Israel Heftige Proteste gegen jüdisch-muslimische Hochzeit

Sie schrien "Möge dein Dorf niederbrennen": Rechte Demonstranten haben in Israel versucht, die Hochzeit zwischen einer Jüdin und einem Muslim zu stürmen. Polizisten schützten die Eheschließung mit einer Menschenkette.

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Rischon Lezion - Die israelische Polizei hat am Sonntag 200 rechte Demonstranten davon abgehalten, die Hochzeit zwischen einer Jüdin und einem Muslim zu stürmen. Die aufgebrachte Menge schrie "Tod den Arabern", berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Mehrere Dutzend Polizisten und Spezialkräfte hätten eine menschliche Kette gebildet, um die Protestierenden von der Hochzeit fernzuhalten, hieß es. Vier Demonstranten seien festgenommen worden.

Die Proteste in der Stadt Rischon Lezion nahe Tel Aviv wurden von der Gruppe Lehava organisiert, die schon öfter mit Drangsalierungen gegen Araber aufgefallen war. Ein Sprecher der Gruppe nannte gemischte Ehen zwischen Juden und Muslimen "schlimmer als das, was Hitler getan hat". Die größtenteils jungen Männer bezichtigten die Braut, die vor der Hochzeit vom Judentum zum Islam konvertiert war, als "Verräterin des jüdischen Staates" und sangen: "Möge dein Dorf niederbrennen".

Der neue israelische Präsident Reuven Rivlin teilte auf seiner Facebook-Seite mit, die Proteste seien ein "Grund für Empörung und Besorgnis". Weiter schrieb er: "Solche Aktionen untergraben die Basis unserer Koexistenz hier in Israel, einem Land, das sowohl jüdisch als auch demokratisch ist." Ungefähr 20 Prozent der israelischen Bevölkerung ist arabischstämmig.

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Israel: Hochzeit unter Hasstiraden
Die Gäste der Hochzeit versuchten, sich unbeeindruckt zu geben. "Wir werden tanzen und fröhlich sein, bis die Sonne aufgeht, wir sind für Koexistenz", sagte einer. Ein Ehrengast der Hochzeit war Israels Gesundheitsministerin Yael German. Sie sagte bei ihrer Ankunft, die Demonstration sei "ein Ausdruck von Demokratie". Zudem hatten sich einige Dutzend linke Gegendemonstranten eingefunden, die den Spruch "Liebe besiegt alles" hochhielten.

Der Anwalt des Paars hatte vor der Hochzeit noch versucht, die erwarteten Proteste verbieten zu lassen - jedoch ohne Erfolg. Genehmigt wurde lediglich ein Sicherheitsabstand von 200 Metern.

kes/Reuters



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