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Israel: Zahl inhaftierter Palästinenser um ein Viertel gestiegen

Palästinenser demonstrieren im Westjordanland: Tausende sitzen in Israel in Haft Zur Großansicht
DPA

Palästinenser demonstrieren im Westjordanland: Tausende sitzen in Israel in Haft

In Israels Gefängnissen sitzen laut Regierung wieder deutlich mehr Palästinenser. Jetzt werden für viele von ihnen auch noch die Haftbedingungen verschärft: Mit ihren Familien dürfen sie nicht mehr telefonieren.

Die Zahl palästinensischer Häftlinge in israelischen Gefängnissen ist in den vergangenen vier Jahren um ein Viertel gestiegen. Das teilte die Regierung in Jerusalem mit, wie israelische Zeitungen berichteten. "Heute sitzen in unseren Haftanstalten 5686 Palästinenser, von denen rund 4000 rechtskräftig verurteilt sind", wird Ehud Chalevy, Justiziar der israelischen Gefängnisdienste, zitiert.

Im Oktober 2011 hatte Israel über tausend palästinensische Häftlinge freigelassen - im Austausch für den in den Gazastreifen verschleppten Soldaten Gilad Schalit. Danach saßen noch etwa 4500 Palästinenser in den Haftanstalten Israels. Die Zahl ist mittlerweile also um 26 Prozent angestiegen. Ein Grund: Vor einem Jahr wurden im Westjordanland zahlreiche Hamas-Aktivisten, die für Schalit freigekommen waren, wieder festgenommen. Die Verhaftungswelle war eine Reaktion auf die Entführung und Ermordung von drei israelischen Jugendlichen im Westjordanland. Die Vorfälle waren unter anderem Auslöser für den Krieg, der Ende August 2014 endete.

Gegenwärtig seien 379 der gefangenen Palästinenser zum Schutz der nationalen Sicherheit ohne Anklage in Verwaltungshaft, sagte Chalevy. Diese könne alle sechs Monate unbegrenzt erneuert werden. In Untersuchungshaft säßen bis zum Abschluss ihrer Verfahren derzeit 1432 "Sicherheitsgefangene", darunter 97 Minderjährige.

Der Rechtsausschuss der Knesset beschloss nun, all diesen Häftlingen, die noch nicht rechtskräftig verurteilt wurden, künftig den Telefonkontakt mit ihren Familien zu verbieten. Wie die israelische Tageszeitung "Haaretz" auf ihrer Webseite berichtet, will Israel somit verhindern, dass Terroranschläge aus den Gefängnissen heraus gesteuert werden. Für die Freilassung der Häftlinge gingen im Westjordanland immer wieder Familienangehörige und Sympathisanten auf die Straße.

kev/afp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
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1.
theophanu 02.07.2015
Dieser Staat setzt sich permanent über die Menschenrechte hinweg und weiß sich dabei immer von dem schlechten Gewissen der internationalen Gesellschaft gedeckt. Sicher hat Israel mehr Grund als die post9/11- USA, sich vor terroristischen Angriffen zu fürchten, aber Guantanamo 2.0, ungezielte Massenverhaftungen und Diskriminierung der muslimischen Minderheit werden auch hier nur den auf der Populismuswelle schwimmenden Politikern und den Terrorzellen helfen, die die inhaftierten Märtyrer und die Unterdrückten und Wütenden unter den israelischen Muslimen für ihre Zwecke zu nutzen verstehen werden.
2.
messwert 02.07.2015
Dieser Umgang mit Inhaftierten ist nur EINE der gravierenden Unmenschlichkeiten die sich Israels Politik seit Jahrzehnten, vom Westen gedeckt, leisten kann. Umso schlimmer erachte ich all das Unheil welches die West- Allianz im Namen von Freiheit, Demokratie und Menschenwürde in Ländern außerhalb ihres Bündnis verursacht hat.
3. Rechtstaat
Geraldo Azevedo 02.07.2015
Israel ist ein einzigartiger Rechtsstaat, mit höchstem Resozialisierungsanspruch. So sitz der Mörder von Rabin längst bei Frau und Kindern zu Haus. Leider gilt der Rechtsstaat nicht für Palästinenser. Willkürliche Festnahmen, jahrelange Haft, systematische Folter all das lassen die israelischen Gesetze zu, die auf die Palästinenser angewendet werden. Angesichts dieser Rechtlosigkeit ist deren zumeist friedlicher Protest sehr erstaunlich.
4. Zahl inhaftierter Palästinenser nur um 25% gestiegen
gerhard38 02.07.2015
Da hat der um Frieden und Ruhe bemühte Bibi Netanyahu aber noch eine grosse Aufgabe vor sich bis er alle Palästinenser eingesperrt hat und dann Ruhe ist. Wie lange will die Welt eigentlich noch die Apartheitspolitik der Israelis dulden? Israels Aktionen sind eine Schande und ein verbrechen gegen die Menschenrechte.
5. freizeitpark massstäbler
digidoila 02.07.2015
Zitat von messwertDieser Umgang mit Inhaftierten ist nur EINE der gravierenden Unmenschlichkeiten die sich Israels Politik seit Jahrzehnten, vom Westen gedeckt, leisten kann. Umso schlimmer erachte ich all das Unheil welches die West- Allianz im Namen von Freiheit, Demokratie und Menschenwürde in Ländern außerhalb ihres Bündnis verursacht hat.
das sind terroristen und keine Ladendiebe. ich wünschte ihnen sie lebten mitten unter ihnen und wäre dann gespannt wie liberal sie selber daherkommen würden.
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