Kämpfe im Gazastreifen Netanjahu droht mit Ausweitung der Bodenoffensive

Israels Armee ist in den Gazastreifen einmarschiert, zerstört dort die Tunnel der Hamas. Jetzt droht Premier Netanjahu: Sein Land sei bereit, die Bodenoffensive im Gazastreifen auszuweiten.

Israels Premier Netanjahu: Feuerkraft und Artillerie im Gazastreifen
AP

Israels Premier Netanjahu: Feuerkraft und Artillerie im Gazastreifen


Tel Aviv/Gaza - Die israelische Armee ist mit Panzern, Artillerie und Infanterieeinheiten in den Gazastreifen eingerückt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, Israel sei bereit, die Offensive "erheblich" auszuweiten. Er habe angeordnet, dass sich das Militär entsprechend darauf vorbereite. Netanjahu äußerte sich am Freitag vor einer Kabinettssitzung, die über den Einsatz entscheidet.

Ziel der Offensive ist es nach Militärangaben, die Infrastruktur der radikalislamischen Hamas zu zerstören. Dabei geht es insbesondere um die Tunnel, durch die immer wieder Hamas-Kämpfer nach Israel gelangen. "Es ist nicht möglich, das Tunnelproblem nur aus der Luft zu beseitigen, unsere Soldaten gehen jetzt auch am Boden dagegen vor", sagte Netanjahu. Die Armee habe den Auftrag, "die Terrortunnel zu zerstören, die aus dem Gazastreifen nach Israel gegraben wurden".

Der Gazastreifen wurde am Freitag auch von Schiffen der Marine unter Beschuss genommen. "Wir setzen auf sehr viel Feuerkraft und Artillerie", sagte ein Armeesprecher. Die Küstenregion wurde am frühen Morgen immer wieder von Lichtblitzen erleuchtet. Die israelischen Einheiten feuerten vom Mittelmeer aus Leuchtspurmunition ab, Hubschrauber schossen über die Grenze hinweg in das dicht besiedelte Gebiet, in dem 1,8 Millionen Menschen leben. Die Armee veröffentlichte Filmaufnahmen, auf denen Panzer über die Grenze hinweg in die Sanddünen von Gaza fuhren. Sie wurden von zahlreichen Soldaten am Boden begleitet.

Erster toter israelischer Soldat

Nach Angaben der palästinensischen Behörden des Küstenstreifens sind seit Beginn der Bodenoffensive am Donnerstagabend 23 Palästinenser getötet worden. Zudem kam ein israelischer Soldat ums Leben. Nach israelischen Medienberichten könnte der Soldat jedoch versehentlich von eigenen Truppen getötet worden sein. Militärsprecher Moti Almos sagte im Armeeradio, die Umstände des Todes würden untersucht.

Die israelische Armee tötete nach eigenen Angaben 14 palästinensische Kämpfer und zerstörte 20 Raketenabschussrampen. Dennoch gab es in Israel erneut Luftalarm. So wurden in der Region Aschdod mehrere Raketen von der Luftabwehr abgeschossen, wie die Streitkräfte mitteilten. Viele der Raketen werden mit dem Abwehrsystem "Iron Dome" abgefangen.

Die Hamas bezeichnete die Bodenoffensive als "gefährlichen Schritt", den Israel "teuer bezahlen" werde. Die palästinensischen Widerstandskomitees kündigten an, man werde Gaza in einen Friedhof für israelische Soldaten verwandeln.

Merkel: "Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung"

Die Hamas greift Israel seit der vergangenen Woche verstärkt mit Raketen an. Jeden Tag werden im Durchschnitt mehr als 100 der Geschosse abgefeuert, teilte die Armee mit. Den Streitkräften war es trotz intensiver Luftangriffe auf den Gazastreifen nicht gelungen, die Attacken zu stoppen. Bei den Bombardierungen durch Israel sind nach palästinensischer Darstellung im Gazastreifen seit Beginn der Kämpfe am 8. Juli insgesamt 251 Menschen ums Leben gekommen - die meisten von ihnen Zivilisten.

Kanzlerin Angela Merkel bekräftigte Israels Recht zur Selbstverteidigung: "Es gibt eine völlig neue Qualität der Bewaffnung der Hamas." Die Großstädte Jerusalem und Tel Aviv seien für die radikale Palästinenserorganisation mit Raketen erreichbar. "Jedes Land muss sich natürlich, wenn es so angegriffen wird, wehren", sagte Merkel. "Das muss natürlich angemessen durchgeführt werden", betonte sie. Zugleich strebe Deutschland eine diplomatische Lösung an.

