Protest gegen Israel Hungerstreikenden Palästinensern droht der Tod

In Israel sind 1600 palästinensische Häftlinge im Hungerstreik - manche seit mehr als zwei Monaten. Sie protestieren gegen ihre Haftbedingungen. Nun sind die ersten dem Tode nahe, warnen Ärzte.

Palästinenser-Demo: Wehende Flaggen im Gaza-Streifen
REUTERS

Palästinenser-Demo: Wehende Flaggen im Gaza-Streifen


Hamburg - Manche von ihnen haben seit zehn Wochen nichts mehr gegessen. Vor mehr als 70 Tagen fingen die ersten beiden Gefangenen mit dem Hungerstreik an, seitdem schlossen sich immer mehr Häftlinge an. Inzwischen hungern 1600 der 4800 Palästinenser in israelischen Haftanstalten, sagt der israelische Gefängnisdienst.

Ärzte von der Organisation Physicians for Human Rights in Israel (PHR) warnen, dass der 33-jährige Thaer Halahla, einer der Anführer des Streiks, inzwischen dem Tode nahe sei. Doch die Palästinenser streiken weiter. Am Freitag ließen sie in einem Brief erklären, den der Hamas-Anführer Ismail Hanija im Gaza-Streifen verlas: "Wir schwören, dass wir nicht aufgeben werden. Wir sind mögliche Martyrer. Entweder leben wir in Würde, oder wir sterben."

Die Männer protestieren mit dem Streik gegen ihre Haftbedingungen, gegen die Isolationshaft, gegen die Restriktionen auf Familienbesuche. Und gegen Israels Politik, Palästinenser ohne Anklage auf unbestimmte Dauer festzuhalten in der sogenannten Verwaltungshaft, wenn die Behörden sie für Terroristen halten.

Anführer Thaer Halahla und der 27-jährige Mithäftling Bilal Diab hatten gegen die Verwaltungshaft geklagt. Halahla sitzt bereits seit 22 Monaten, Diab seit neun Monaten ohne Anlage im Gefängnis. Doch am Montag wies der Oberste Gerichtshof Israels in letzter Instanz die Klage zurück. "Das kommt einem Todesurteil gleich", warnte die Ärzte-Menschenrechtsorganisation PHR.

Die Haft ohne Gerichtsverfahren begründen israelische Behörden damit, dass in einem Gerichtsverfahren Geheimdienstquellen gefährdet werden könnten.

Israel hat dem gewaltfreien Widerstand wenig entgegenzusetzen. Im Februar musste es sich bereits dem Hungerstreik von Khader Adnan beugen. Der damals 33-Jährige galt als führendes Mitglied der Terrorgruppe Islamischer Dschihad, was er jedoch bestritt. Ein Prozess fand nicht statt. Nach 66 Tagen Hungerstreik stimmten die israelischen Behörden im Februar zu, ihn freizulassen. Ein anderer Palästinenser, Hana Schalabi, der ebenfalls in Hungerstreik getreten war, wurde ins Exil nach Gaza geschickt.

Beobachter befürchten, dass der Tod eines der Streikenden eine neue Welle der Gewalt auslösen könnte.

ras/Reuters



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