Nahost-Konflikt Palästinenserpräsident Abbas will Blutvergießen beenden

Um "mehr Blutvergießen und Zerstörung" zu verhindern, fordert Palästinenserpräsident Abbas weitere Friedensverhandlungen in Kairo. Ein Mitglied der Hamas-Führung hat derweil eine Beteiligung an der Ermordung dreier israelischer Teenager eingeräumt.


Kairo - Die Friedensverhandlungen im Nahost-Konflikt sollen weitergehen: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat sich dafür ausgesprochen. Israel und die Palästinenser sollen "sobald wie möglich" zu indirekten Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe im Gaza-Krieg zurückkehren, forderte Abbas. "Mehr Blutvergießen und Zerstörung" müsse verhindert werden.

Auch Ägypten schloss sich der Forderung an und rief die Konfliktparteien zu weiteren Gesprächen auf, meldete das Außenministerium in Kairo. Zuvor hatte sich Abbas mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi getroffen. Indirekte Verhandlungen unter ägyptischer Vermittlung waren Mitte der Woche gescheitert, nachdem die radikalislamische Hamas schon vor Ablauf einer Waffenruhe in der Nacht zu Mittwoch ihre Raketenangriffe auf Israel wieder aufgenommen hatte. Daraufhin bombardierte Israels Luftwaffe erneut Ziele im Gaza-Streifen und zog seine Verhandlungsdelegation aus Kairo ab.

Seitdem hält die Gewalt in der Krisenregion an: Auch am Samstag hat die israelische Armee nach eigenen Angaben erneut mit Luftangriffen auf palästinensischen Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen reagiert. Dabei kamen nach Angaben der Behörden in Gaza fünf Menschen ums Leben. Die israelischen Streitkräfte erklärten, sie hätten zwanzig Ziele beschossen, darunter Raketenwerfer und Waffenverstecke.

Hamas räumt Beteiligung an Morden ein

Auslöser der Eskalation im Gaza-Streifen war die Entführung und Ermordung dreier israelischer Jugendlicher: Israel hatte die radikal-islamische Hamas beschuldigt, hinter den Morden zu stehen. Die Palästinenserorganisation hatte die Entführung gutgeheißen, eine Beteiligung aber stets zurückgewiesen. Nun hat ein Mitglied der Hamas-Führung erstmals zugegeben, dass Angehörige der Organisation an der Entführung und Ermordung der drei israelischen Jugendlichen Mitte Juni beteiligt waren.

Exil-Chef Chaled Maschaal sagte am Samstag in einem Interview mit Yahoo News, die politische Hamas-Führung habe "vorab nichts von der Tat gewusst, die diese Gruppe von Hamas-Mitgliedern begangen hat". Ranghohe Hamas-Mitglieder hätten erst durch die israelischen Ermittlungen von dem Verbrechen erfahren. "Aber wir verstehen, dass die Menschen unter der Besatzung und Unterdrückung frustriert sind und alles Mögliche unternehmen", sagte Maschaal.

Hamas stimmt Beitritt zum Strafgerichtshof in Den Haag zu

Die im Gaza-Streifen herrschende Hamas wird von Israel als Terrorgruppe eingestuft und hat sich die Zerstörung des jüdischen Staates zum Ziel gesetzt. Nun hat die Hamas einem Beitritt der Palästinenser zum Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag zugestimmt. Der IStGH kann Vorwürfe von Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit nur untersuchen, wenn die betroffenen Staaten Mitglieder sind.

Der Hamas-Vize Mussa Abu Marsuk teilte am Samstag mit, die islamistische Bewegung habe eine von Abbas vorgelegte Erklärung unterzeichnet. Abbas hatte verlangt, dass alle palästinensischen Gruppen zustimmen, bevor er das Rom-Statut unterzeichnet, das den Beitritt zu dem Strafgerichtshof ermöglicht.

Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat sagte, der Islamische Dschihad erwäge ebenfalls die Unterzeichnung der Erklärung. Er sei die letzte Palästinensergruppe, die sie noch nicht unterzeichnet habe. Weder Israel noch die Palästinenser gehören bisher dem IStGH an. Beide werfen sich gegenseitig Kriegsverbrechen im Gaza-Streifen vor.

vek/AFP/dpa

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rkinfo 23.08.2014
1. Nr. Mahmud Abbas lebt !
Genau, es gibt ja auch noch einen Präsidenten der Palästinenser ... mit wenig Einfluß. Palästinenserpräsident gibt aber ein Zeichen der Vernunft ab. Überfällig fass Hamas die Beteiligung an der Tötung dreier Jugendlicher zugibt was ja im wesentlichen neben den Hamas-Raketen das ganze Blutvergießen ausgelöst hatte. Man stettel sich bei uns würde ein Politiker zugeben getötet zu haben - 'Business as usual' ohne Konsequenzen ? Jen Strukturen welche morden oder/und Raketen im Frieden los schicken gehören weg von der Macht und in den Knast ! Wer da unten 'Recht' hat ist akademische Frage. Was zählt ist Frieden und dann Wiederaufbbau (Schwerter zu Pflugscharen) und Wachstum der Wirtschaft. Umweltprobleme im Gaza sind auch zu lösen. Wer brauch dazu die Hamas ?
wdiwdi 23.08.2014
2. Jetzt warte ich auf dutzende von Entschuldigungsposts...
der "das war eine israelische False-Flag-Operation" oder "der israelische Gehemindienst hat von Anfang an gewußt dass die Hamas nicht beteiligt war und trotzdem die Sache als Vorwand genutzt" Fraktion. DIe kommen doch ganz sicher, oder? Das sind doch alles ehrenwerte Leute, die auch eigene Fehler und Fehlinformationen unideologisch einräumen können, richtig?
haltetdendieb 23.08.2014
3. Hat nicht Doha dem Hamaschef bei Ausweisung verboten den Kompromiss aus Ägypten
anzunehmen. Mich deuchtete so etwas gehört zu haben. Katar und Doha sind die Antreiber dieser Mordbuben!
Leser_5 23.08.2014
4. Zweifel
Soweit ich weiß hat die Hamas in ihrer Charta stehen, dass sie alle Friedensgespräche für Zeitverschwendung hält, da sie den "islamischen Prinzipien" oder so wiedersprechen. Ich kann mir also kaum vorstellen, dass die (natürlich lobenswerten) Bemühungen des palästinensischen Präsidenten erfolgreich sein werden. Zumal es für Israel schwer ist mit einer Organisation/Regierung zu verhandeln, die sich offen der Vernichtung der Juden und der Auslöschung des israelischen Staates verschrieben hat. Denen diese zwei Ziele sogar so wichtig waren, dass sie extra in einer Charta festgehalten werden.
anonxd 23.08.2014
5. @haltedieb
Ihnen ist bewusst das Doha kein Land ist sondern die Hauptstadt Katars?! xD Einmal ganz davon abgesehen das dieses Katar eine unabhängige mediale Stimme mit Aljazerra in die Region gebracht. Die eigentlich schuldigen hier sind die Extremisten sowohl die Hamas die nun wirklich keiner braucht aber auch Netanjahu und seine Rechte Bande es handelt sich bei dieser Regierung nämlich um so ziemlich die rechteste die Israel je hatte man muss sich nur mal die Charter der Hamas und die Charter von Likud angucken dann versteht man wieso es bei diesen Fraktionen nie Frieden geben wird es wird Zeit das die Bürger Israels und die Palästinenser aufwachen und endlich gemäßigt wählen dann wäre der Frieden auch deutlich näher leider werden durch militärische Konflikte wie den diesigen nur die Extremisten gestärkt und die längst überfälligen Wahlen in den pal. Gebieten verzögert!
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