Staatliche Vergeltung Israel straft Familie von Synagogen-Attentäter ab

Ihre Ehemänner und Väter ermordeten betende Juden, dafür sollen die Angehörigen der Synagogen-Attentäter büßen: Israel will eine Witwe mit ihrem Sohn aus Jerusalem abschieben und ihnen alle Sozialleistungen streichen.

Attentäter-Witwe Nadia Abu Jamal mit Sohn: Abschiebung als Racheakt
AFP

Attentäter-Witwe Nadia Abu Jamal mit Sohn: Abschiebung als Racheakt


Jerusalem - Sie muss Jerusalem verlassen, weil ihr Mann ein Terrorist war: Nadia Abu Jamal verliert ihr Aufenthaltsrecht im arabischen Teil der Stadt, weil ihr Ehemann Ghassan vor anderthalb Wochen mit einem anderen Attentäter vier Gläubige und einen Polizisten in einer Synagoge erstochen hatte. Innenminister Gilad Erdan werde der Witwe daher das Recht entziehen, in Jerusalem zu leben, meldet unter anderem die israelische Zeitung "Haaretz".

Jamal durfte bislang in Jerusalem aufgrund einer speziellen Regelung leben, die Familien zusammenführen soll, wie etwa die BBC berichtet. Die Witwe wird "Haaretz" zufolge nun in die Palästinensergebiete ausgewiesen und soll keinerlei staatliche Unterstützung mehr erhalten. Premierminister Benjamin Netanjahu kündigte demnach auch ein entsprechendes Gesetz an. "Jeder, der in Terrorismus involviert ist, muss bedenken, dass er verantwortlich dafür ist, dass es auch Konsequenzen für die eigene Familie gibt", sagte Innenminister Erdan.

"Das ist Machtmissbrauch"

Kurz nach dem Anschlag auf die Kehillat Bnei Torah-Synagoge, bei dem Sicherheitskräfte die beiden Attentäter erschossen hatten, hatte Israel bereits die Zerstörung der Wohnhäuser der Täter angeordnet. Ghassans Komplize war sein Cousin Oday Abu Jamal, auch er soll im Jerusalemer Stadteile Jabal Mukaber gelebt haben. Die Leichen der beiden Täter würden den Angehörigen möglicherweise nicht übergeben, teilte die Polizei "Haaretz" zufolge am Dienstag mit.

Die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem kritisierte die Maßnahmen von Innenminister Erdan scharf. "Das ist ein Machtmissbrauch des Ministers und eine Form kollektiver Bestrafung", sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. Das Aufenthaltsrecht und Sozialleistungen seien könnten nicht einfach entzogen werden: "Sie sind eine essentielle Existenzgrundlage von Menschen."

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern wird so gewaltsam ausgetragen wie lange nicht mehr. Wegen wiederholter Anschläge hatte Israel zuletzt angekündigt, seine Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken - unter anderem durch eine Lockerung der Waffengesetze. Schon jetzt gehören bewaffnete Zivilisten zum Straßenbild in Israel.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte den jüngsten Anschlag auf die Synagoge in einer einstimmig verabschiedeten Erklärung verurteilt. Bei der Attacke habe es sich um einen "verabscheuungswürdigen Terrorangriff" gehandelt.

mxw



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