Botschaft an Mursi Israel fordert Rückzug ägyptischer Panzer vom Sinai

Nach mehreren Anschlägen auf dem Sinai hat Ägypten aufgerüstet: Kairo hat auf der Halbinsel Panzer auffahren lassen. Die Regierung des benachbarten Israel fühlt sich brüskiert: Laut einem Medienbericht fordert Premier Netanjahu von Ägyptens Präsident Mursi den Abzug der Fahrzeuge.

Ägyptischer Panzer in al-Arisch im Nordsinai: Angeblich unabgesprochene Aufrüstung
DPA

Ägyptischer Panzer in al-Arisch im Nordsinai: Angeblich unabgesprochene Aufrüstung


Tel Aviv - Seit den Attacken auf dem Sinai ist das Verhältnis zwischen Ägypten und Israel erneut belastet. Jetzt hat die Regierung in Tel Aviv das Nachbarland aufgefordert, die erst kürzlich auf die Halbinsel verlegten Panzer wieder abzuziehen. Die Führung in Kairo müsse künftig auch weitere Truppenverlegungen in die Grenzregion mit Israel koordinieren, berichtete die israelische Zeitung "Maariv". Das Blatt beruft sich auf eine Botschaft von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an die ägyptische Regierung von Staatschef Mohammed Mursi.

"Israel ist wegen der ägyptischen Panzer auf dem Nordsinai besorgt. Dies stellt eine Verletzung des Friedensvertrags dar", zitierte die Zeitung einen ungenannten Regierungsvertreter in Jerusalem. Das Friedensabkommen von Camp David sieht eine weitgehende Demilitarisierung des Sinai vor.

Regierungssprecher Mark Regev wollte sich zu dem Bericht nicht äußern: "Wir kommentieren solche Artikel nicht." Auch das Außenministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

Ägypten hatte sein Militär im Nordsinai verstärkt, nachdem militante Islamisten am 5. August 16 ägyptische Soldaten getötet und anschließend die Grenze zu Israel durchbrochen hatten. Bisher hieß es in Medienberichten, die Truppenverlegung sei mit Israel abgesprochen gewesen.

Jerusalem fordert seit Wochen von Kairo, die Grenze zum Gaza-Streifen energischer zu bewachen. Seit dem Sturz des langjährigen Diktators Husni Mubarak im vorigen Jahr klagt Israel über zu laxe ägyptische Sicherheitsvorkehrungen.

Der neue ägyptische Präsident Mursi steht deshalb unter Druck. Er hat Tel Aviv zugesagt, den Sinai wieder unter die Kontrolle der Sicherheitskräfte zu bringen. Die Regierung in Jerusalem befürchtet, dass der Sinai sich zum Rückzugsgebiet für Islamisten entwickelt, die von dort aus mit Extremisten aus dem Gaza-Streifen Anschläge auf den jüdischen Staat verüben und so den Friedensvertrag mit Ägypten gefährden könnten.

Am Montag hatte die Nachrichtenagentur Reuters gemeldet, dass Ägypten neben Panzern auch die Luftwaffe auf dem Sinai einsetzen will. Die Regierung in Kairo werde gegen Milizen in der Grenzregion auch mit mobilen Raketenwerfern vorgehen, verlautete am Montag aus den ägyptischen Sicherheitskreisen. Laut Reuters sollen auf dem Sinai erstmals seit dem Krieg mit Israel im Jahr 1973 Panzer und die Luftwaffe eingesetzt werden.

Der in der vergangenen Woche ernannte Verteidigungsminister General Abdel Fattah al-Sisi plane den Einsatz derzeit. Eine andere mit dem Vorhaben vertraute Person sagte, die Armee wolle in der zentralen Bergregion angreifen. Dort sollen sich islamische Milizen aufhalten, die Ägypten für den Angriff auf den Grenzposten Anfang August verantwortlich macht.

heb/dpa/Reuters

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Michael KaiRo 21.08.2012
1.
Häh? Einerseits fordert Israel von Ägypten, dass die im Sinai gegen die dortigen "Extremisten" mehr tun soll, andererseits dürfen die Ägypter keine Panzer dort auffahren. Wie sollen sie denn diese "Extremisten" bekämpfen? Mit Wattebäuschen zuschmeißen?
mocki 21.08.2012
2. Ansichtssache
Das ägyptische Regime geht mit schweren Waffen gegen oppositionelle Aktivisten vor. Ich fordere eine Flugverbotszone und Regimechange. Ein sofortiger Boykott des Regimes ist angezeigt!
Emil Peisker 21.08.2012
3. die Erlaubnis wohl täglich erneuern.
Zitat von mockiDas ägyptische Regime geht mit schweren Waffen gegen oppositionelle Aktivisten vor. Ich fordere eine Flugverbotszone und Regimechange. Ein sofortiger Boykott des Regimes ist angezeigt!
Die sogenannten Aktivisten haben 16 Grenzposten getötet, einen Panzer geklaut und sind damit durch die israelische Grenze gerauscht. Die israelische Luftwaffe hat die Chaoten gestoppt. Letzte Woche beklagten die Israelis noch die fehlende Präsenz der ägyptischen Armee an der Grenze, und stimmten der Verlegung von Streitkräften zu. Jetzt will Israel, dass die Ägypter die Erlaubnis wohl täglich erneuern. Die Netanyhu/Lieberman Truppe brauct einfach dauernd Ärger mit den Nachbarn. Vertrauensaufbau sieht anders aus. Aber vielleicht wollen sie ja auch die Ägypter dazu provozieren, den Friedensvertrag aufzukündigen. Nach dem Iranfeldzug rechnet man eh' damit, dass die Beziehungen auf Null gehen.
herrflosse 21.08.2012
4. ³
Zitat von Michael KaiRoHäh? Einerseits fordert Israel von Ägypten, dass die im Sinai gegen die dortigen "Extremisten" mehr tun soll, andererseits dürfen die Ägypter keine Panzer dort auffahren. Wie sollen sie denn diese "Extremisten" bekämpfen? Mit Wattebäuschen zuschmeißen?
vllt erwartet Isreal eine Einladung um die Lage im Sinai ... zu besetzten ...ähm zu bereinigen
herrflosse 21.08.2012
5. ³
Zitat von Michael KaiRoHäh? Einerseits fordert Israel von Ägypten, dass die im Sinai gegen die dortigen "Extremisten" mehr tun soll, andererseits dürfen die Ägypter keine Panzer dort auffahren. Wie sollen sie denn diese "Extremisten" bekämpfen? Mit Wattebäuschen zuschmeißen?
vllt erwartet Isreal eine Einladung um die Lage im Sinai ... zu besetzten ...ähm zu bereinigen .
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