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Raketen-Angriff auf Israel: Angst vor neuem Gaza-Krieg wächst

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Israelische Soldaten: Neue Eskalation in Nahost

Die Lage in Nahost spitzt sich zu: Die Hamas hat Dutzende Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert, die israelische Armee will 1500 Reservisten mobilisieren.

Gaza/Tel Aviv - Die Gewalt im Konflikt zwischen israelischer Armee und Hamas eskaliert zunehmend. Am Montagabend feuerte die im Gazastreifen herrschende Hamas dutzende Raketen auf israelische Ortschaften. Erstmals seit Beginn der jüngsten Welle der Gewalt bekannte sich ihr bewaffneter Arm zu den Angriffen. Die israelischen Behörden wiesen die Bevölkerung in der West-Negev-Region an, sich nicht weit von Schutzräumen zu entfernen.

Nach Angaben des israelischen Fernsehens wurden binnen einer Stunde rund 60 Raketen abgefeuert. Es seien Ortschaften im Umkreis von 40 Kilometern vom Gazastreifen angegriffen worden. Die israelischen Armee berichtete sogar von im Gazastreifen abgefeuerten Raketen, die bis zu 80 Kilometer jenseits der israelischen Grenze einschlugen - so weit wie nie zuvor in der jüngsten Eskalation.

Israels Arme bereitet sich indes auf eine größere Militäroperation vor. 1500 Reservisten würden mobilisiert, kündigte der Armeesprecher Peter Lerner an. "Unsere Botschaft ist, dass wir für jede Entwicklung bereit sind", sagte der Armeesprecher. Hamas sei aktiv an den jüngsten Angriffen auf Israel beteiligt. "Wir müssen uns auf eine weitere Verschlimmerung der Lage einrichten."

Die radikalislamische Hamas hatte nach heftigen israelischen Luftangriffen Rache für den Tod von neun Menschen angekündigt. Sieben der im Gazastreifen Getöteten waren laut der Nachrichtenagentur Maan Mitglieder des bewaffneten Flügels der Hamas. Sechs von ihnen seien beim Bombardement eines Tunnels im Grenzgebiet zu Ägypten ums Leben gekommen. Die Luftwaffe habe den Eingang vor einiger Zeit beschossen, bestätigte auch Militärsprecher Lerner. Die Hamas-Mitglieder seien aber getötet worden, als sie die Schäden inspizieren wollten.

"Die Realität ist unerträglich"

Im Streit um das richtige Vorgehen in dem Konflikt brach der israelische Außenminister Avigdor Lieberman das Bündnis seiner Partei mit dem regierenden Likud. Seine Fraktion wolle aber in der von Regierungschef Benjamin Netanjahu geführten Koalition bleiben. Lieberman hat Netanjahus Vorgehen gegen die im Gazastreifen herrschende Hamas als zu zögerlich kritisiert.

Er fordert eine breite Militäroffensive in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer. "Die Realität, in der wir leben, mit Hunderten von Raketen, die eine Terrororganisation zur Verfügung hat und die jederzeit entscheiden kann, wann sie sie einsetzen will, ist unerträglich", sagte Lieberman. "Ich verstehe nicht, worauf wir warten."

Angesichts der Gewalt wächst die Sorge vor einem neuen Gaza-Krieg und einem neuen Palästinenser-Aufstand. Der Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri beschrieb die israelischen Luftangriffe als "schwerwiegende Eskalation". Hamas hat bereits gedroht, "neue Ziele" in Israel anzugreifen. Bei dem letzten großen Schlagabtausch im November 2012 hatte Hamas auch die israelischen Großstädte Tel Aviv und Jerusalem attackiert.

Mord mit Tatverdächtigen nachgestellt

Auslöser für die neuen Spannungen waren die Entführung und die Ermordung von drei jüdischen Teenagern sowie der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen. In letzterem Fall hat die israelische Polizei sechs jüdische Tatverdächtige festgenommen. Die verdächtigen Israelis seien zu einer psychiatrischen Untersuchung geschickt worden, meldete die Nachrichtenseite "ynet".

Drei von ihnen haben nach israelischen Medienberichten den Mord an Mohammed Abu Chedair gestanden. Die israelische Zeitung "Haaretz" schrieb am Montag, die Polizei habe die Tat mit den Verdächtigen nachgestellt. "Wir versuchen herauszufinden, welche Rolle jeder von ihnen genau gespielt hat", sagte Polizeisprecher Mickey Rosenfeld.

Ministerpräsident Netanjahu sprach dem Vater des jungen Arabers am Montag sein Beileid aus. Er selbst und die Bürger Israels seien "tief erschüttert von dem abscheulichen Mord" an dem 16-Jährigen. Die Leiche von Mohammed Abu Chedair war am Mittwoch in einem Wald bei Jerusalem gefunden worden. Ein vorläufiger Autopsiebericht ergab nach palästinensischen Angaben, dass er bei lebendigem Leibe verbrannte.

Bei den festgenommenen Tatverdächtigen handele es sich um eine "Zelle von Mitgliedern des ultrarechten Lagers", berichtete der israelische Rundfunk unter Berufung auf Polizeikreise. Man gehe jedoch nicht von einer organisierten Terrorzelle aus. Tatmotive seien offenbar Hass auf Araber und Rache für den Mord an den israelischen Teenagern.

irb/dpa/Reuters

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