Über den Irak nach Syrien Irans Waffenroute durch die Wüste

Irans Regime schafft offenbar immer mehr Waffen auf dem Landweg nach Syrien. Israel beobachtet das mit großer Sorge. Nun könnte Donald Trump auch noch die letzte US-Basis in der Nähe der Route räumen.

Schiitische Milizionäre im Irak
REUTERS

Schiitische Milizionäre im Irak

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US-Präsident Donald Trump und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin treffen sich am Montag in der finnischen Hauptstadt Helsinki. Es ist der erste offizielle bilaterale Gipfel zwischen den beiden Staatsoberhäuptern. Auf der Agenda: die großen Fragen der Weltpolitik - und damit auch der Syrienkonflikt.

Die Armee von Diktator Baschar al-Assad hat in den Tagen vor dem Helsinki-Gipfel ihre Offensive in der Provinz Kuneitra auf den Golanhöhen begonnen. Das angrenzende Israel fürchtet, dass bei einem Erfolg künftig auch iranische Militärberater und schiitische Milizen an seine Grenze vorrücken könnten. Iran hat in vielen Schlachten für den Diktator von Damaskus die Wende im seit Jahren andauernden Bürgerkrieg erkämpft.

Golanhöhen

So haben Irans Revolutionswächter und ihre Verbündeten die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in den vergangenen Jahren aktiv im Irak bekämpft. Nun, da der IS nur noch kleine Gebiete kontrolliert, will das Regime in Teheran - so die Einschätzung israelischer und westlicher Militäranalysten - den Irak als wichtige Transitroute ausbauen. Das Ziel am Ende dieser Strecke: das libanesische und syrische Grenzgebiet zu Israel.

Israels Luftwaffe bombardiert deshalb seit Monaten immer wieder Stellungen und Militärbasen des syrischen Regimes, die auch von Iran genutzt werden. Erst in der Nacht zum Montag sollen Israelis den Militärflughafen Nairab bei Aleppo angegriffen haben. Israel äußert sich zu diesen Angriffen - im Regelfall - nicht.

Auch Mitte Juni gab es eine Attacke weit von seinen Landesgrenzen entfernt, im irakisch-syrischen Grenzgebiet, nahe dem Ort Abu Kamal. Dabei sollen Dutzende Kämpfer getötet worden sein, mutmaßliche Mitglieder der irakisch-schiitischen Miliz Kataib Hisbollah. Die Miliz wurde nach der US-Invasion im Irak 2003 von den iranischen Revolutionswächtern gegründet. Wie der Name schon sagt, nach dem Vorbild der Hisbollah, die Teherans Regime Mitte der Achtzigerjahre im Libanon installierte.

Landbrücke nach Syrien

Das syrische Regime machte die von den USA geführte Anti-IS-Koalition für den Angriff verantwortlich. Die Vereinigten Staaten dementierten jedoch. Nun berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass Israel hinter dem Angriff stecken soll. Der Grund für die Attacke war demnach, dass die Miliz gemeinsam Mitgliedern der iranischen Revolutionswächter rund um Abu Kamal iranische Waffen vom Irak nach Syrien transportierten.

Iranische Revolutionswächter
picture alliance/ abaca

Iranische Revolutionswächter

In den vergangenen Monaten hat Teheran offenbar eine Art Landbrücke errichtet, die von der iranischen Grenze über den Zentralirak nach Syrien reicht. Für Iran bedeutet dieser Landweg einen wichtigen strategischen Vorteil: Lange musste das Regime seine Waffen für die libanesische Hisbollah und andere lokale Verbündete in Flugzeugen auf syrische Militärstützpunkte fliegen.

Israels Geheimdienst konnte diese Lufttransporte vergleichsweise gut überwachen und hat deshalb in den vergangenen Jahren mehrfach Waffenlieferungen kurz nach ihrer Ankunft in Syrien zerstören können. Die Waffenkonvois auf dem Landweg, die sich unter zivile Lastwagen mischen, sind deutlich schwerer zu orten.

Irans Landroute nach Syrien ist Teil des sogenannten schiitischen Halbmondes - also der Einflusssphäre Teherans in der arabischen Welt. Lange galt dieser Halbmond mehr als Schreckensvision Israels und der arabischen Königshäuser. In den vergangenen Monaten ist dieses einstige Zerrbild jedoch mehr und mehr Realität geworden.

SPIEGEL ONLINE

Offenbar profitiert Iran dabei auch von einer strategischen Entscheidung des US-Regierung: Trump will seine verbliebenen Truppen aus Syrien zurückholen. Im Mittelpunkt steht dabei die Militärbasis Tanf, ein kleiner Außenposten mitten in der Wüste nahe dem Dreiländereck zu Jordanien und dem Irak. Es ist der einzige US-Stützpunkt, der zumindest in der Nähe der iranischen Landbrücke liegt.

Putin und Assad fordern seit Langem, dass die Basis Tanf geschlossen wird, weil sie Syriens Souveränität verletze. Möglicherweise werden die Präsidenten in Helsinki über das Schicksal des Stützpunktes diskutieren (lesen Sie hier mehr über die Themen des Gipfels).

Das dadurch entstehende Vakuum käme einem Freifahrtsschein für Iran gleich, dessen Wüstenroute nach Informationen des "Wall Street Journals" schon jetzt über frühere US-Stützpunkte führt, die von Trumps Vorgänger Barack Obama aufgegeben worden sind - etwa über das Camp Speicher nördlich von Bagdad oder die Basis Rutbah im Westirak.

