Nahostkonflikt Israelis erschießen vier palästinensische Angreifer

Erneut greifen junge Palästinenser israelische Sicherheitskräfte mit Messern an. Von fünf Attacken berichten die Behörden allein am Samstag. Vier der Angreifer wurden erschossen, einer schwer verletzt.

Ein Polizist am Tatort in Jerusalem: Der 16-jährige Attentäter ist tot
Getty Images

Ein Polizist am Tatort in Jerusalem: Der 16-jährige Attentäter ist tot


Bei fünf Messerattacken auf Israelis sind vier palästinensische Angreifer erschossen worden, ein weiterer wurde schwer verletzt. Das teilten die israelischen Behörden mit. Die Attacken fanden im besetzen Westjordanland sowie in Jerusalem statt. Zwei der angegriffenen Sicherheitskräfte wurden leicht verletzt.

  • Ein Palästinenser wurde am Übergang Kalandija im Norden Jerusalems erschossen, nachdem der einen Grenzschützer mit einem Messer angegriffen hatte. Der Beamte habe den Angreifer am Samstag zunächst angeschossen; als dieser einen weiteren Angriffsversuch unternommen habe, habe er ihn getötet, sagte Polizeisprecherin Luba Samri.
  • In Ost-Jerusalem griff ein 16-Jähriger in der jüdischen Siedlung Armon Hanaziv einen israelischen Polizisten mit einem Messer an. Der Attentäter wurde mit Schüssen getötet, teilte der israelische Polizeisprecher Micky Rosenfeld auf Twitter mit, der angegriffene Polizist blieb demnach unverletzt.
  • Drei Angriffe ereigneten sich in Hebron im besetzten Westjordanland. Am Abend wurde nach Armeeangabe ein Soldat mit einem Messer attackiert. Auf den Angreifer wurde geschossen, er sei schwer verletzt.
  • Davor hatte eine Palästinenserin eine Polizistin mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt. Die Beamtin erschoss die 17-jährige Angreiferin mit ihrer Waffe.
  • Wenige Stunden zuvor hatte ein Siedler einen 18-jährigen Palästinenser mit Schüssen getötet. Nach Darstellung des israelischen Militärsprechers Peter Lerner bedrohte der junge Palästinenser den Siedler, der unverletzt blieb, mit einem Messer.

Zweifel am Tathergang

Palästinensische Quellen äußerten Zweifel am Tathergang. Aktivisten der palästinensischen Gruppe "Jugend gegen Siedlungen" stellten ein Video ins Internet, auf dem angeblich zu sehen sei, wie israelische Soldaten nachträglich ein Messer neben den niedergeschossenen Palästinenser legen. Militärsprecher Lerner verwahrte sich gegen die Verdächtigung. Bei dem unscharf zu erkennenden Gegenstand handele es sich um ein Funkgerät, das ein Soldat dem anderen weitergereicht hätte.

Das israelische Militär nahm wenig später einen palästinensischen Augenzeugen des Vorfalls fest und beschlagnahmte seine Videoausrüstung, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Maan meldete. Auch der Koordinator von Jugend gegen Siedlungen, Ahmed Amr, wurde vom Militär festgenommen.

Die Spannungen zwischen Palästinensern und Israelis hatten zuletzt wieder deutlich zugenommen. Bei Angriffen von Palästinensern starben seit Monatsbeginn sieben Israelis. Auf palästinensischer Seite gab es rund 40 Tote, darunter mehrere mutmaßliche Angreifer und steinewerfende Demonstranten.

Krisengespräch in Berlin

US-Außenminister John Kerry will den israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu kommende Woche zu einem Krisengespräch in Berlin treffen, wie Sprecher beider Politiker bestätigten. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte zuvor mitgeteilt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Netanyahu am Mittwochabend empfangen werde.

Zuletzt hatte es erhebliche Spannungen zwischen Washington und Jerusalem über das Vorgehen der Israelis gegen Palästinenser gegeben. Das US-Außenministerium sprach von "exzessiver Gewaltanwendung" und warf beiden Seiten Terrorakte vor. Das Verhältnis von US-Präsident Barack Obama und Netanyahu gilt seit langer Zeit als belastet.

Obama stellte aber erneut klar, dass Israel ein Recht habe, seine Bürger vor Messerattacken und Gewalt auf den Straßen zu schützen. "Alle müssen sich darauf konzentrieren, sicherzustellen, dass keine unschuldigen Menschen getötet werden", sagte er nach einem Treffen mit Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye am Freitag. Zugleich müssten die Politiker beider Seiten jegliche Rhetorik meiden, die die Gewalt anzuheizen vermag.

sun/dpa/AFP

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