

Hohe Wahlbeteiligung - Fokus auf Wirtschaftsthemen

Rund 5,6 Millionen Bürger waren aufgerufen, die 120 Mitglieder der 19. Knesset zu bestimmen. Die Wahlbeteiligung war hoch. Bis zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale gaben nach Angaben der Zentralen Wahlkommission 63,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Das waren vier Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren zum gleichen Zeitpunkt und mehr als die gesamte Wahlbeteiligung im Jahr 2006 (63,2 Prozent).

Die Wahlen waren vorgezogen worden, weil sich die Rechts-Koalition Netanjahus im Herbst nicht auf einen Sparhaushalt hatte einigen können.

Wichtigste Themen für die Wähler waren laut Umfragen Wirtschaft und Soziales. Dagegen haben die meisten Israelis den Glauben an einen Frieden mit den Palästinensern verloren. Auch der Atomstreit mit Iran stand nicht im Zentrum des Wahlkampfs.

Vollständige Ergebnisse des Urnengangs sollen erst am Mittwoch vorliegen. Die Regierungsbildung ist wegen der meist zahlreichen beteiligten Parteien langwierig.

jok/Reuters/dpa/AP



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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
mr.brand 22.01.2013
1.
...und was haben die anderen Parteien denn so? ... habt ihr die vergessen oder was?!
hxk 22.01.2013
2. Glückwünsche!!!
Zitat von mr.brand...und was haben die anderen Parteien denn so? ... habt ihr die vergessen oder was?!
Steht doch drin. Wenn Likud-Beitanu, Es gibt eine Zukunft und Das jüdische Haus koalieren, dann reicht es für eine säkulare Mehrheit. :)
fuchs008 22.01.2013
3. 120 (!) Abgeordnete
Da könnte sich der Bundestag ein Vorbild dran nehmen. Wer braucht die 600 Bundestagsabgeordneten?
britneyspierss 22.01.2013
4.
Beim Bewerten der Ergebnisse können wir keinen europäischen Rationalismus ansetzen.Das Land ist beherrscht von Furcht und Bedrohungen von allen Seiten.Umzingelt von Menschen,die jeden pazifistischen Linksruck als Zeichen von Schwaeche ausnutzen wuerden.Das wird sich wohl auch in den nächsten Generationen nicht ändern.
gerami 22.01.2013
5. ca 8 vs 80 Miliionen Einwohner.
Und jetzt rechnen Sie bitte noch einmal Sie Fuchs.
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