Israels Offensive gegen Hamas: Twitter-Krieg um Gaza

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Der jüngste Konflikt zwischen Israel und der Hamas eskaliert auch im Web. Nach dem Angriff auf den Gaza-Streifen liefern sich die Kontrahenten eine Propaganda-Schlacht auf Twitter. Jerusalem hat aus Fehlern gelernt und kämpft jetzt gezielt um Bilder und Schlagzeilen.

Israelische Armee auf Twitter: Die Online-Krieger verbreiten ihre Sicht der Dinge Zur Großansicht
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Israelische Armee auf Twitter: Die Online-Krieger verbreiten ihre Sicht der Dinge

Gaza-Stadt - Es ist das erste Mal, dass die neue PR-Abteilung der israelischen Armee zeigen konnte, was sie zu bieten hat. Auf Twitter setzten die Militärs am Mittwoch den Krieg fort, kurz nachdem eine israelische Rakete ein Auto in die Luft jagte, in dem der Militärchef der Hamas, Ahmed al-Dschabari, saß. Es folgte ein Link zum Video, das den Raketenangriff zeigen soll, und die Erklärung: "Wir empfehlen Hamas-Mitgliedern, egal ob niedrig- oder hochrangige Chefs, ihren Kopf in den kommenden Tagen unten zu halten."

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Über ihren Twitter-Account antworteten Hamas-Kämpfer ebenso martialisch: "Unsere gesegneten Hände werden eure Anführer und Soldaten erreichen, wo auch immer sie sein mögen (Ihr habt euch selbst die Tore zur Hölle geöffnet)."
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Stundenlang hielten beide Seiten ihre Follower live über den Fortgang des Krieges auf dem Laufenden. Um drei Uhr morgens Ortszeit legte sich der Hamas-Twitterer offenbar schlafen, während in Israel wohl die Nachtschicht übernahm - strategisch geschickt, schließlich steuerte man in den USA erst noch auf die Abend-Fernsehsendungen und den Druckschluss der Zeitungen zu.

Israels PR-Debakel

Es ist eine alte Maxime, dass die Wahrheit im Krieg als Erstes stirbt. Daran haben auch die Zeiten des Sofort-Journalismus im Internet nichts geändert, im Gegenteil. Für die Konfliktparteien ist es essentiell, mit ihrer Sichtweise der Dinge sofort auf allen Kanälen präsent zu sein - und da hatte Jerusalem einiges aufzuholen.

  • Beim Einmarsch in den Libanon 2006 musste Jerusalem zusehen, wie der Hisbollah-Fernsehsender al-Manar rund um die Uhr die Bilder von verletzten libanesischen Zivilisten zeigte und die Zahl der getöteten israelischen Soldaten live nach oben aktualisierte.
  • Von der Gaza-Offensive 2008 blieben die Bilder verletzter palästinensischer Zivilisten und ihrer zerstörten Häuser in Erinnerung.
  • Und dann war da auch noch das Debakel der Gaza-Flotille 2010: Israelische Soldaten stürmten ein Boot mit Aktivisten, die offenbar nur mit Messern und Stöcken bewaffnet waren. Mehrere von ihnen wurden von den Israelis erschossen. Die Aktivisten stellten anschließend Videos des Militärzugriffs ins Internet. Im Gedächtnis blieb, dass Israel Menschenrechtler erschoss.

Seitdem hat die israelische Armee aufgerüstet an der Medienfront. Eigene Kameramänner sollen die Soldaten im Krieg begleiten. 2009 wurde eine neue Einheit gegründet - besetzt anfangs mit knapp einem Dutzend junger Leute, die als computerbegeistert galten. Rund um die Uhr twittert, bloggt und postet die neue Einheit für soziale Netzwerke der israelischen Armee - und das auch noch mehrsprachig.

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Angriff auf Gaza-Streifen: Feuerball in der Nacht
Sie befüttern Blog, Facebook-Seite, Tumblr, Twitter-Accounts und YouTube-Seite der israelischen Armee. Hin und wieder sind ihre Tweets auch grenzwertig. "James Bond hat ein paar nette Gadgets, aber unsere sind besser. Bond, schau dir das an und du wirst heulen", hieß es neulich mit einem Link auf Militärgerät der israelischen Armee.

Junge Online-Krieger

Während der aktuellen Gaza-Attacke agieren die jungen Online-Krieger allerdings ganz wie alte PR-Hasen. Im Minutentakt wird scheinbar objektive Hintergrundinformation geliefert, etwa eine Kurzbiografie zum getöteten al-Dschabari, in der er als Terrorist bezeichnet wird und in der die Verfasser ausblenden, dass man den Hamas-Militärchef jahrelang als zuverlässigen Verhandlungspartner akzeptierte.

Auch werden Fotos von Flugblättern getwittert, die man im Gaza-Streifen abgeworfen hat, um Zivilisten zu warnen. Die Botschaft: Die israelische Armee schaltet mit chirurgischer Präzision Bösewichte aus und tut alles, um Unschuldige zu schützen.

