Gaza-Streifen: USA unterstützen israelische Luftangriffe

Israel verstärkt seine Luftangriffe auf den Gaza-Streifen und hat dafür nach eigenen Angaben "die volle Rückendeckung" aus Washington. Am Nachmittag heulten in Tel Aviv erneut die Luftschutzsirenen - die israelische Raketenabwehr holte das Geschoss vom Himmel.

Israelische Raketenabwehr im Süden des Landes: Abschuss der Hamas-Geschosse Zur Großansicht
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Israelische Raketenabwehr im Süden des Landes: Abschuss der Hamas-Geschosse

Jerusalem/Gaza-Stadt - Im Luftkrieg gegen die Ziele im Gaza-Streifen sieht sich die israelische Regierung vom engen Verbündeten in Washington unterstützt. "Die USA haben uns volle Rückendeckung dafür gegeben, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Staatsbürger vor dem Terror der Hamas zu schützen", erklärte Israels Botschafter in Washington, Michael Oren, in US-Medien.

Am frühen Samstagmorgen zerbombten israelische Kampfjets die Hamas-Regierungszentrale in Gaza-Stadt. Gleichzeitig ging die Stationierung von Panzern im Grenzgebiet zu Gaza weiter.

Israel hat nach eigenen Angaben seit Mittwoch mehr als 800 Ziele im Gaza-Streifen angegriffen. Allein in der Nacht zum Samstag seien mehr 180 Luftangriffe geflogen worden, erklärte das Militär am Morgen. Ins Visier genommen wurden neben Regierungsgebäuden auch Einrichtungen der Polizei, Schmugglertunnel und Raketensilos. Militante Palästinenser feuerten zeitgleich etwa 600 Raketen und Granaten Richtung Israel. 39 Palästinenser und drei Israelis wurden getötet.

Am Samstagnachmittag holte die israelische Raketenabwehr eine Rakete aus dem Gaza-Streifen kurz vor der Stadtgrenze von Tel Aviv vom Himmel. Zu dem Angriff bekannten sich die Kassam-Brigaden, der militärische Arm der Hamas. Es war der dritte Tag in Folge, dass der Großraum Tel Aviv mit Raketen angegriffen wurde. Über Opfer ist bislang nichts bekannt.

Rakete stürzt vor Tel Aviv ins Meer

Noch während die Luftschutzsirenen heulten, war ein lauter Knall zu hören. Ein Radioreporter berichtete, er habe gesehen, wie die Abfangrakete das nahende Geschoss in der Luft traf. Augenzeugen sprachen von einer großen Rauchwolke. Die Überreste der Rakete seien dann vor dem südlichen Vorort Bat Jam - etwa vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt - ins Meer gestürzt. Die Streitkräfte hatten das Abwehrsystem vom Typ "Iron Dome" ("Eisenkuppel") erst am Samstag vor Tel Aviv in Stellung gebracht.

Die Hamas zeigte sich weiter kämpferisch. Am vierten Tag israelischer Luftangriffe erklärte sie: "Israel wird einen hohen Preis für seine Verbrechen zu zahlen haben. Wir schwören Rache für Tod und Schrecken, die die Besatzer über unsere Menschen bringen." "Die palästinensische Regierung unterstreicht ihre Standfestigkeit und ihre Unterstützung für den palästinensischen Widerstand", schrieb Regierungssprecher Ihab Hussein am Samstagmorgen in einer Nachricht an Journalisten. "Sie steht an der Seite des Volkes, das dieser Aggression ausgesetzt ist."

Merkel telefoniert mit Netanjahu und Mursi

Bundeskanzlerin Merkel telefonierte am Samstag mit Israels Premier Benjamin Netanjahu sowie dem ägyptischen Präsidenten Mohamed Mursi. Im Gespräch mit Netanjahu betonte die Kanzlerin das Recht Israels auf Selbstverteidigung und die Pflicht zum Schutz der israelischen Bevölkerung, wie der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter mitteilte. "Sie war sich mit dem Premierminister einig, dass schnellstmöglich ein vollständiger Waffenstillstand erreicht werden müsse, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden", hieß es weiter.

Den Ägypter Mursi ermunterte die Kanzlerin den Angaben zufolge, "seine wichtige Vermittlerrolle weiter auszuüben und die palästinensischen Gruppen zu einer umgehenden Einstellung der Angriffe auf Israel zu bewegen". Eine Eskalation der Gewalt müsse verhindert werden.

