Nahost-Konflikt: Israel akzeptiert Waffenruhe - Hamas lehnt ab

Die ägyptische Initiative für eine Feuerpause in Nahost stößt auf geteiltes Echo: Das israelische Sicherheitskabinett hat die Waffenruhe akzeptiert - aber die palästinensische Hamas weist sie zurück. Bei einem Raketenangriff auf die israelische Stadt Eilat wurden vier Zivilisten verletzt.

Tel Aviv/Gaza/Kairo - Eine Woche nach Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen ist eine Waffenruhe immer noch nicht in Sicht. Zwar hat das israelische Sicherheitskabinett am Morgen einen ägyptischen Vorschlag für eine Feuerpause akzeptiert, aber die palästinensische Hamas lehnt eine Waffenruhe ohne Vorbedingungen ab.

"Ein Waffenstillstand ohne eine Einigung (mit Israel) ist ausgeschlossen", sagte Hamas-Sprecher Fausi Barhum. "In Zeiten des Krieges lässt man nicht die Waffen ruhen, um anschließend zu verhandeln." Die Hamas habe kein offizielles Angebot erhalten.

Ähnlich äußerte sich der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden: Von offizieller Stelle habe niemand den "in den Medien diskutierten" Vorschlag einer Waffenruhe an die Gruppe herangetragen. Aber die in Medien veröffentlichten Auszüge zeigten, dass es sich um eine Initiative der "Unterwerfung" handele. "Unsere Schlacht mit dem Feind geht weiter und wird an Heftigkeit und Intensität zunehmen", hieß es in der Erklärung.

Fotostrecke

16  Bilder
Gaza-Krieg: Erneute Eskalation in Nahost
Die von der ägyptischen Regierung vorgelegte Initiative sieht eine Waffenruhe vor. Zudem soll über die Einfuhr von Waren und Personen in den abgeriegelten Gazastreifen verhandelt werden. Binnen 48 Stunden nach Inkrafttreten des Waffenstillstands will Ägypten ranghohe palästinensische und israelische Delegationen empfangen, um indirekte Verhandlungen zu führen.

Steinmeier zu Gesprächen in Nahost

Das israelische Sicherheitskabinett war heute Morgen zusammen gekommen. Schon vorher hatte es in der israelischen Zeitung "Haaretz" geheißen, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stehe dem Vorschlag positiv gegenüber. Mit der Zustimmung zu dem Plan trat die israelische Feuerpause heute um 8 Uhr MESZ in Kraft, wie das israelische Militärradio und der Fernsehsender Kanal Zwei berichteten.

Bei einer Dringlichkeitssitzung zum Gaza-Konflikt forderten die Außenminister der Arabischen Liga Israel und die Hamas auf, den ägyptischen Vorschlag umzusetzen. Auch die US-Regierung und der Sondergesandte des Nahost-Quartetts, Tony Blair, begrüßten die Initiative aus Kairo. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier will heute in Jerusalem und Ramallah über den Konflikt sprechen.

Seit dem Beginn der israelischen Luftangriffe im Gazastreifen am Dienstag vergangener Woche wurden in der palästinensischen Enklave bereits 186 Menschen getötet und fast 1300 verletzt. Laut Uno sind viele der Opfer Frauen und Kinder. Das Uno-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) berichtete von 17.000 Menschen, die in ihren Schulen Zuflucht gesucht hätten.

An diesem Dienstag wurden bei einem Raketenangriff auf die südisraelische Hafenstadt Eilat am Roten Meer vier Zivilisten verletzt. Israelischen Sicherheitskreisen zufolge wurden die drei Raketen von ägyptischem Boden aus abgefeuert. Dafür verantwortlich seien vermutlich militante Islamisten auf der ägyptischen Halbinsel Sinai, die Ägyptens Vorstoß für eine Nahost-Waffenruhe sabotieren wollten. Es war das erste Mal seit Beginn des jüngsten Konfliktes zwischen Israel und Palästinensern im Gazastreifen vor einer Woche, dass auch Eilat von Raketen getroffen wurde.

Der israelische Militäreinsatz ist die Vergeltung für Raketenangriffe aus dem Gazastreifen. Seit Beginn der Offensive schlugen 800 Raketen in Israel ein. Auf israelischer Seite wurde bislang niemand getötet. Es gab mehrere Verletzte, darunter vier Schwerverletzte. Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen.