Die Hamas-Kämpfer zeigten unterdessen auf Twitter kommentarlos Fotos, auf denen Babys zu sehen sein sollen, die bei den israelischen Angriffen ums Leben kamen. Sie twitterten, ihre eigenen Raketen-Angriffe richteten sich ausschließlich auf militärische Ziele in Israel. Die Israelis konterten mit Meldungen über zivile Opfer auf ihrer Seite.

Wie erfolgreich die neue israelische Internet-Offensive ist, muss sich erst noch zeigen. Einen ersten kleinen Sieg konnten die Palästinenser einfahren: Das Video der israelischen Armee, das den Raketen-Angriff auf den Hamas-Militärchef zeigte, wurde inzwischen von YouTube entfernt. Offenbar gingen Beschwerden ein, das Video verstoße gegen die Nutzungsbedingungen - Gewaltszenen will die Plattform nicht zeigen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
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1. Unakzeptabler Bericht
ip- 15.11.2012
Zitat von sysopDer jüngste Konflikt zwischen Israel und der Hamas eskaliert auch im Web. Nach dem Angriff auf den Gaza-Streifen liefern sich die Kontrahenten eine Propaganda-Schlacht auf Twitter. Jerusalem hat aus Fehlern gelernt und kämpft jetzt gezielt um Bilder und Schlagzeilen. Israel führt Twitter-Krieg in Gaza gegen die Hamas - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-fuehrt-twitter-krieg-in-gaza-gegen-die-hamas-a-867436.html)
Beim Lesen dieses Artikels wurde mir regelrecht schlecht. Wieso wird Israel derartig dämonisiert? Da wird in Zusammenhang mit der israelischen Seite von "Internet-Krieger", "fortführung des Krieges im Internet" und "PR-Debakel" gesprochen. Einfach plump und einseitig. Wie kann man nur von Propaganda sprechen, wenn dieser Typ als Terrorist bezeichnet wird? Oder wenn die Israelis es nicht gut heißen, wenn auf sie ständig eingedroschen wird? Was auch immer Frau Salloum sich bei dem Artikel gedacht hat, es ist nichts weiter als plumpe Meinungsmache.
2. Gedächtnis
Arno Nühm 15.11.2012
Im Gedächtnis blieb, dass man nicht mit dem Messer auf bewaffnete Soldaten losgehen sollte...
3. "zuverlässigen Verhandlungspartner" :-)
adal_ 15.11.2012
Zitat von sysopWährend der aktuellen Gaza-Attacke agieren die jungen Online-Krieger allerdings ganz wie alte PR-Hasen. Im Minutentakt wird scheinbar objektive Hintergrundinformation geliefert, etwa eine Kurzbiografie zum getöteten al-Dschabari, in der er als Terrorist bezeichnet wird und in der die Verfasser ausblendeten, dass man den Hamas-Militärchef jahrelang als zuverlässigen Verhandlungspartner akzeptierte.[/url]
Soll das witzig sein oder zynisch? Der SPIEGEL blendet hier aus, dass sich die Erpressten nicht aussuchen können, mit wem sie verhandeln wollen, um den Entführten (Gilad Shalit) freizubekommen.
4. Elektronische Lügen sind -
hugahuga 15.11.2012
Zitat von sysopDer jüngste Konflikt zwischen Israel und der Hamas eskaliert auch im Web. Nach dem Angriff auf den Gaza-Streifen liefern sich die Kontrahenten eine Propaganda-Schlacht auf Twitter. Jerusalem hat aus Fehlern gelernt und kämpft jetzt gezielt um Bilder und Schlagzeilen. Israel führt Twitter-Krieg in Gaza gegen die Hamas - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-fuehrt-twitter-krieg-in-gaza-gegen-die-hamas-a-867436.html)
Lügen. Ganz einfach. Da hält man sich dann doch besser an unumstössliche Tatsachen. Es wird schwierig bis unmöglich sein, den Landraub und den Siedlungsbau seitens Israel auf palästinensischem Boden einfach ,wegzulügen'. Israel geht es auch darum, den Antrag der Palästinenser als Beobachter in die UN aufgenommen zu werden, zu stören.
5. optional
Rodri 15.11.2012
Irgendwie ist mir nicht ganz klar, was Frau Salloum der Menschheit mitteilen möchte... a) Dschabari war ein Terrorist. b) Was kann denn Israel dafür, dass sie keine besseren Verhandlungspartner bei der Hamas haben/Hatten?! Sollen die etwa gar nicht erst diplomatische Beziehungen aufnehmen und gleich drauf ballern? c) beim Versuch in ein Sperrgebiet zu gelangen mit Messern und Stangen Soldaten anzugreifen ist wohl kaum "friedlich". Und d) das mit Youtube war ein guter Witz. Die zeigen täglich Videos von Massenhinrichtungen und nehmen die trotz Beschwerden nicht raus.
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