Nahost-Konflikt Israel hörte Telefonate von US-Außenminister Kerry ab

Der israelische Geheimdienst hat offenbar Telefonate von US-Außenminister Kerry abgehört. Nach SPIEGEL-Informationen nutzte die Regierung in Jerusalem die so gewonnenen Erkenntnisse bei Verhandlungen zum Nahost-Konflikt.

US-Außenminister John Kerry: Telefondiplomatie abgehört
AP

US-Außenminister John Kerry: Telefondiplomatie abgehört


Hamburg - Der US-amerikanische Außenminister John Kerry ist während der Friedensverhandlungen im Nahen Osten vom israelischen Geheimdienst abgehört worden. Neben den Israelis habe mindestens ein weiterer Geheimdienst mitgehört, als Kerry im vergangenen Jahr zwischen Israel, Palästinensern und arabischen Staaten vermittelte, bestätigten mehrere Quellen aus Geheimdienstkreisen dem SPIEGEL. Das Bekanntwerden des Lauschangriffs könnte das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Israel und der US-Regierung weiter verschlechtern.

Während der Hochphase der Friedensgespräche im vergangenen Jahr hatte Kerry regelmäßig mit hochrangigen Gesprächspartnern im Nahen Osten gesprochen. Dabei nutzte er nicht nur verschlüsselte Leitungen, sondern auch normale Telefone, deren Signale unverschlüsselt über Satellit übertragen - und mitgehört wurden. Die Regierung in Jerusalem hat die Informationen in den Verhandlungen über eine diplomatische Lösung im Nahen Osten genutzt.

Im aktuellen Gaza-Konflikt hatten die Israelis Kerry zuletzt massiv kritisiert, einzelne Minister forderten ihn indirekt auf, sich aus den Gesprächen zurückzuziehen. Weder das US-Außenministerium noch israelische Behörden wollten sich zu der Abhöraktion äußern.

Kerry war erst vergangene Woche nach Israel geflogen, um zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Ein Vorschlagsentwurf für eine Waffenruhe wurde jedoch von Israels Regierung brüsk zurückgewiesen: Offenbar war in dem Plan keine Rede davon gewesen, dass die Hamas ihr Raketenarsenal aufgeben und ihr Tunnelsystem zerstören müsse. Schon im vergangenen Jahr hatte Kerry sich intensiv um Verhandlungen zwischen Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde bemüht, doch auch diese waren gescheitert. Spätestens seitdem gilt das Verhältnis zwischen John Kerry und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als angespannt.

Grundsätzlich gibt es an der Unterstützung der USA für Israel aber weiterhin keinerlei Zweifel. Erst am Freitag hatte der US-Kongress beschlossen, die Ausstattung des Raketenabwehrsystems "Iron Dome" (Eiserne Kuppel) mit 225 Millionen Dollar (knapp 168 Millionen Euro) zu bezuschussen.

Die ganze Geschichte lesen Sie hier im aktuellen SPIEGEL.

cis

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insgesamt 209 Beiträge
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Seite 1
redwed11 03.08.2014
1.
Die US Regierung, die anordnet Alles und Jeden auszuspähen wird doch bestimmt nichts dagegen haben, wenn auch ihre Mitglieder ausspioniert werden. Für die US Regierung ist doch solch ein Verhalten das normalste der Welt. Wie sagte Herrenmensch Alexander, "nun wissen sie es, das sie abgehört werden". Oder sollte die US Regierung Unterschiede machen und nur ihre eigene Spionage für sebstverständlich halten? ,
geisterfahrerii 03.08.2014
2. Gleiches Recht für alle
Wenn die Israelis die Amerikaner abhören, tun sie dieses doch ganz sicher auch nur zur Terrorabwehr. Die Amerikaner sollen sich mal nicht so haben.
brechthold 03.08.2014
3. Nach US-amerikanischer Logik
nachvollziehbar. Die USA machen ja auch Geschäfte mit dem Irak, der Türkei, Deutschland und all den anderen Schurkenstaaten. Die Ironie in dieser Situation ist einfach nur goldig.
jfpublic 03.08.2014
4. Sehr schön,
vielleicht werden wir lernen, wie man auf Abhörmaßnahmen wirkungsvoll reagiert. Ansonsten: ".. seitdem gilt das Verhältnis zwischen John Kerry und Israels Präsident Benjamin Netanjahu als angespannt... " - Überraschung? Die Frage ist doch eher: Wer kann noch mit Obama und seiner Truppe?
sumashod 03.08.2014
5. Sehr interessant!
Ich bin sehr gespannt, wie das Weiße Haus darauf reagiert. Sicher wird es ein "No Spy" Angebot geben!
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