Getöteter Palästinenser Israel nimmt Verdächtige im Fall Abu Chair fest

Der Tod des palästinensischen Jungen Mohammed Abu Chair hält Israel in Atem. Nun sind erste Verdächtige verhaftet worden. Nach Angaben der Polizei handelt es sich "offenbar um jüdische Extremisten".

Trauerfeier für Mohammed Abu Chair (Archivbild): Polizei verhaftet erste Verdächtige
AP

Trauerfeier für Mohammed Abu Chair (Archivbild): Polizei verhaftet erste Verdächtige


Jerusalem - Israel hat sechs Verdächtige festgenommen. Sie werden beschuldigt, den 16-jährigen Mohammed Abu Chair misshandelt und ermordet zu haben. Das meldete die israelische Zeitung "Haaretz" am Sonntag, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Da die Polizei seit der Mordtat vom Mittwoch eine Nachrichtensperre über den Ermittlungsstand verhängt hatte, wurde zunächst nicht bekannt, welcher Bevölkerungsgruppe die Festgenommenen angehören. Polizeisprecherin Luba Samri sagte allerdings: "Es gibt Hinweise, dass nationalistische Motive den Hintergrund der Tat bilden."

Laut Nachrichtenagentur AFP handelt es sich nach Angaben aus Polizeikreisen "offenbar um jüdische Extremisten". Polizeisprecher Micky Rosenfeld betonte hingegen, man ermittle weiterhin in alle Richtungen.

Der 16-jährige Mohammed Abu Chair war am Mittwoch auf dem Weg zur Moschee verschleppt worden. Kurz darauf wurde seine Leiche am westlichen Stadtrand von Jerusalem im Wald gefunden. Laut vorläufigen Autopsie-Ergebnissen wurde der Junge offenbar bei lebendigem Leib verbrannt. Der Junge starb, nachdem drei jüdische Schüler beerdigt worden waren, die im Westjordanland verschleppt und getötet worden waren. Für den Tod der Schüler macht Israel die radikalislamische Hamas verantwortlich. Diese hat sich bislang nicht dazu geäußert.

Aus Protest gegen die Ermordung Abu Chairs wurden in mehreren von arabischen Israelis bewohnten Orten in Ost-Jerusalem Straßen blockiert, Steine und Brandflaschen geworfen. Die Polizei meldete insbesondere Proteste in den Städten Taibeh, Tira, Kalansua und Nazareth. Laut einer Sprecherin wurden seit Freitagabend 35 Palästinenser und arabische Israelis festgenommen, fast die Hälfte unter ihnen Jugendliche. Zu Beunruhigung in den USA führten die Umstände der Festnahme von Tarik Abu Chair, eines 15 Jahre alten Cousins des ermordeten Mohammed Abu Chder.

"Mit Selbstkontrolle und Verantwortung vorangehen"

Der israelische Ministerpräsident mahnte am Sonntag zu Zurückhaltung im Konflikt mit den Palästinensern. "Die Erfahrung lehrt, dass man in solchen Momenten mit Selbstkontrolle und Verantwortung vorgehen muss, ohne Hetze und übertriebene Hast", sagte Benjamin Netanjahu nach Angaben seines Büros bei einer Regierungssitzung in Jerusalem. Israel habe gegenwärtig an einigen Fronten zu kämpfen. Das wichtigste Ziel sei es, Ruhe und Sicherheit für die israelischen Bürger wiederherzustellen.

Das israelische Kabinett ist in der Frage zerstritten, wie auf den seit Mitte Juni anhaltenden Raketenbeschuss aus dem palästinensischen Gazastreifen und auf die Ermordung der drei Jugendlichen reagiert werden soll. Während der rechte Flügel um Minister Naftali Bennett einen massiven Militäreinsatz in Gaza und einen verstärkten Ausbau der Siedlungen im besetzten Westjordanland fordert, warnen gemäßigte Minister vor einem dritten Palästinenseraufstand, wenn die Lage nicht beruhigt wird.