International richten sich die Hoffnungen darauf, dass es Mursi gelingt, auf die Konfliktparteien einzuwirken. Auch US-Präsident Barack Obama telefonierte am Freitag mit Mursi.

fab/ler/dpa/Reuters

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insgesamt 114 Beiträge
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1. Hamas-Gründungshelfer USA und Israel!
Gruuber 17.11.2012
Abgesehen davon, dass die Hamas bei ihrer Gründung finanziell von den USA und Israel unterstützt wurde (nicht von Deutschland oder Österreich), um Arafat zu konterkarieren, könnte sogar ich, ein total unfähiger Waffenhändler, mit dem internationalen Hilfen, welche den Palästinensern für Waffenkäufe von den USA, Israel u. etlichen NATO-Ländern angedichtet werden, wesentlich bessere und wirkungsvollere Waffen kaufen. Welche Waffen der Palästinenser sollen denn wirkungsvoll gegen die israelische Luftwaffe sein? Man zähle doch einmal auf! Und auch gegen die israelischen Panzer und die israelische Artillerie soll es nichts Besseres auf dem freien Markt(!)geben, als die Palästinenser haben? Würde das stimmen, was den Palästinensern von den Israelis und ihren Helferhelfern ständig angedichtet wird, würden die Israelis andere militärische Schäden erleiden. Bitte um konkrete Antwort: Welche modernste Raketen, Flugabwehr-, Panzerabwehrwaffen aus dem Waffenarsenal der Iraner, Nordkoreaner, Russen, China (und anderer Gegner der NATO und Israels) haben die Palästinenser? Bitte kein Herumgerede, wenn es geht! Übrigens haben die USA und Israel (unter dem republikanischen Präsidenten Reagan) auch Raketen und andere Waffen an den Steinzeitajatollah Khomeini geliefert. Siehe Iran-Contra-Affäre! Das Aufbauen von Feinden und gefährlichen Krisen ist doch eine langjährige Spezialität der beiden Länder.
2.
Medienkenner 17.11.2012
Ich sach ja: Die Hardliner nicht nur in Israels, sondern auch in der US-Politik und dem US-Militär müssen weg, vorher gibt es keinen Frieden, weder für die geschundenen Palästinenser noch für die restliche Welt. Obama, der "Kriegsteufel", findet jedoch auch in der deutschen Mainstream-Presse dicke Unterstützung, deshalb wird der Befreiungskampf der Völker zwangsläufig noch etwas dauern.
3. Gaza-Streifen
eulenspiegel_neu 17.11.2012
Warum gibt es in Israel und in Palästina keine Volksabstimmung über die Frage der Friedenspoltik in beiden Ländern unter der Oraganisation und Aufsicht der UN? Dann würde sich zeigen, dass weder die US-Regierung noch andere Länder einzugreifen bzw. den Ländern den Rücken stärken müssen. Vor allemn Dingen würde die Bevölkerung beider Lager geschont und müßten nicht die Politik beider Länder mit Tod und Blut bezahlen. Ohne die friedenliebenden Bevölkerungsteile in beiden Ländern ist die Gegend zur Vernichtung geweiht. Die westlichen und östlichen Völker müssen aufzeigen, dass der Friede notwendig und von der Weltorganisation UN auch durchgesetzt werden kann. Alles andere spielt nur den Krisengewinnlern in beiden Ländern sowie den Waffenlieferanten das Geld in die Taschen! Es muß ein Ende haben mit Aggressionen und Krieg in dieser Region. Durch einen auszuhandelnden Kompromiß kann diese region ihren verdienten Frieden finden. Es pflastern zuviele Leichen diesen unwürdigen Weg, den Israelis und Palästinenser seit 1949 eingechlagen haben ...
4. Menschenrechte auch für Palästinenser
68bella68 17.11.2012
Frieden wird es erst geben, wenn man die Palästinenser wie Menschen behandelt. Das "Freiluftgefängnis Gaza" ist schlimmer, als es die Homelands der südafrikanischen Appartheit je waren, die weißen Südafrikaner sorgen dort mehr für die Schwarzen als die Israelis für das angeblich unabhängige Gaza. Doch gibt es einen Unterschied zwischen der Appartheit in Südafrika und Gaza. Die weißen Südafrikaner brauchten die Schwarzen als Arbeitskräfte und sie beachteten das. Den Israelis ist das Leben der Palästinenser egal, wie der Krieg Atommacht gegen Gaza zeigt. Israelische Luftangriffe treffen präzise, die Spielzeugraketen der Palästinenser selten.
5. Ihr vergeßt Folgendes:
distel61 17.11.2012
Israel wird im Süden ständig mit Raketen beschossen, nur ist das hier in D in der alltäglichen Berichterstattung nicht zu hören. Nur ab und zu mal im Auslandsjournal. Und jetzt haben die Israelis halt die Nase voll davon und deswegen haben sie den Anführer der militärischen Hamas bombardiert. Dass das alles nur noch viel schlimmer macht ist klar. War also keine kluge Aktion, aber irgendwann reicht es denen halt auch.
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Kampf gegen Hamas: Netanjahus gefährliche Strategie

Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 7,837 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt: Schimon Peres

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

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Israels gezielte Tötungen: Raketen, Gift und Schokolade

Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
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Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
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Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
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Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
AP
Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
AP
Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
DPA
Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
REUTERS
Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.