Israel Inhaftierter Fatah-Führer ruft zum bewaffneten Widerstand

Am zehnten Todestag von Jassir Arafat scheint ein Frieden zwischen Israel und den Palästinensern weiter entfernt denn je. Die Fatah ruft zum gewaltsamen Widerstand gegen die Israelis.

Häftling Barghuti (Archivbild): "Unsere Führung muss ihre Zurückhaltung aufgeben"
AP

Häftling Barghuti (Archivbild): "Unsere Führung muss ihre Zurückhaltung aufgeben"


Jerusalem - Am zehnten Todestag des ehemaligen palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat gab es erneut Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis.

In der Nähe von Hebron im Westjordanland erschoss die israelische Armee einen jungen Palästinenser. Der 22-Jährige hatte mit etwa 150 anderen Menschen Steine und Brandsätze auf Autos nahe der israelischen Siedlung Kirjat Arba geworfen. Nach Angaben palästinensischer Krankenhausärzte wurde der Mann von mehreren Kugeln im Oberkörper getroffen.

Marwan Barghuti, der populärste Vertreter der Fatah-Bewegung von Autonomiepräsident Mahmud Abbas, forderte anlässlich des zehnten Todestags von Arafat, mit Gewalt gegen Israel vorzugehen. "Den umfassenden und bewaffneten Widerstand zu wählen, heißt die Ideen und Grundsätze Arafats zu bewahren, für die Zehntausende als Märtyrer starben", schrieb Barghuti in einem Brief, der am Dienstag in palästinensischen Medien verbreitet wurde.

Abbas wirft Israel "religiösen Krieg" vor

Barghuti war einer der Initiatoren der Zweiten Intifada, die im September 2000 begann. Weil er Dutzende Palästinenser zu Selbstmordanschlägen nach Israel geschickt hatte, verurteilte ihn ein israelisches Gericht im Jahr 2002 zu viermal lebenslänglicher Haft. Die Fatah fordert seine vorzeitige Freilassung. Der charismatische Barghuti gilt als möglicher Nachfolger von Abbas.

"Unsere Führung muss ihre Zurückhaltung aufgeben und auf der Stelle die Sicherheitskooperation beenden, die dem Besatzer nutzt", fordert Barghuti in seinem Brief. Die Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde arbeiten eng mit Israel zusammen, um Selbstmordanschläge und Bombenattentate zu unterbinden.

Präsident Abbas selbst wandte sich an Arafats zehntem Todestag ebenfalls an die Palästinenser. Bei der zentralen Gedenkfeier in Ramallah warf er Israel einen "religiösen Krieg" gegen die Araber vor, weil die Regierung von Benjamin Netanjahu Juden nicht daran hindere, auf dem Tempelberg in Jerusalem zu beten. Die Palästinenser würden die Moschee und die christlichen Kirchen in Jerusalem "gegen die Siedler und die Extremisten" verteidigen, rief Abbas aus.

Jüdische Splittergruppen treten in jüngster Zeit verstärkt dafür ein, auf dem Tempelberg Gebetsrituale zu verrichten und baldmöglichst wieder einen jüdischen Tempel zu bauen.

In den vergangenen Wochen haben sich die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern deutlich verschärft. Palästinensische Extremisten hatten dreimal Passanten mit Autos gerammt. Am Montag waren zwei Israelis mit Messerstichen getötet worden. Am Samstag hatten israelische Polizisten einen 22-jährigen israelischen Araber getötet. Israel fürchtet wegen der Gewalt den Ausbruch einer dritten Intifada.

syd/AFP/dpa/AP

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