Als Reaktion auf den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen hat die israelische Luftwaffe am Sonntag nach eigenen Angaben zehn Extremisten-Ziele in dem Küstenstreifen angegriffen. Ins Visier genommen worden seien unter anderem Raketenwerfer und Standorte für die Produktion von Waffen. Das teilte das israelische Militär mit. Berichte über Opfer nach dem Beschuss palästinensischer Stellungen lagen zunächst nicht vor.

vek/Reuters/AFP/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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colonium 06.07.2014
1. Beidseitiges Versagen
Zitat von sysopAPDer Tod des palästinensischen Jungens Abu Chair hält Israel in Atem. Nun sind erste Verdächtige verhaftet worden. Nach Angaben der Polizei handelt es sich "offenbar um jüdische Extremisten". http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-nimmt-verdaechtige-im-fall-abu-chair-fest-a-979507.html
Der Tod all dieser Kinder ist unfassbar traurig, egal ob Palästinensicher oder isrealischer Herkunft. Aber noch viel wütender Macht mich die Ignoranz der Extremisten der Hamas und der isrealischen Siedlerpartei. Beide sind gleichermaßen für die elende Situation verantwortlich. Und wenn dann noch die Religion , als unsäglisches Mittel die Massen zu redikalisieren, auf palästinensicher Seite und israelischer Seite ins Spiel kommt, hört die Rationalität wohl auf. Die Hamas hat Schuld am Tod der 3 israelischen Kinder, genauso wie die Hetzte der religiösen Nationalisten in der israelischen Regierung Mitschuld an der bestialischen Tötung der palästinensichen Junge hatte. Das die israelische Armee nun hunderte Menschen festnimmt , mit Militär Gaza durchkämmt und dabei auch wieder Jugendliche tötet, macht die Lage genau so kompliziert, wie der Raketenbeschuß der Hamas auf Israel. Aber Israel will eine Demokratie sein, verhält sich aber manchmal wie die Hamas. Radikal, rachsüchtig, religiös motiviert... Jedenfalls ist der israelischen Armee noch nicht die Idee gekommen, jüdische Siedlungen zu bombardieren, um die Mörder des palästinensichen Jungen zu "finden". Das hat auch einen guten Grund... Kampfbomber und Panzer ersetzen keine Polizeiarbeit. Das sollte auch für den Gazastreifen gelten...
atech 06.07.2014
2. ungeklärte Schuldfrage
Zitat von coloniumDer Tod all dieser Kinder ist unfassbar traurig, egal ob Palästinensicher oder isrealischer Herkunft. Aber noch viel wütender Macht mich die Ignoranz der Extremisten der Hamas und der isrealischen Siedlerpartei. Beide sind gleichermaßen für die elende Situation verantwortlich. Und wenn dann noch die Religion , als unsäglisches Mittel die Massen zu redikalisieren, auf palästinensicher Seite und israelischer Seite ins Spiel kommt, hört die Rationalität wohl auf. Die Hamas hat Schuld am Tod der 3 israelischen Kinder, genauso wie die Hetzte der religiösen Nationalisten in der israelischen Regierung Mitschuld an der bestialischen Tötung der palästinensichen Junge hatte. Das die israelische Armee nun hunderte Menschen festnimmt , mit Militär Gaza durchkämmt und dabei auch wieder Jugendliche tötet, macht die Lage genau so kompliziert, wie der Raketenbeschuß der Hamas auf Israel. Aber Israel will eine Demokratie sein, verhält sich aber manchmal wie die Hamas. Radikal, rachsüchtig, religiös motiviert... Jedenfalls ist der israelischen Armee noch nicht die Idee gekommen, jüdische Siedlungen zu bombardieren, um die Mörder des palästinensichen Jungen zu "finden". Das hat auch einen guten Grund... Kampfbomber und Panzer ersetzen keine Polizeiarbeit. Das sollte auch für den Gazastreifen gelten...
