Antisemitismus-Vorwurf gegen Obama Ärger um Netanyahus Medienberater

Israels Premier Netanyahu hat einen neuen Medienberater. Der ist kaum im Amt, belastet aber bereits die Beziehungen zu den USA: Offenbar hatte er nicht nur Präsident Obama übel beleidigt - sondern auch Außenminister Kerry.

Medienberater Baratz: "Das ist beleidigend"
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Medienberater Baratz: "Das ist beleidigend"


Er nannte US-Präsident Barack Obama einen "modernen Antisemiten", Außenminister John Kerry bescheinigte er "die mentale Reife eines Zwölfjährigen". Die rüden Entgleisungen von Ran Baratz, neuer Medienberater von Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu, haben in den Vereinigten Staaten für Empörung gesorgt.

Ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums sagte, Baratz' Äußerungen seien "störend und beleidigend". Man erwarte, das Regierungsvertreter aller Länder, vor allem der engsten Verbündeten, "respektvoll und ehrlich" über ranghohe US-Amtsinhaber sprechen.

Netanyahus Büro hatte am Mittwochabend Baratz' Ernennung bekannt gegeben. Seitdem enthüllten die israelischen Medien eine ganze Reihe verbaler Ausfälle des 42-Jährigen. Der Medienberater hatte demnach in der Vergangenheit mehrfach über verschiedene Spitzenpolitiker hergezogen.

Nach dem umstrittenen Auftritt Netanyahus vor dem US-Kongress im März, der gegen den Willen der US-Regierung stattfand, schrieb Baratz im Online-Netzwerk Facebook etwa: "Die Art, wie Obama von Netanyahus Rede spricht, ist typisch für das moderne Gesicht des Antisemitismus in den westlichen und liberal gesinnten Ländern".

Zeitlich unpassend für Netanyahu

Die Enthüllungen über seinen frisch ernannten Medienberater kommen zeitlich sehr unpassend für Netanyahu, der am Montag im Weißen Haus sein wird. Das Verhältnis zwischen Obama und Netanyahu gilt ohnehin als sehr angespannt.

Netanyahu distanzierte sich von Baratz' Äußerungen und betonte, diese spiegelten nicht seine Positionen wider. Baratz habe sich entschuldigt, und man werde sich nach Netanyahus Rückkehr zu einem klärenden Gespräch treffen, teilte das Büro des Ministerpräsidenten mit. Netanyahu werde die Ernennung jedoch nicht überdenken, berichtete der israelische Rundfunk am Freitag.

Besonders taktlos war Baratz vergangene Woche auch mit dem israelischen Staatschef Reuven Rivlin umgegangen, der wie Netanyahu Mitglied der konservativen Likud-Partei ist. Unter Bezug auf Morddrohungen gegen den Präsidenten aus den Reihen der israelischen Rechtsextremisten schrieb Baratz auf Facebook, Rivlin sei "eine dermaßen unbedeutende Person", dass er nichts zu fürchten habe. Die marginale Bedeutung des Staatschefs zeige sich darin, dass er im Flugzeug zweite Klasse reise und jedem Passagier freundlich die Hand schüttele.

Den Gipfel der Lästerei erreichte Netanyahus neuer Medienberater mit der Aussage: "Wir könnten Rivlin mit einem Hängegleiter von den Golanhöhen in die vom islamischen Staat kontrollierte Zone Syriens schicken. Aber die werden uns anflehen, dass wir ihn wieder zurücknehmen."

kev/AFP/dpa



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