Eskalation in Nahost Israel schickt Truppen an Grenze zu Gazastreifen

Erst Luftschläge, jetzt Bodentruppen: Israel verstärkt seine Einheiten an der Grenze zum Gazastreifen. Die Uno verurteilt die Gewalt auf beiden Seiten - kritisiert aber vor allem "Racheakte" Israels.


Jerusalem - Israel hat begonnen, Truppen an die Grenze zum Gazastreifen zu schicken. Das bestätigte Armeesprecher Peter Lerner am Donnerstagmittag. Es sei auch eine begrenzte Zahl von Reservisten mobilisiert worden. Er betonte jedoch mehrfach, Israel sei nicht an einer Offensive im Gazastreifen interessiert.

Lerner rief die im Gazastreifen herrschende Hamas auf, den fortwährenden Raketenbeschuss israelischer Grenzorte zu unterbinden, um eine weitere Eskalation zu verhindern. "Wir streben eine Deeskalation der Lage an, aber wir müssen trotzdem für alles bereit sein", sagte der Sprecher.

Die israelische Nachrichtenseite "ynet" berichtete, Panzer und gepanzerte Fahrzeuge seien in Richtung des Palästinensergebiets am Mittelmeer unterwegs. Die Truppenverschiebung könnte Teil einer größeren Operation sein, hieß es.

In Israel wird zurzeit darüber debattiert, wie das Land auf den Tod der drei entführten Teenager reagieren sollte. Die Regierung von Premier Benjamin Netanjahu macht die Hamas für das Verbrechen verantwortlich.

Schon vor der Meldung vom Tod der drei Jungen hatte Israel Hunderte Palästinenser festgenommen. Nun fliegt das israelische Militär auch verstärkt Luftangriffe auf Palästina. In der Nacht zu Donnerstag hatte die Armee zahlreiche Ziele im Gazastreifen und in Gaza-Stadt angegriffen. Dabei wurden nach Angaben palästinensischer Rettungs- und Sicherheitskräfte neun Palästinenser verletzt, einer davon schwer.

Auch aus dem Gazastreifen wurden Raketen abgefeuert. Ein Geschoss schlug in ein Haus in Sderot ein, in dem derzeit ein Sommercamp für Kinder stattfindet, meldete das israelische Militärradio. Die Rakete sei glücklicherweise nicht explodiert und habe nur ein Loch in die Hauswand geschlagen.

Die Vereinten Nationen kritisierten die Angriffe auf beiden Seiten scharf. Sie verurteile die Angriffe aus dem Gazastreifen, sagte Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay. "Noch mehr verurteile ich die exzessiven Racheakte aus Israel", sagte Pillay während einer Konferenz in Wien weiter.

kes/AP/dpa



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