Atomstreit Israel nimmt mutmaßlichen iranischen Spion fest

Gerade hatten die Uno-Vetomächte beschlossen, Atomgespräche mit Iran wieder aufzunehmen. Jetzt könnte ein Vorfall zu neuen Spannungen führen: Denn Israel hat am Flughafen einen mutmaßlichen iranischen Spion festgenommen. Iran spricht von Propaganda.

Flughafen Ben Gurion: Der mutmaßliche Spion soll unter falschem Namen eingereist sein
AP/dpa

Flughafen Ben Gurion: Der mutmaßliche Spion soll unter falschem Namen eingereist sein


Tel Aviv/Jerusalem - Israel hat einen mutmaßlichen iranischen Spion festgenommen. Bereits am 11. September sei der Mann am internationalen Flughafen Ben Gurion gefasst worden, teilte der israelische Geheimdienst Schin Bet am Sonntag mit und hob damit eine Nachrichtensperre teilweise auf. Der Mann, Mitte 50 mit belgischem Pass und iranischen Wurzeln, werde verdächtigt, für Irans Revolutionsgarden gearbeitet zu haben.

Der mutmaßliche Spion sei unter falschem Namen eingereist und habe unter anderem Aufnahmen der US-Botschaft bei sich gehabt, hieß es in der Mitteilung. Er habe den Auftrag gehabt, in Israel Scheinfirmen zu gründen, soll er im Verhör gesagt haben, eine Million Dollar sollen ihm dafür versprochen worden sein. Der Geheimdienst geht davon aus, dass die Firmen eine Spionagearbeit verdecken sollten. Israelische Medien berichten, der Mann soll für jene Einheit der Revolutionsgarden agiert haben, die für Anschläge im Ausland verantwortlich ist. Er habe Israel zum dritten Mal binnen gut eines Jahres besucht.

Aus Iran gab es keine offizielle Stellungnahme zur Festnahme. Das Staatsfernsehen bezeichnete sie allerdings als "anti-iranische Propaganda" vor dem Treffen von Israels Präsident Netanjahu Benjamin und dem US-Präsidenten Barack Obama.

Neue Atomgespräche

Denn erst kürzlich hatten die fünf Uno-Vetomächte und Deutschland beschlossen, die Atomgespräche mit Iran wieder aufzunehmen. Die nächste Verhandlungsrunde werde am 15. und 16. Oktober in Genf stattfinden, erklärte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am Donnerstag in New York. Zuvor hatte Irans neuer Präsident Hassan Rohani bei seiner ersten Rede vor der Uno sofortige Gespräche über das Atomprogramm angeboten. Vom Iran gehe "absolut keine Gefahr" aus, sagte er. Am Freitag telefonierte er mit Obama - das erste Gespräch der Präsidenten beider Länder seit der Iranischen Revolution 1979.

Israels Ministerpräsident Netanjahu wird am Montag zu Gesprächen unter anderem über das iranische Atomprogramm im Weißen Haus in Washington erwartet. Bereits vor dem Treffen mit Obama äußerte sich Netanjahu skeptisch über den moderaten Kurs und die "Lächeloffensive" des neuen Präsidenten. Aus Sicht von Netanjahu baut der Iran weiter an einer Atombombe. Internationale Sanktionen sollten deshalb verschärft und nicht gelockert werden.

fln/AFP/AP/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
farid1979 29.09.2013
1.
Muss Netanjahu ja ziemlich stinken, wenn sich die USA und der Iran annähern. Aber ist ein gutes Zeichen, denn Israel wird jetzt die Maske fallen lassen, und zeigen, daß man an Frieden mit jedweden Völkern des nahen Osten nicht interessiert ist, solange er nicht israelischen Regeln unterliegt.
ein anderer 29.09.2013
2. ...
Zitat von sysopAP/dpaGerade hatten die Uno-Vetomächte beschlossen, Atomgespräche mit Iran wieder aufzunehmen. Jetzt könnte ein Vorfall zu neuen Spannungen führen: Denn Israel hat am Flughafen einen mutmaßlichen iranischen Spion festgenommen. Iran spricht von Propaganda. http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-nimmt-mutmasslichen-iranischen-spion-fest-a-925178.html
Das war zu erwarten, dass die Hardliner in Teheran, Tel Aviv, Washington oder Riad alles versuchen werden um diesen Konflkt am laufen zu halten. Zu viele Profitieren nun mal von diesem Konflikt.
Ariwer 29.09.2013
3. Die Nummer ist
so durchsichtig, daß sie eigentlich nicht kommentiert werden muss. Jahrelang gab es keine iranischen Spione - erst als sich der Iran mit seinem Atomprogramm dem Westen öffnen will, wird ein iranischer Agent hervorgezaubert. Fürchtet Israel unliebsame Fragen, wenn es tatsächlich zu einer Offenlegung des iranischen A-Programms kommt? U.U. gerät dann die Existensberechtigung der eigenen A-Waffen in die Schieflage?
raumbefeuchter 29.09.2013
4. Obama wirkt
Üblicherweise werden Spione heimlich getauscht. Kommt es an die Öffentlichkeit , steckt meistens Politik dahinter. Nun da Obama mit Iran spricht, kriegt Netanjahu kalte Füsse. Ein guter Tag für den Weltfrieden.
JDR 29.09.2013
5. ...
Zitat von sysopAP/dpaGerade hatten die Uno-Vetomächte beschlossen, Atomgespräche mit Iran wieder aufzunehmen. Jetzt könnte ein Vorfall zu neuen Spannungen führen: Denn Israel hat am Flughafen einen mutmaßlichen iranischen Spion festgenommen. Iran spricht von Propaganda. http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-nimmt-mutmasslichen-iranischen-spion-fest-a-925178.html
Nun wird sicher niemand behaupten, Rouhani hätte davon gewusst, dass während er mir dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika telefoniert, ein iranischer Spion amerikanische Einrichtungen in Israel für zukünftige Angriffe observiert. Der Punkt ist vielmehr: Wenn er nichts davon gewusst hat, wie viel Wert haben dann seine Worte, wenn er über das Atomwaffenprogramm spricht ? Iran hat derzeit viele Suppen am kochen und fühlt sich auf der Siegerstraße. Die Vereinigten Staaten von Amerika wurden in Syrien gedemütigt - zumindest nach iranischer Lesart. Gleichzeitig hat Teheran sicher seine Hand im Spiel gehabt, den "deal" einzufädeln, welcher zur UN-Resolution führte - als angeblichen Vertrauensvorschuss. Tatsächlich ist das Regime mittlerweile dabei, eine Alternative zu Assad aufzubauen, welche am Ende den Mullahs noch höriger sein soll, als der "schwache" und "verwestlichte" Assad. Ja, man muss mit den Iranern verhandeln. Ja, man muss Kooperationen mit ihnen eingehehen, wo es beiden Seiten Vorteile bringt. Aber jeder Handel mit dem Teufel hat seine "Hintertür." Nein, man kann ihnen nicht vertrauen. Das Regime - nicht die einzelnen Personen - kann nur durch Stärke beeindruckt werden. Wenn es diese Stärke spürt und seine Interessen wahren kann, dann wird man mit ihm zusammenarbeiten können.
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