Israel Fatah-Führer muss wegen Gewalt-Aufruf in Isolationshaft

Er hatte zu Gewalt gegen Israel aufgerufen, dafür muss Fatah-Führer Marwan Barghuti nun in Isolationshaft. Der palästinensische Politiker hätte seinen offenen Brief offiziell anmelden müssen, heißt es zur Begründung.

Häftling Barghuti (Archivbild): Sieben Tage Isolationshaft
AP

Häftling Barghuti (Archivbild): Sieben Tage Isolationshaft


Tel Aviv - Als Reaktion auf seinen öffentlichen Aufruf zur Gewalt muss der Fatah-Führer Marwan Barghuti sieben Tage in Isolationshaft. Dazu sei er nach einer disziplinarischen Anhörung verurteilt worden, sagte ein Sprecher der israelischen Gefängnisbehörde. Gefangene müssten Veröffentlichungen vorab genehmigen lassen - Barghuti habe dies nicht getan.

Der seit zwölf Jahren inhaftierte Palästinenserpolitiker hatte die Palästinenser in einem am Dienstag in der palästinensischen Zeitung "Al Kuds" veröffentlichten Brief dazu aufgefordert, Israel mit Gewalt zu bekämpfen. "Den umfassenden und bewaffneten Widerstand zu wählen, heißt die Ideen und Grundsätze Arafats zu bewahren, für die Zehntausende als Märtyrer starben", schrieb Barghuti. Er erinnerte die Palästinenser auch "an das Vermächtnis und die Prinzipien von Jassir Arafat, für die er gemeinsam mit Zehntausenden getötet wurde". Der Todestag des Palästinenserführers hatte sich am Dienstag zum zehnten Mal gejährt.

Barghuti gilt als populärster Politiker von Mahmoud Abbas' Fatah-Partei, er war einer der Initiatoren der zweiten Intifada, die im September 2000 begann. Weil er Dutzende Palästinenser zu Selbstmordanschlägen nach Israel geschickt hatte, verurteilte ihn ein israelisches Gericht im Jahr 2002 zu viermal lebenslänglicher Haft. Die Fatah fordert seine vorzeitige Freilassung. Der charismatische Barghuti gilt als möglicher Nachfolger von Abbas.

In den vergangenen Wochen haben sich die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern deutlich verschärft. Palästinensische Extremisten hatten dreimal Passanten mit Autos gerammt. Zuletzt waren zwei Israelis mit Messerstichen getötet worden. Am Samstag hatten israelische Polizisten einen 22-jährigen israelischen Araber getötet. Israel fürchtet wegen der Gewalt den Ausbruch einer dritten Intifada.

mxw/dpa/AFP

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