Jerusalem - Der Oberstleutnant sei nach dem Angriff auf einen ausländischen propalästinensischen Aktivisten im Westjordanland bis zum Abschluss der Ermittlungen suspendiert, sagte ein Sprecher der israelischen Armee am Montag. Der Zwischenfall war auf Video festgehalten und im Internet verbreitet worden. Am Sonntag hatte auch das Fernsehen die Bilder gezeigt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der Oberkommandeur Benny Gantz verurteilten den Vorfall. "Ein solches Verhalten ist nicht typisch für die Soldaten und Kommandeure der israelischen Armee", sagte Netanjahu.
Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie eine Gruppe propalästinensischer Aktivisten mit Fahrrädern an einer Straßensperre im Jordantal nördlich von Jericho in einen Streit mit israelischen Soldaten gerät. Plötzlich geht der Offizier auf einen blonden Aktivisten zu und schlägt ihm mit seinem Gewehr ins Gesicht. Nach Angaben von Armee und Medien handelt es sich bei dem Angegriffenen um einen 20-Jährigen aus Dänemark.
Der Zeitung "Jediot Acharonot" sagte der Aktivist anschließend, die Soldaten an dem Kontrollposten hätten der Gruppe die Durchfahrt verweigert. Als sie trotz des Verbots versucht hätten, ihren Weg fortzusetzen, habe der Offizier ihn "ohne Grund" angegriffen. Der Offizier gab an, er selbst sei zuvor mit Knüppeln geschlagen worden. Ihm sei dabei ein Finger gebrochen worden. Aus Militärkreisen verlautete, die Radfahrer hätten sich in einem militärischen Sperrgebiet befunden, antiisraelische Slogans gerufen und palästinensische Fahnen geschwenkt.
Noch 58 propalästinensische Aktivisten sitzen in Israel in Abschiebehaft. Ihnen war die Einreise ins Land verweigert worden. Die Aktivisten wollten ins Westjordanland reisen, um sich vor Ort ein Bild von israelischen Blockademaßnahmen zu machen. Die meisten Aktivisten seien französische Staatsbürger, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums. Außer 43 Franzosen seien auch Briten, Kanadier, Italiener sowie ein Spanier und ein Amerikaner in Haft.
Die Aktivisten werden in einer Haftanlage in der Nähe des Flughafens festgehalten. Sie sollen binnen weniger Tage in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Die ersten von insgesamt 79 Aktivisten, die am Flughafen festgenommen worden waren, mussten bereits die Heimreise antreten.
Auch an verschiedenen europäischen Flughäfen wurden Hunderte Aktivisten an der Reise nach Israel gehindert. Es gelang nur zwei Französinnen, ins Westjordanland zu reisen. Die Aktivisten kamen auf Einladung der Initiative "Willkommen in Palästina", die damit auf die internationale Isolation des Westjordanlands aufmerksam machen wollten.
anr/dpa/AFP
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