Urananreicherung Israel nennt Atomdeal mit Iran historischen Fehler

Iran und die Uno-Vetomächte feiern den Durchbruch im Atomstreit, doch die Genfer Vereinbarung löst in Israel große Sorge und harsche Kritik aus. Premier Netanjahu spricht von einem "historischen Fehler", Außenminister Lieberman vom "größten Sieg Irans".

Umstrittene Reaktoranlage im iranischen Arak: Größte Sorgen in Israel
REUTERS

Umstrittene Reaktoranlage im iranischen Arak: Größte Sorgen in Israel


Jerusalem - Der Durchbruch im Atomstreit gelang in der Nacht in Genf: Die 5+1-Staaten der Uno-Vetomächte und Deutschland haben eine Einigung mit Iran erzielt. Nach US-Angaben hat sich Teheran verpflichtet, die Urananreicherung bei fünf Prozent zu deckeln. Im Gegenzug werden die Sanktionen gegen das Land gelockert.

Frankreichs Präsident François Hollande bezeichnete die Einigung als einen "bedeutenden Schritt in die richtige Richtung": "Sie stellt eine Etappe hin zur Einstellung des iranischen Atomprogramms dar und damit hin zur Normalisierung unserer Beziehungen mit Iran." Russlands Außenminister Sergej Lawrow sprach von einem "Sieg für alle". Es sei "gelungen, eine der größten Aufgaben der Weltpolitik zu lösen". Nun sei eine deutlich bessere Kontrolle des umstrittenen Atomprogramms möglich. US-Präsident Obama sagte, jetzt böte sich eine Chance, "den Weg in eine sicherere Welt zu beschreiten".

Israels Außenminister Avigdor Lieberman reagierte dagegen empört auf die Einigung: Das Übergangsabkommen sei der "größte diplomatische Sieg" für Teheran, sagte er am Sonntag im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die iranische Regierung habe damit erreicht, dass ihr "sogenanntes legitimes Recht zur Urananreicherung" anerkannt worden sei.

Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisierte die Vereinbarung scharf und bezeichnete diese als "historischen Fehler". Es sei ein "schlechtes Abkommen", das Iran gebe, was das Land wolle: "die teilweise Lockerung der Sanktionen und die Beibehaltung eines wesentlichen Teils seines Atomprogramms". "Heute ist die Welt zu einem sehr viel gefährlicheren Ort geworden, weil das gefährlichste Regime der Welt dem Besitz der gefährlichsten Waffe der Welt entscheidend nähergekommen ist", sagte Netanjahu.

Israel ist überzeugt, dass Teheran trotz der Übergangsvereinbarung heimlich weiter danach streben wird, Atomwaffen zu erlangen.

Durch die Vereinbarung könne Iran weiter Uran anreichern, die dafür benötigten Zentrifugen an Ort und Stelle lassen und "spaltbares Material für eine Atomwaffe produzieren", hieß es in der Erklärung Netanjahus. Iran habe sich nicht verpflichtet, den Schwerwasserreaktor in Arak zurückzubauen. Durch "wirtschaftlichen Druck" hätte ein "deutlich besseres Abkommen" erzielt werden können.

Obama will mit Netanjahu telefonieren

Israels Wirtschaftsminister Naftali Bennett sagte, Israel fühle sich nicht an die Vereinbarung gebunden. Israel sei an dem Genfer Abkommen nicht beteiligt gewesen, so der Minister im Armeeradio. "Iran bedroht Israel, und Israel hat das Recht, sich zu verteidigen", fügte er hinzu. Iran sei weiterhin dazu in der Lage, innerhalb von sieben Wochen eine Atombombe zu bauen. "Israel ist auf alle Eventualitäten vorbereitet", fügte Bennett hinzu.

Aus US-Regierungskreisen verlautete, Präsident Barack Obama plane noch für Sonntag ein Gespräch mit Netanjahu, in dem Israels Sorgen über die Zwischenlösung mit Iran erörtert werden sollten. Außenminister John Kerry hatte zuvor erklärt, die Vereinbarung werde "Israel sicherer" machen.

Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei dankte in einer Erklärung seinen Unterhändlern für "diesen Erfolg". "Gottes Gnade, die Gebete und die Unterstützung der Bevölkerung" hätten die Einigung ermöglicht. Chamenei bestimmt als mächtigster Mann im Staat die politischen Leitlinien und überwacht auch deren Umsetzung. Das Atomprogramm untersteht seiner direkten Kontrolle.

Chamenei hat immer auf dem Recht auf ein Atomprogramm beharrt. Vor einer gescheiterten Verhandlungsrunde Anfang November hatte er die iranischen Unterhändler aufgefordert, bei den Rechten Teherans "nicht einen Schritt" zurückzuweichen.

Präsident Hassan Rohani schrieb am Sonntag in einem Brief an Chamenei, das nun erzielte Abkommen nütze allen Ländern in der Region "und dem Weltfrieden". Die Weltmächte hätten das Recht Irans auf ein Atomprogramm und die Urananreicherung "anerkannt", hieß es in dem Brief, aus dem die amtliche Nachrichtenagentur Fars zitierte.

In einer Fernsehansprache sagte Rohani, Iran habe nie eine Atombombe angestrebt. Durch die Einigung seien die gegen das Land verhängten Sanktionen aufgebrochen worden.

cte/AFP/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
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freeusa 24.11.2013
1. Mir doch egal
Alles andere hätte mich jetzt auch gewundert. Ausgleich und der Versuch zur Versöhnung sieht anders aus.
spon-facebook-10000120661 24.11.2013
2. Querdenker sagt:
netanjahu fühlt sich in der Rolle von Rumpelstielzchen.
staatsräson1 24.11.2013
3. Liebe Israelis
Steckt doch endlich euren tumben Netanyahu in eine psychiatrische Klinik. Er ist eine Gefahr für sich und andere.
hazet 24.11.2013
4. Naiv, wer
etwas anderes erwartet hat. Dabei wäre die beste Lösung, ganz Nahost Atomwaffenfrei zu bekommen!
Liberalitärer 24.11.2013
5. Fähigkeit
Zitat von hazetetwas anderes erwartet hat. Dabei wäre die beste Lösung, ganz Nahost Atomwaffenfrei zu bekommen!
Schwer zu sagen, wahrscheinlich stimmt es wenn Rohani sagt, dass Iran die Bombe nicht wollte. Man wollte die Bombe bauen können. Das reicht eigentlich.
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