Nahost-Konflikt Palästinenser dürfen nicht mehr mit Israelis im Bus fahren

Es wird als Sicherheitsmaßnahme angepriesen, Menschenrechtler sprechen von Rassismus: Palästinenser aus dem Westjordanland dürfen nicht mehr in denselben Bussen fahren wie Israelis.

Westjordanland: Palästinensische Arbeiter im Bus
AFP

Westjordanland: Palästinensische Arbeiter im Bus


Trennung in Pendlerbussen: Palästinensern aus dem Westjordanland ist es künftig verboten, dieselben Fahrzeuge zu benutzen wie Israelis. Das sagte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP, auch israelische Medien berichten über die Anordnung. Palästinenser, die in Israel arbeiten, müssen demnach ab sofort auf der Rückfahrt einen anderen Bus benutzen als die israelischen Siedlungsbewohner.

Es handele sich um ein "dreimonatiges Pilotprojekt", hieß es. Ein Sicherheitsprojekt, dass jedoch Ungerechtigkeit schafft. Denn für palästinensische Arbeiter mit Reisegenehmigungen wird es nun kompliziert: Sie müssen bei der Rückkehr in das Westjordanland dieselbe Militärsperre passieren wie bei der Ausfahrt.

Bisher konnten sie frei zwischen verschiedenen Übergängen entscheiden. Die israelische Zeitung "Haaretz" schrieb am Mittwoch, die neuen Beschränkungen könnten die Reisezeiten für pendelnde Arbeiter um rund zwei Stunden verlängern.

Palästinenser dürften auch keine regulären israelischen Buslinien mehr verwenden, die ins Westjordanland führen. Die Benutzung desselben Busbahnhofs soll demnach hingegen weiter möglich sein.

Mit der Verordnung gibt das Verteidigungsministerium Forderungen des israelischen Siedlerrats nach. Der hatte Sorgen vor Anschlägen geäußert - und sich für getrennte Busse für Juden und Araber ausgesprochen. "Man muss kein Sicherheitsexperte sein, um 20 Araber in einem Bus mit einem jüdischen Fahrer, zwei oder drei Passagieren und einem bewaffneten Soldaten als Szenario für eine Attacke zu erkennen", hatte Verteidigungsminister Moshe Yaalon im Oktober Kritikern geantwortet. Das Pilotprogramm solle solche Situationen nun unterbinden.

Menschenrechtsorganisationen wollen die Anweisungen vor dem Höchsten Gericht in Jerusalem anfechten. "Das ist eine beschämende und rassistische Maßnahme", sagte Anwalt Michael Sfard, Berater der Nichtregierungsorganisation Yesh Din, der "Haaretz". Israel erreiche damit einen moralischen Tiefpunkt, sagte Sfard: "Wir werden diesen Schritt mit allen möglichen legalen Schritten bekämpfen."

vek/AFP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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monolithos 20.05.2015
1. Apartheit 2.0
Sowas gab es doch schon mal. Auf einem anderen Kontinent. Das Kriterium, wer nicht mit wem in einem Bus fahren durfte, war damals der Pigmentierungsgrad der Haut. Das betroffene Land wurde damals international dafür geächtet. Die beiden Herren, die diesem bösen Spuk ein Ende bereitet haben, haben dafür den Friedensnobelpreis bekommen.
rieberger 20.05.2015
2. Apartheid
Für dieses Verhalten gibt es einen unschönen Begriff - und der heißt Apartheid.
nachtmacher 20.05.2015
3. hmmm...
erst dürfen die Frauen im Bus nicht mehr vorne mitfahren, sondern müssen aus religiösen Gründen hinten im Bus fahren, jetzt dürfen keine Palästinenser mehr im gleichen Bus fahren... Da war ja die Apartheid in Süd-Afrika ja noch ne Nummer kleiner. Erstaunlich, dass man anscheinend alles noch steigern kann. Und wir schenken auch noch U-Boote, Schiffe und jede Menge High-Tech her. Irgendwann kommt dann einer, der von uns Entschädigung will, weil wir denen die Entwicklung von Atombomben finanziert haben....
Ein_denkender_Querulant 20.05.2015
4. Aus der Geschichte lernen
Es ist immer gut, aus der Geschichte zu lernen. Wäre es nicht an der Zeit, natürlich einzig und nur zum Schutz der israelischen Bevölkerung, die ständigen Angriffen durch Terroristen ausgesetzt ist, jedem Palästinenser, der nach Israel einreisen will, ein gut sichtbares "P" auf die Stirn zu pappen? Das wäre doch die nächste Konsequenz. Ich bin fassungslos, wenn es wirklich stimmen sollte, was ich eben im Artikel gelesen habe. Das geht gar nicht. Das ist dieselbe Qualität, wie Kapitäne als Schleuser anzuklagen, die Schiffbrüchige Flüchtlinge auf ihr Schiff nehmen. Schade, die Lebensbedingungen auf der Erde werden wieder schlechter.
FoxtrottBravo 20.05.2015
5.
Wie lange will die Welt diesem Treiben noch zuschauen? Wahrscheinlich mal wieder bis es zu spät ist...
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