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Israel und die Türkei: Lieberman schimpft über Netanjahus Entschuldigung

Lieberman, Netanjahu (November 2012): Entschuldigung ein "schwerer Fehler" Zur Großansicht
REUTERS

Lieberman, Netanjahu (November 2012): Entschuldigung ein "schwerer Fehler"

Israels Ex-Außenminister Lieberman sieht die Entschuldigung von Premier Netanjahu bei der Türkei für die Attacke auf Gaza-Aktivisten als Fehler an: Damit werde die Motivation aller israelischen Soldaten untergraben.

Tel Aviv - Nach fast drei Jahren diplomatischer Eiszeit könnten Israel und die Türkei bald wieder normal miteinander umgehen - Avigdor Lieberman bringt die Entschuldigung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu für die Attacke auf die türkische Gaza-Flottille jedoch in Rage: Der möglicherweise künftige Außenminister kritisierte die Aussagen des Regierungschefs scharf.

Das von Netanjahu ausgesprochene Bedauern für den Tod von neun Türken auf dem 2010 vor dem Gaza-Streifen von israelischen Soldaten geenterten türkischen Blockadebrecher "Mavi Marmara" sei ein "schwerer Fehler", zitierte ihn die Zeitung "Jediot Achronot" in ihrer Online-Ausgabe. Netanjahu hatte kurz vor dem Ende des Besuchs von US-Präsident Barack Obama den türkischen Premier Erdogan angerufen.

Lieberman begründete seine Haltung mit der Moral der Truppe. Die Entschuldigung werde sich nachteilig auf die Motivation aller israelischen Soldaten auswirken. "Jeder, der die Bilder von der Marmara gesehen hat, versteht ohne jeden Zweifel, dass die israelischen Soldaten in Notwehr gehandelt haben", sagte Lieberman, der zum Zeitpunkt des Zwischenfalls Außenminister war.

Lieberman hofft auf Rückkehr in Ministeramt

Die Türkei hatte nach dem Vorfall den Botschafter Israels ausgewiesen und auch die militärische Zusammenarbeit mit dem Land im Rahmen der Nato abgebrochen. Eine Entschuldigung Israels war nach dem Willen der Regierung in Ankara Voraussetzung einer Normalisierung der Beziehungen - doch Netanjahu konnte sich knapp drei Jahre lang nicht dazu durchringen.

Auch die Veröffentlichung eines offiziellen israelischen Untersuchungsberichts im vergangenen Juni konnte das nicht ändern. Darin stellte ein Ombudsmann fest, dass Netanjahu beim blutigen Militäreinsatz schwere Fehler begangen habe. Alternativen zu dem gewaltsamen Vorgehen seien nicht ausreichend erwogen, Risiken falsch eingeschätzt und interne Regeln verletzt worden. Auch ein Bericht der Uno hatte den Einsatz als exzessiv und unverhältnismäßig verurteilt.

Lieberman gilt als rechter Hardliner und ist die Nummer Zwei in Netanjahus Block Likud-Beitenu. Ende vergangenen Jahres musste er nach einer Anklage wegen Untreue als Außenminister zurücktreten, seitdem übt Netanjahu das Amt mit aus. Falls er seinen Strafprozess unbeschadet übersteht, soll Lieberman den Posten als Israels Chefdiplomat Medienberichten zufolge wieder übernehmen.

fdi/dpa

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insgesamt 67 Beiträge
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1.
firestarter111 23.03.2013
ähm... immerhin haben die soldaten einen aktivisten regelrecht hingerichtet. einfach auf youtube bestaunen!
2.
machivaelli_mach11 23.03.2013
Die Türkei hat sich durchgesetzt, die Era in der sich Israel für seine Taten keine Rechenschaft abgeben muss ist vorbei. Wir sind dem Frieden in dieser Region ein Stückchen näher gekommen.
3. Untragbar
BaMargera 23.03.2013
Lieberman ist einer der größten "Beton-Köpfe" in Israel, politisch am rechten äußeren Spektrum zu finden und interpretiert jede Aktion, die seitens anderer Politiker auf Verständigung und Entgegenkommen abzielt, als Demonstration der Schwäche. Er kennt nur die Position der Stärke, mit ihm ist Frieden in Nahost nicht drin.
4. Es war ein Fehler!
Realität! 23.03.2013
Es war Israels Recht sich zu verteidigen! https://www.youtube.com/watch?v=TwoqGJJltPU Jeder der sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat weiß, dass es keine Aktivisten sondern Terroristen auf der Marmara waren!
5.
regensommer 23.03.2013
Zitat von Realität!Es war Israels Recht sich zu verteidigen! https://www.youtube.com/watch?v=TwoqGJJltPU Jeder der sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat weiß, dass es keine Aktivisten sondern Terroristen auf der Marmara waren!
Und wieso wurden die anderen Terroristen frei gelassen? Irgendwas stimmt da nicht in Ihrer Argumentation. Sie sollten eher vorsichtig mit solchen Beschuldigungen umgehen. Der Schuß könnte eines Tages für Sie nach hinten losgehen.
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