Israel Netanjahu droht mit neuen Angriffen auf Gazastreifen

EU und USA warnen Israel vor einer weiteren Eskalation der Gewalt in Nahost. Doch Premier Netanjahu zeigt sich entschlossen, die Angriffe auf den Gazastreifen auszuweiten: Das Militär sei "auf alles vorbereitet".

AFP

Tel Aviv/Gaza-Stadt - Mehr als 40 Menschen sind bei Luftangriffen der israelischen Armee seit Dienstag im Gazastreifen gestorben, darunter Frauen und Kinder. Der gewaltsame Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern droht sich nun auszuweiten.

Nachdem palästinensische Raketen in Jerusalem und noch nördlicheren Zielen einschlugen, kündigte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu die Ausweitung des Militäreinsatzes an. Seine Regierung habe entschieden, "die Angriffe gegen die Hamas und die Terrorgruppen im Gazastreifen zu verstärken", erklärte Netanjahu nach einem Treffen mit Militärvertretern. "Die Armee ist auf alles vorbereitet."

Die radikalislamische Hamas werde "einen hohen Preis dafür zahlen, dass sie Raketen auf israelische Zivilisten abfeuert". Die Sicherheit seiner Bürger habe absolute Priorität. Israels Umweltminister Gilad Erdan, ein Mitglied des Sicherheitskabinetts, sagte, die Armee stehe für eine Bodenoffensive bereit. Dazu seien 40.000 Reservisten mobilisiert worden. Vize-Verteidigungsminister Danny Danon verlangte, die Versorgung der Bevölkerung im Gazastreifen mit Strom und Treibstoff zu beenden.

Seit Beginn der Operation "Schutzrand" am Dienstag haben israelische Kampfflugzeuge 550 Ziele im Gazastreifen beschossen und dabei 43 Palästinenser getötet und 370 verletzt.

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Eskalation: Raketenhagel in Nahost
In der Nähe des SOS-Kinderdorfes in Rafah im Gazastreifen schlugen 15 israelische Raketen ein, sie sollten offenbar Hamas-Camps treffen. Die Kinder des Dorfes seien durch die Detonationen traumatisiert, so die Organisation. Aus Sicherheitsgründen dürften sie das Dorf nicht mehr verlassen.

EU und USA warnten vor einer weiteren Eskalation der Gewalt und forderten die Konfliktparteien zur Mäßigung auf. Ziel müsse eine Waffenruhe sein. Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern unter US-Vermittlung waren im April gescheitert.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier forderte in der "Bild"-Zeitung eine Koalition der Vernunft im Nahen Osten. Er warnte die militanten Palästinenser: "Der mörderische Raketenbeschuss der Hamas auf israelische Städte muss sofort gestoppt werden." Es dürften nicht noch mehr Unschuldige sterben.

Israels Nachbarland Jordanien verlangte dagegen den sofortigen Stopp der "barbarischen Aggression" Israels. Ägypten forderte beide Seiten zum Ende der Gewalt auf. Ein Sprecher des Außenministeriums dämpfte zugleich die Hoffnung, dass Kairo vermitteln werde.

Bombenangriffe im Minutentakt

Israelische Kampfflugzeuge bombardierten am Mittwoch im Minutentakt den Gazastreifen, um Raketenabschussrampen und Kommandozentralen der Hamas und anderer Gruppen auszuschalten. Auch Kommandeure der radikalen Organisationen wurden ins Visier genommen.

Radikale Palästinensergruppen feuerten ihrerseits in dichter Abfolge Raketen auf Israel. Erneut wurden auch Langstreckenraketen eingesetzt, die tief im israelischen Kernland einschlugen und Zehntausende Menschen in Luftschutzkeller zwangen. Der israelischen Luftabwehr gelang es, mehr als ein Dutzend Raketen vor der Detonation abzufangen.

Die Gewalt in der Region eskaliert seit Juni, als im Westjordanland drei israelische Jugendliche entführt und ermordet wurden. Die Regierung sieht die Schuld der Hamas als erwiesen an, die die Tat als das Werk von Helden verherrlicht, sich aber nicht explizit dazu bekannt hat. In der vergangenen Woche wurde offenbar aus Rache ein palästinensischer Jugendlicher getötet. Sechs jüdische Tatverdächtige sind deswegen in Haft.

kgp/dpa/AFP/Reuters

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