das ist möglich, aber bisher nicht erwiesen. Rein theoretisch denkbar wäre auch dass Personen, die keinen Friedensprozess wollen an dessen Ende "zwei getrennte Staaten für zwei Völker stehen" dafür verantwortlich sind. Es gab immer wieder Personen auf beiden Seiten, die jeden Ansatz eines Friedensprozesses schon im Keim erstickt haben. Israel tat jedenfalls gut daran, den Mord an dem palästinischen Jungen schnell aufzuklären und die Verdächtigen zu verhaften. Nur das kann die Lage wieder etwas beruhigen. Ebenso wünschenswert wäre es natürlich auch, dass man den oder die Mörder der israelischen Jungen fände. Am allerwichtigsten wären allerdings Friedensgespräche, die endlich Erfolg brächten. Damit die Kinder in der Region endlich in Frieden und ohne von den Erwachsenen geschürten Hass aufeinander aufwachsen können.
bernadillo 06.07.2014
3. Beweise
Zitat von coloniumDer Tod all dieser Kinder ist unfassbar traurig, egal ob Palästinensicher oder isrealischer Herkunft. Aber noch viel wütender Macht mich die Ignoranz der Extremisten der Hamas und der isrealischen Siedlerpartei. Beide sind gleichermaßen für die elende Situation verantwortlich. Und wenn dann noch die Religion , als unsäglisches Mittel die Massen zu redikalisieren, auf palästinensicher Seite und israelischer Seite ins Spiel kommt, hört die Rationalität wohl auf. Die Hamas hat Schuld am Tod der 3 israelischen Kinder, genauso wie die Hetzte der religiösen Nationalisten in der israelischen Regierung Mitschuld an der bestialischen Tötung der palästinensichen Junge hatte. Das die israelische Armee nun hunderte Menschen festnimmt , mit Militär Gaza durchkämmt und dabei auch wieder Jugendliche tötet, macht die Lage genau so kompliziert, wie der Raketenbeschuß der Hamas auf Israel. Aber Israel will eine Demokratie sein, verhält sich aber manchmal wie die Hamas. Radikal, rachsüchtig, religiös motiviert... Jedenfalls ist der israelischen Armee noch nicht die Idee gekommen, jüdische Siedlungen zu bombardieren, um die Mörder des palästinensichen Jungen zu "finden". Das hat auch einen guten Grund... Kampfbomber und Panzer ersetzen keine Polizeiarbeit. Das sollte auch für den Gazastreifen gelten...
Ich bin mir sicher Sie haben Beweise dafür das die Hamas Schuld am Tod der 3 israelischen Jugendlichen trägt. Ach wie haben Sie nicht? Warum die Schuldfrage scheint doch für Sie, Netanyahu und Andere schon geklärt gewesen sein von Stunde 0 an. Der Tod der Jugendlichen, aller 4 ist traurig, genauso wie der Tod der 6 Palästinenser die durch Israels "Razzien" getötet wurden. Die eigentliche Sauerei ist allerdings das man losgezogen ist Menschen inhaftiert hat, Menschen getötet hat, Hab und Gut vernichtet hat ohne auch nur einen einzigen Beweis zu haben wer denn eigentlich "Schuld" ist. Willkür, Sippenhaft, Staatsterror, Israel will eine rechtsstaatliche Demokratie sein verhält sich aber nicht so und was macht Netanyahu, er schwelgt in Rachegelüsten. Schändlich.
paul.fisch 06.07.2014
4. Es ist von beiden Seiten verwerflich,
nur vergisst man etwas, dass die israelischen (nicht die "jüddischen!!!) Nationalisten stark wurden, weil die Hamas und Hisbollah und andere seit Jahren Terror verbreiten. Das macht dann zusammen mit den verrückten israelischen Faschisten alle Friedensbemühungen zunichte gegen die schweigende Mehrheit auf beiden Seiten. Religion und Politik sollten getrennt werden!
kittekatz 06.07.2014
5.
" Für den Tod der Schüler macht Israel die radikalislamische Hamas verantwortlich. Diese hat sich bislang nicht dazu geäußert." Sorry, das ist die Unwahrheit. Die Hamas hat sich dazu geäußert und das vehement abgestritten. Das macht das Ganze ja so eigenartig, denn die Hamas ist ein terroristischer Drecksverein, der sich mit derlei Taten in der Vergangenheit regelmäßig öffentlich brüstete.
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