Israels Premier Netanyahu ist deshalb in der vergangenen Woche nach Moskau gereist und hat mit Putin gesprochen. Und am Sonntag rief er Trump an, bevor der nach Helsinki flog. Das Thema der Gespräche: die aktuellen Entwicklungen in der Region, besonders die in Syrien und Iran.



insgesamt 20 Beiträge
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jujo 16.07.2018
1. ...
Das könnte eine heisse Sache werden , nicht nur für die Region. Hoffentlich können besonnene Leute Trump und seine "Wadenbeißer" zurückhalten.
HerrPeterlein 16.07.2018
2. Irans Druckmittel
Der Iran steht seit der einseitigen Kündigung der USA des Vertrags wirtschaftlich enorm unter Druck, was auch zu einem Richtungsstreit zwischen Hardlinern und Gemäßigten dort führt. Nehme nicht an das jemand aus dem Iran die Illusion besitzt Israel erobern zu können, bzw. dieses überhaupt ein realistisches Ziel ist. Doch so haben sie ein enormes Druckmittel mehr, um auch die USA wieder an der Verhandlungstisch zu zwingen. War wohl mal wieder kein kluger Schachzug, radikale Islamisten mit Waffen aufzurüsten um einen Regimewechsel zu erzwingen. Entweder führt es zu einer sehr teueren, völkerrechtswidrigen Dauerstationierung von vielen Soldaten dort, oder andere nutzen das entstehende Machtvakuum.
mainhattan 16.07.2018
3. Das Mullah-Regime muss weg
Ich gehe davon aus, dass Trump das Mullah-Regime im Iran abschaffen wird. Das dürfte auch in Putins Interesse sein, da dieser seine Präsenz in Syrien ohne Zwischenfälle und kriegerische Auseinandersetzungen halten will, wie er das schon seit Jahrzehnten tut. Ein Segen wäre das Ende des Mullah-Regimes für den Libanon. Dort würde die Hisbollah finanziell und waffenmäßig ausgetrocknet werden, was nicht nur den Libanesen gut täte, sondern auch den Israelis. Und die Terrorgruppen in Gaza, wie die Hamas, hätten auch keine Waffen mehr und müssten ihre Attacken gegen Israel zumindest stark einschränken. Ein Segen für den Nahen Osten, wenn die Mullahs in der Versenkung verschwinden würden und ein Segen für die iranische Bevölkerung, vor allem für die Frauen!!
az26 16.07.2018
4.
Zitat von HerrPeterleinDer Iran steht seit der einseitigen Kündigung der USA des Vertrags wirtschaftlich enorm unter Druck, was auch zu einem Richtungsstreit zwischen Hardlinern und Gemäßigten dort führt. Nehme nicht an das jemand aus dem Iran die Illusion besitzt Israel erobern zu können, bzw. dieses überhaupt ein realistisches Ziel ist. Doch so haben sie ein enormes Druckmittel mehr, um auch die USA wieder an der Verhandlungstisch zu zwingen. War wohl mal wieder kein kluger Schachzug, radikale Islamisten mit Waffen aufzurüsten um einen Regimewechsel zu erzwingen. Entweder führt es zu einer sehr teueren, völkerrechtswidrigen Dauerstationierung von vielen Soldaten dort, oder andere nutzen das entstehende Machtvakuum.
Das wäre ja der Hammer und ein Witz der Weltgeschichte, würde der Iran gerade die USA und einem Republikaner Trump an den Verhandlungstisch zwingen. Die groß inszenierte Bändigung des kleinen Kim ging bei den Hardlinern durch, aber ob die und vor allem Israel da mitspielen? Israel tat ja alles dafür, dass nicht. 15 Jahre alte Papiere, groß als heißester Scheiß angepriesen, waren aber nicht dafür sonderlich geeignet.
touri 16.07.2018
5.
Zitat von mainhattanIch gehe davon aus, dass Trump das Mullah-Regime im Iran abschaffen wird. Das dürfte auch in Putins Interesse sein, da dieser seine Präsenz in Syrien ohne Zwischenfälle und kriegerische Auseinandersetzungen halten will, wie er das schon seit Jahrzehnten tut. Ein Segen wäre das Ende des Mullah-Regimes für den Libanon. Dort würde die Hisbollah finanziell und waffenmäßig ausgetrocknet werden, was nicht nur den Libanesen gut täte, sondern auch den Israelis. Und die Terrorgruppen in Gaza, wie die Hamas, hätten auch keine Waffen mehr und müssten ihre Attacken gegen Israel zumindest stark einschränken. Ein Segen für den Nahen Osten, wenn die Mullahs in der Versenkung verschwinden würden und ein Segen für die iranische Bevölkerung, vor allem für die Frauen!!
Ähm ja, weil der letzte durch die USA durchgeführte Regimechange im Iran ja so gut funktioniert hat. Wie soll den Trump das "Mullah-Regime" im Iran beseitigen? Das Land zusammenbomben und besetzen wie den Irak? Jetzt mal davon abgesehen, dass das unzählige tote und eine zerstörte Infrastruktur bedeutet, der Iran spielt in einer etwas anderen Liga als damals der Irak und hat auch andere Verbündete, wie z.B. Russland und China. Und was genau soll dann danach kommen? Nein der beste Weg wäre die moderaten Kräfte im Iran zu unterstützen. Leider tut Trump das genaue Gegenteil davon.
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