Vermisste Teenager Israel nimmt Palästinas Parlamentspräsident fest

Im Fall der drei verschwundenen Jugendlichen geht die israelische Regierung hart vor. Rund 150 Palästinenser sind festgesetzt worden, darunter der Parlamentspräsident der Hamas. Im Westjordanland töteten israelische Soldaten einen 20-Jährigen.

Hamas-Politiker Dweik (Archivbild von 2012): Israel nimmt 40 weitere Hamas-Mitglieder fest
AFP

Hamas-Politiker Dweik (Archivbild von 2012): Israel nimmt 40 weitere Hamas-Mitglieder fest


Jerusalem - Die israelische Armee setzt nach der Entführung von drei Jugendlichen im Westjordanland die Festnahmen von Mitgliedern der radikalislamischen Hamas-Organisation fort. Rund 40 Hamas-Mitglieder seien in der Nacht festgenommen worden, teilte das Militär am Montag mit. Darunter war nach Medienberichten auch Parlamentspräsident Asis Dweik.

Bei Auseinandersetzungen mit palästinensischen Demonstranten im Westjordanland töteten israelische Soldaten nach Angaben von Medizinern und Augenzeugen einen 20-jährigen Palästinenser. Ein weiterer junger Mann habe bei den Zusammenstößen in Ramallah schwere Verletzungen durch Schüsse in den Rücken erlitten, hieß es weiter.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte die Hamas zuvor direkt für die Entführung verantwortlich gemacht. Die israelischen Sicherheitskräfte reagierten auf die Entführung mit der größten Festnahmewelle in den besetzten Gebieten seit Jahren. Insgesamt wurden seit Donnerstagabend 150 Palästinenser festgenommen. Hebron und mehrere umliegende Dörfer im Westjordanland wurden abgeriegelt.

Jugendlicher rief Polizei an - die hielt Entführung für Scherz

Die drei israelischen Talmudschüler, zwei 16-Jährige und ein 19-Jähriger, waren zuletzt am Donnerstagabend beim Trampen nahe der jüdischen Siedlung Gusch Ezion im südlichen Teil des Westjordanlands gesehen worden. Der Ort liegt zwischen Hebron und Jerusalem, ihrem mutmaßlichen Ziel.

Unterdessen wurde bekannt, dass einer der Jugendlichen kurz nach der Entführung einen Notruf bei der Polizei getätigt hatte. "Man hat mich entführt", habe er geflüstert. Der zuständige Polizist sei jedoch von einem Scherzanruf ausgegangen. So sei bis zur Alarmierung der Armee wertvolle Zeit verstrichen.

Das Verschwinden der Jugendlichen belastet die ohnehin sehr angespannten Beziehungen Israels zu den Palästinensern. Zu Beginn des Monats war die palästinensische Einheitsregierung von Fatah und Hamas unter Führung des bisherigen Ministerpräsidenten Rami Hamdallah vereidigt worden. Israel boykottiert diese.

fab/AFP/dpa

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