Nach Hungerstreik Israel muss palästinensischen Häftling vorübergehend entlassen

Er saß ohne Anklage in Haft - und protestierte dagegen mit einem Hungerstreik. Jetzt hat ein israelisches Gericht entschieden, dass der palästinensische Häftling Mohammed Allaan nicht im Gefängnis festgehalten werden darf.

Solidaritätskundgebung für Allaan am 17. August in Hebron: hat nun die Rechte eines normalen Krankenhauspatienten
DPA

Solidaritätskundgebung für Allaan am 17. August in Hebron: hat nun die Rechte eines normalen Krankenhauspatienten


Der Oberste Gerichtshof in Israel hat die umstrittene Verwaltungshaft für den palästinensischen Anwalt Mohammed Allan wegen seines schlechten Gesundheitszustands ausgesetzt. Der Anwalt befindet sich seit 65 Tagen im Hungerstreik. Allaan müsse aber in Intensivbetreuung im Krankenhaus bleiben, urteilte der Gerichtshof am Mittwoch.

Der 31-Jährige soll durch den Hungerstreik einen Hirnschaden erlitten haben. Israelische Medien berichteten dies am Mittwoch unter Berufung auf den Krankenhausleiter. Es sei allerdings unklar, ob die durch Vitaminmangel verursachten Schäden nicht zu kurieren seien.

Allaan liegt bereits seit einer Woche auf der Intensivstation in einem Krankenhaus in der israelischen Küstenstadt Aschkelon. Er hatte am Freitag das Bewusstsein verloren, wird seitdem künstlich beatmet und durch Infusionen versorgt.

Der seit November ohne offizielle Anklage inhaftierte Allaan protestiert mit dem Hungerstreik gegen seine sogenannte Administrativhaft. Sie ermöglicht es Israel, Terrorverdächtige sechs Monate ohne Anklage festzuhalten. Allaan wird vorgeworfen, Kontakt mit Terroristen gehabt zu haben, die Angriffe gegen Israel geplant haben sollen.

Uno warnt vor Eskalation der Gewalt im Nahen Osten

Die umstrittene Haft kann immer wieder verlängert werden. Sie wird derzeit gegen fast 400 Palästinenser und drei jüdische Israeli angewendet.

Laut Gerichtsurteil muss der Palästinenser im Krankenhaus nun wie jeder andere Patient behandelt werden. Seinen Angehörigen und Freunden müsse ein Besuch des Mannes als Patient, "nicht als Gefangener", ermöglicht werden.

Die Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad droht mit neuen Angriffen, sollte Allaan sterben.

Die Uno warnte am Mittwoch vor einer neuen Gewalteskalation im Nahen Osten. "Im letzten Monat haben wir skrupellose Verbrechen aus Hass und Extremismus gesehen, Provokationen an den heiligen Stätten Jerusalems und eine besorgniserregende Zunahme der Raketenangriffe von Gaza nach Israel", sagte Untergeneralsekretär Jeffrey Feltman vor dem Uno-Sicherheitsrat in New York. Beide Seiten müssten ihre Extremisten zurückhalten, um Schlimmeres zu verhindern.

sun/dpa/AFP

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