Antiisraelische Ausschreitungen in der Türkei

Die Türkei forderte eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats. Am Nachmittag wird Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Istanbul erwartet. Er will dort mit Staatspräsident Abdullah Gül und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zusammenkommen.

Türkische Demonstranten griffen diplomatische Vertretungen Israels an. In Istanbul schwenkten Demonstranten am Freitag türkische und palästinensische Fahnen, riefen Sprechchöre und warfen Fensterscheiben mit Steinen und Stöcken ein. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Ausschreitungen gab es auch in der Hauptstadt Ankara, wo Demonstranten nach Medienberichten Scheiben der israelischen Botschaft einwarfen.

Daraufhin kündigte das israelische Außenministerium an, die diplomatische Präsenz in der Türkei auf ein Mindestmaß zu reduzieren, und warf der türkischen Polizei vor, die Botschaften nicht ausreichend zu schützen. Angehörige von Botschaftsmitarbeitern würden nach Israel ausgeflogen.

heb/fab/Reuters/AP/dpa/AFP

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Seite 1
Mitreder 18.07.2014
1. Hundertfache Vergeltung.
Israel hat doch nun die hundertfache Vergeltung für die drei getöteten Jugendlichen erreicht. Wäre es nun nicht Zeit, dass der Rachedurst gestillt ist? Israel agiert keinen Deut besser als die Hamas. Traurig für die Menschen, die einfach nur in Ruhe und Frieden leben möchten. Warum können sich die Verantwortlichen beider Seiten nicht irgendwo verabreden und sich gegenseitig massakrieren? Warum müssen immer so viele Unbeteiligte mit hineingezogen werden? Pfui, schämt Euch, Ihr Verantwortlichen in Israel und auf der anderen Seite.
Bücherleser2014 18.07.2014
2. Feuerkraft und Artillerie
Zitat: "Wir setzen auf sehr viel Feuerkraft und Artillerie", sagte ein Armeesprecher. Wie wär's damit, mal auf Nachdenken und Klugheit zu setzen?
alfredoneuman 18.07.2014
3. Aufforderung zum Selbstmord
Zitat von Bücherleser2014Zitat: "Wir setzen auf sehr viel Feuerkraft und Artillerie", sagte ein Armeesprecher. Wie wär's damit, mal auf Nachdenken und Klugheit zu setzen?
Nachdenken und den Klugen spielen während die Hamas-Raketen auf Israel niederprasseln?
richardson-dutch 18.07.2014
4.
Zitat von MitrederIsrael hat doch nun die hundertfache Vergeltung für die drei getöteten Jugendlichen erreicht. Wäre es nun nicht Zeit, dass der Rachedurst gestillt ist? Israel agiert keinen Deut besser als die Hamas. Traurig für die Menschen, die einfach nur in Ruhe und Frieden leben möchten. Warum können sich die Verantwortlichen beider Seiten nicht irgendwo verabreden und sich gegenseitig massakrieren? Warum müssen immer so viele Unbeteiligte mit hineingezogen werden? Pfui, schämt Euch, Ihr Verantwortlichen in Israel und auf der anderen Seite.
Und wie hätte Israel nach Ihrer Meinung reagieren sollen? Zuschauen und die Raketenangriffe aussitzen? Wie würde das Volk darauf reagieren, wenn es sieht dass die eigene Regierung sie beschützen könnte aber das offensichtlich nicht will?
digidoila 18.07.2014
5. rache spielt keine rolle
Zitat von MitrederIsrael hat doch nun die hundertfache Vergeltung für die drei getöteten Jugendlichen erreicht. Wäre es nun nicht Zeit, dass der Rachedurst gestillt ist? Israel agiert keinen Deut besser als die Hamas. Traurig für die Menschen, die einfach nur in Ruhe und Frieden leben möchten. Warum können sich die Verantwortlichen beider Seiten nicht irgendwo verabreden und sich gegenseitig massakrieren? Warum müssen immer so viele Unbeteiligte mit hineingezogen werden? Pfui, schämt Euch, Ihr Verantwortlichen in Israel und auf der anderen Seite.
irgendwie haben sie ja recht mit der Sehnsucht nach ruhe und frieden. nur sitzen die verantwortlichen der hamas, auf deren Konto neben dem mord an den jugendlichen auch der raketenbeschuss geht weiterhin in ihren bunkern und befehlen weitere anschläge auf die Israelis. solange sie befehlen können, hat Israel nichts wesentliches erreicht. um Rachedurst geht es dabei in keinster weise, sondern Unterbindung weiterer Aggression gegen Israel und seine bürger.
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