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Gaza-Krieg: NS-Überlebende prangern "Massaker an Palästinensern" an

Bombardement der israelischen Armee auf zwölfstöckiges Wohngebäude: Feuerball über dem Himmel von Gaza Zur Großansicht
AFP

Bombardement der israelischen Armee auf zwölfstöckiges Wohngebäude: Feuerball über dem Himmel von Gaza

Mit einem dramatischen Appell in der "New York Times" fordern Hunderte Holocaust-Überlebende und deren Nachkommen ein Ende des israelischen Militäreinsatzes in Gaza. Dort hat die Armee ein zwölfstöckiges Wohnhaus zum Einsturz gebracht.

Gaza/New York - Ein Luftangriff der israelischen Armee hat ein zwölfstöckiges Wohngebäude in Gaza zum Einsturz gebracht. Dabei wurden mindestens 22 Menschen verletzt, wie die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf den Sprecher eines örtlichen Krankenhauses berichtet. Nach Angaben eines israelischen Militärsprechers sollen Kämpfer der radikalislamischen Hamas das Gebäude als Kommandozentrale genutzt haben.

Zeugen beobachteten nach dem Einschlag mehrerer Geschosse, wie sich ein riesiger Feuerball über dem Gebäude erhob. Die Explosion ließ nahe stehende Häuser erzittern. Nach Angaben von Anwohnern sollen in dem Wohnhaus 44 Familien gelebt haben.

In dem seit sieben Wochen andauernden Konflikt sind rund 5000 israelische Luftschläge auf das palästinensische Gebiet niedergegangen - der Angriff auf das mehrstöckige Gebäude markiert jedoch ein Ereignis mit besonders vielen Verletzten.

Mit einer großen Anzeige in der "New York Times" stemmt sich eine Gruppe von rund 330 Überlebenden des Holocaust und deren Nachkommen gegen das militärische Vorgehen Israels. Die Unterzeichner, die aus den USA und Europa stammen, prangern den Militäreinsatz in Gaza als "Massaker an den Palästinensern" an. Damit reagierten sie auch auf eine Aktion des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel. Gemeinsam mit anderen Unterstützern hatte er in einer Annonce die Hamas mit den Nazis in Verbindung gebracht und den radikalislamistischen Kämpfern vorgeworfen, Kinder als Schutzschilde zu missbrauchen.

"Ich habe gesehen, wie jüdische Kinder verbrannt wurden. Jetzt muss ich sehen, wie muslimische Kinder als menschliche Schutzschilde missbraucht werden - in beiden Fällen von denen, die den Tod anbeten." Gegen Aussagen wie diese in der von Wiesel lancierten Annonce bringen die Holocaust-Überlebenden nun ihren Unmut zum Ausdruck: "Wir sind angewidert und empört von Elie Wiesels Missbrauch der Geschichte", schreiben sie und verurteilen neben den Waffenlieferungen der USA an Israel auch die Parteilichkeit westlicher Staaten: "Völkermord beginnt mit dem Schweigen der Welt", heißt es weiter.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas drängte am Samstag auf eine baldige Fortsetzung der Friedensverhandlung der verfeindeten Seiten unter der Vermittlung Ägyptens. Israelis und Palästinenser sollten "sobald wie möglich" zu indirekten Gesprächen über eine dauerhafte Waffenruhe nach Kairo zurückkehren, sagte Abbas. Die Verhandlungen waren Mitte der Woche gescheitert, nachdem die radikalislamische Hamas bereits vor Ablauf einer Waffenruhe ihre Raketenangriffe wieder gestartet hatte.

Seit Beginn des Gaza-Konflikts starben etwa 2100 Palästinenser. Mehr als 10.500 wurden verletzt. Auf israelischer Seite kamen 64 Soldaten und vier Zivilisten ums Leben.

Mit Flugblättern hat Israel derweil die palästinensische Bevölkerung aufgefordert, sich von Orten fernzuhalten, an denen Militante Raketen abfeuern. Jedes Haus, von dem militärische Aktionen ausgingen, würde attackiert, stand auf den abgeworfenen Hinweisen.

Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich bei den 330 Unterzeichnern um mehrere Dutzend Holocaustüberlebende und deren Nachkommen. In einer früheren Version dieses Textes war fälschlich von 330 Überlebenden des Holocaust die Rede.

daf/AP/Reuters/dpa

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