Nahostkonflikt USA fordern Sitzung des Sicherheitsrats wegen Mörserangriffen auf Israel

Die israelische Armee hat in der Nacht Angriffe auf Dutzende Hamas-Ziele geflogen - und aus dem Gazastreifen starten weiter Raketen und Granaten Richtung Israel. Die USA wollen deshalb die Uno einschalten.

Explosion im Gazastreifen
DPA

Explosion im Gazastreifen


Die USA haben wegen der Granatenangriffe radikaler Palästinenser auf Israel eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats beantragt. Das Uno-Gremium müsse Stellung beziehen zu der "jüngsten Runde von Gewalt gegen unschuldige israelische Zivilisten", teilte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, mit. Die Führung der Palästinenser müsse "zur Rechenschaft gezogen werden".

"Der Sicherheitsrat sollte empört sein", teilte Haley mit. Der Rat könnte bereits Mittwochnachmittag zusammenkommen. Dieser hatte angesichts des Konflikts zuvor bereits erwogen, eine "internationale Schutzmission" in den Gazastreifen zu senden. Die Diskussionen über den von Kuwait erstellten Resolutionsentwurf stockten jedoch - auch wegen der Ablehnung der USA.

Offenbar heftigster Mörserbeschuss seit dem Gazakrieg 2014

Nach Armeeangaben waren am Dienstag insgesamt rund 70 Raketen und Mörsergranaten auf den Süden Israels abgefeuert worden. Hamas und Islamischer Dschihad bekannten sich zu dem Beschuss. Die meisten Geschosse und Raketen seien vom Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden, teilte die Armee mit. Drei israelische Soldaten wurden den Angaben zufolge verletzt.

Einem Armeesprecher zufolge explodierte eine Granate in der Nähe eines Kindergartens, der beschädigt worden sei. Kinder hielten sich dort nicht auf. Dem israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet zufolge handelt es sich um die heftigsten Mörserangriffe auf Südisrael seit dem Gazakrieg 2014.

Als Reaktion auf Raketen- und Granatbeschuss aus dem Gazastreifen hat die israelische Armee in der Nacht zum Mittwoch nach eigenen Angaben neue Luftangriffe auf zahlreiche Ziele in dem Palästinensergebiet geflogen. Insgesamt 65 "militärische Ziele" der radikalislamischen Hamas seien getroffen worden, teilte die Armee mit.

Bereits am späten Abend hatte die israelische Marine ein Boot mit 17 palästinensischen Aktivisten abgefangen, das als Protestaktion die seit Jahren geltende Seeblockade des Küstengebiets zu durchbrechen versuchte. Bei den Dutzenden Bombardierungen kamen sowohl Kampfflugzeuge als auch Hubschrauber zum Einsatz. Unter anderem ein Tunnel sowie militärische Infrastruktur der Hamas und des Islamischen Dschihad sollen getroffen worden sein - darunter ein Angriffstunnel nahe dem Warenübergangspunkt Kerem Schalom an der Grenze zu Ägypten.

Die radikalislamische Palästinensergruppe Islamischer Dschihad erklärte sich nach der Eskalation zu einer Waffenruhe bereit. Die palästinensischen Fraktionen würden sich an die Feuerpause halten, solange auch Israel dies tue. Die Hamas und der Islamische Dschihad sprachen später auch davon, es sei unter Vermittlung Ägyptens eine Waffenruhe vereinbart worden.

Ein israelischer Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, wies dies allerdings zurück. Berichte über eine Feuerpause seien nicht zutreffend. Der israelische Geheimdienstminister Israel Katz sagte zu der Frage dem Sender Israel Radio lediglich: "Es hängt von der Hamas ab." Wenn sie weitermache, sei auch ihr Schicksal ungewiss.

apr/AFP/dpa/Reuters/AP



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