Karte

ler/AFP/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 143 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nach dieser Meldung
thinking_about 15.07.2014
Zitat von sysopAFPIn Israel berät das Sicherheitskabinett über eine Waffenruhe mit der Hamas. Die militante Palästinensergruppe lehnt den ägyptischen Vorschlag jedoch ab: Dieser sei eine Initiative der Unterwerfung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-hamas-lehnt-aegyptens-vorschlag-fuer-waffenruhe-ab-a-981045.html
soeben: http://www.sueddeutsche.de/news/politik/konflikte-israels-kabinett-beraet-ueber-waffenruhe-mit-hamas-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-140715-99-00581 """Die radikal-islamischen Hamas lehnte eine Feuerpause vor einer Vereinbarung jedoch zunächst ab. Auch rechtsorientierte israelische Minister kritisierten die Vereinbarung als Nachgeben Israels.""" Die israelische Luftwaffe setzte ihre Angriffe in der Nacht fort. Auch die Raketenangriffe militanter Palästinenser dauerten an. lehnen wohl beide Seiten ab.
2. Abgesehen davon...
studibaas 15.07.2014
Das die Hamas einen Knall haben so ein Angebot nicht anzunehmen und sie sich nun spätestens zu Recht als Kriegstreiber beschimpfen lassen müssen, ist dieser Absatz falsch: "Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen." Richtig müsste es heißen: "Auslöser war ein Polizeieinsatz mit mehreren hundert (!) Festnahmen sowie einigen Toten (!) nach einem Mord an drei Entführten israelischen Teenagern. Israel behauptet, die Hamas sei für die Verschleppung und den Mord verantwortlich, die Hamas bestreitet dies. Zur weiteren Eskalation trug ein ein mutmaßlicher Rachemord an einen palästinensischen Jugendlichen bei." In eurer Variante klingt das nämlich so, als wären die Täter oder zumindest das politische Umfeld für den Dreiermord bekannt, der Mord an den Palästinensischen jugendlich aber nicht. Beide Mordhintergründe sind aber unklar. Fakt ist nur: Es gab einen Mord an drei Jugendlichen deren Täter völlig unbekannt sind. Es wurde schnell den Hamas untergeschoben und seit dem läuft Krieg. Die Hamas, nun wirklich nicht deeskalativ in ihren Gesprächen bestreiten die Tat,- und ich glaube ihnen. Wer so offen Kriegsgeil ist und mehr oder minder blind Raketen in zivile Gebiete in denen auch Kinder leben schießt hat einfach keinen Grund es zu leugnen... . Genau so wie der 11.09 wo zwei Flugzeuge in die Twin Tower knallten. Schnell war der Schuldige gefunden auf die man seinen Hass projezieren konnte. Osama bin Laden. Nur war der das wahrscheinlich auch nicht. Der sagte in einem Interview (wörtlich bekomme ich es nicht mehr hin, dennoch Anführungszeichen): "Wir können uns leider nicht damit brüsten, diese hervorragend Tat geleistet zu haben, beglückwünschen aber jene, die anscheinend über bessere logistische Kapazitäten verfügen als wir". Sorry, das der man Terorist ist, keine Frage. Das er als Terrorist seit dem 11.09 auf der Abschussliste ganz oben steht nach so einem Statement, auch ganz klar. Aber wer das war steht bis heute nicht fest. Nur, das anscheinend die Pässe von Terroristen Feuerfest sind, während das Kerosin angeblich so heiß war, das die Stahlträger geschmolzen sind... . Es gibt ja auch so böse Verschwörungstheoretiker die sagen, das Ding sei gesprengt worden... .
3. Vergeltung?
laurismauris 15.07.2014
Macht nur so weiter! Jede Rakete, jeder Luftangriff und jeder ermordete oder verletzte Gegner wird den Hass immer weiter anwachsen lassen. Dabei wird die Ursache aus den Augen verloren. Die Welt will eine 2-Staatenlösung. Netanjahu und die Falken auf beiden Seiten wollten das nie. Krieg als Dauerlösung, weil einige machtbesessene Politiker keinen Frieden wollen.
4. Ganz toller Vorschlag
donnerfalke 15.07.2014
Zuerst wird von der Seite Israels dauer bombadiert und viel Schäden auf Palästinenserseite verursacht. Dann plötzlich der Vorschlag mit Waffenruhe, ganz tolles Timing. Klar dass Palästinenser jetzt sauer sind, und dann kann man nat. behaupten sie sind schuld und wollen keine Waffenruhe. Da sieht man wieder dass Israel mit USA zusammen arbeitet.
5. Natürlich
j.c78. 15.07.2014
Natürlich stimmt die Hamas nicht zu. Jeder Friede, der nicht auf der totalen Vernichtung Israels gründet würde der Hamas die Existenzberechtigung entziehen. Alle Hamas-Funktionäre würden Einfluss, Macht und Einnahmen verlieren. Daher war die Tötung der drei Jugendlichen auch kein Zufall sondern eine bewußte Provokation der Hamas.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Nahost-Konflikt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 143 Kommentare
Fotostrecke
Krieg in Gaza: Kommandoaktionen gegen die Hamas

Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 7,837 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt:
Reuven Rivlin

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Israel-Reiseseite