Anschlag vor 25 Jahren: Israel gesteht Tötung von Arafat-Vize Abu Dschihad

Israels Militärzensur hat ein Interview freigegeben, in dem ein Elitesoldat die Verantwortung für die Tötung von Abu Dschihad übernimmt. Der PLO-Vize wurde 1988 in Tunis umgebracht. An der Kommandoaktion waren auch zwei heutige Regierungsmitglieder beteiligt.

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PLO-Anführer Arafat und Abu Dschihad: "Er war ein Todeskandidat"

Jerusalem - Fast 25 Jahre lang galt es als offenes Geheimnis, nun hat Israel erstmals bestätigt, 1988 Abu Dschihad, den damaligen Vize-Chef der der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), getötet zu haben.

Die Militärzensur erlaubte erst jetzt der Zeitung "Jediot Ahronot" ihre Recherchen zu dem Fall zu veröffentlichen, darunter ein Interview mit dem Kommandosoldaten, der Abu Dschihad in Tunesien erschoss und der 2000 bei einem Motorradunfall starb. "Ich habe ihn mit einem langen Feuerstoß getötet", zitierte die Zeitung am Donnerstag Nahum Lev. "Ich habe aufgepasst, dass ich seine Frau nicht verletze, die da auftauchte. Abu Dschihad war in furchtbare Akte gegen Zivilisten verwickelt. Er war ein Todeskandidat. Ich erschoss ihn ohne Zögern."

Israel warf Abu Dschihad, der eigentlich Chalil al-Wasir hieß, eine Serie tödlicher Anschläge vor, darunter ein Angriff auf einen Bus 1978, bei dem 38 Israelis getötet wurden. Ende 1987 soll der Stellvertreter von Jassir Arafat die erste Intifada, den ersten Aufstand der Palästinenser in den besetzten Gebieten, organisiert haben. Die Kommandoaktion in Tunis erfolgte 1988.

Intifada ging nach Abu Dschihads Tod weiter

Der Darstellung Levs zufolge trafen in der Nacht zum 16. April 1988 insgesamt 26 Mitglieder der Eliteeinheit in der tunesischen Hauptstadt ein und teilten sich in zwei Gruppen. Nachdem zuerst ein Bodyguard des PLO-Mannes erschossen wurde, brach das zweite Kommando in seine Villa ein. Mehrere Bewaffnete hätten dann auf Abu Dschihad geschossen. Auch ein zweiter Leibwächter und der im Haus schlafende Gärtner wurden demnach getötet. "Es war sehr schade um den Gärtner", sagte Lev im Interview. "Aber in solchen Operationen musst du sicherstellen, dass jeder potentielle Widerstand neutralisiert wird."

An dem Attentat waren zwei israelische Persönlichkeiten beteiligt, die heute Regierungsmitglieder sind: Verteidigungsminister Ehud Barak, der damals stellvertretender Streitkräftechef war, und der stellvertretende Ministerpräsident Mosche Jaalon, damals Leiter der Einheit Sajeret Matkal. Beide wollten sich nicht zu dem Bericht äußern.

Die USA hatten die Tötung des 52-Jährigen damals als "politisches Attentat" verurteilt. Die Uno verdammte die "Verletzung der territorialen Integrität Tunesiens". Die Intifada ging auch nach Abu Dschihads Tod fünf Jahre weiter und endete erst mit dem israelisch-palästinensischen Abkommen von Oslo 1993.

syd/dapd/AFP

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