Israel: Tausende Häftlinge treten in Hungerstreik
Hat das Herz infolge der Folter durch Israelis versagt? Diesen Vorwurf erhebt die Familie eines getöteten palästinensischen Häftlings. Aus Protest sind Mithäftlinge in einen Hungerstreik getreten, im Westjordanland gibt es Demonstrationen. In Israel wächst die Angst vor neuen Krawallen.
Jerusalem - Die einen sagen, es sei plötzlicher Herzstillstand gewesen, die anderen sagen, er sei an den Folgen der Folter gestorben: Der Tod eines jungen Palästinensers in einem israelischen Gefängnis hat zu einem Aufschrei auf palästinensischer Seite geführt. Am Sonntag haben etwa 4500 Häftlinge, die in Israel im Gefängnis sitzen, für 24 Stunden die Nahrung verweigert. Sie wollen damit gegen den Tod ihres Kameraden Arafat Dscharadat protestieren.
Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad forderte in der Nacht zum Sonntag, die wirklichen Gründe für den Tod des Häftlings offenzulegen. Eine Sprecherin der israelischen Gefängnisbehörde sagte, der 30-jährige Familienvater Dscharadat aus einem Dorf bei Hebron sei im Gefängnis Megiddo in Nordisrael am Samstag plötzlich verstorben - "vermutlich an Herzstillstand".
Doch an diese Version mögen die Palästinenser nicht so recht glauben: Der für Gefangene zuständige palästinensische Minister Issa Karakaa sagte der Nachrichtenagentur AFP, Dscharadat sei während der Verhöre getötet worden. Die Umstände seines Todes müssten durch eine internationale Untersuchungskommission geklärt werden.
Nach dem Mittagessen wurde ihm schlecht
In einer Erklärung des israelischen Inlandsgeheimdiensts Schabak (früher: Schin Bet) hieß es, dem Gefangenen sei nach dem Mittagessen schlecht geworden. Zu Hilfe gerufene Ärzte hätten ihn nicht mehr retten können.
Dscharadat war am 18. Februar festgenommen worden. Er ist Vater von zwei Kindern, seine Frau ist schwanger. Grund für die Festnahme war Schabak zufolge seine Beteiligung an Auseinandersetzungen nahe der jüdischen Siedlung Kirjat Arba bei Hebron. Zeugen hätten erklärt, er habe Steine geworfen und einen Israeli verletzt.
Die palästinensische Nachrichtenagentur meldet, dass der 30-Jährige zum Zeitpunkt seiner Festnahme nach Angaben seiner Familie noch bei bester Gesundheit gewesen sei. Fajad äußerte sich tief traurig und schockiert über den Tod des Palästinensers. Er rief die internationale Gemeinschaft auf, Israel dazu zu zwingen, sich an das Völkerrecht zu halten und die Frage der palästinensischen Gefangenen zu regeln. Die kranken und hungerstreikenden Häftlinge müssten umgehend freikommen.
Die im Gaza-Streifen regierende radikalislamische Hamas erklärte, Dscharadat sei wegen der "unmenschlichen Bedingungen in israelischen Gefängnissen" gestorben. Auch die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem forderte eine "unabhängige, nachhaltige und transparente Untersuchung", die schnell abgeschlossen werden sollte. Sie müsse sich auch damit befassen, wie die Vernehmungen vor sich gegangen seien und welche Verhörtechniken der Schabak angewendet habe.
Israelis weisen Vorwürfe von Misshandlung zurück
Auch die Familie des 30-Jährigen erhebt laut der Zeitung "Jediot Achronot" den Vorwurf, Dscharadats Herz habe infolge von Folter durch die Israelis versagt. Die israelischen Behörden wiesen aber den Verdacht zurück, dass Dscharadat geschlagen worden oder irgendeiner Misshandlung unterworfen worden sei, die seinen Tod hätte verursachen können.
Die Autopsie des gestorbenen Häftlings ist noch für Sonntag angesetzt. Medien berichten, die palästinensische Autonomiebehörde sei aufgefordert worden, Vertreter zu entsenden. Demnach sollen ein palästinensischer Arzt und Dscharadats Familienangehörige dabei sein.
Der Tod des Häftlings hat die bereits zuvor angespannte politische Lage im Westjordanland weiter verschärft. Erneut demonstrierten am Sonntag Hunderte Palästinenser in der Gegend von Hebron für die Freilassung von vier seit Monaten hungerstreikenden Häftlingen aus israelischer Haft. In Israel wächst die Furcht vor einer dritten Intifada, einem Palästinenseraufstand. Am Samstag war ein Palästinenser durch Schüsse israelischer Siedler schwer verletzt worden.
Angesichts der gewalttätigen Unruhen im Westjordanland hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung aufgerufen. Netanjahus Gesandter Jizchak Molcho habe der palästinensischen Seite klargemacht, dass sie für ein Ende der fast täglichen Demonstrationen gegen Israel verantwortlich sei, sagte ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter am Sonntag laut Nachrichtenagentur dpa.
cib/AFP/dpa/AP
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- Sonntag, 24.02.2013 – 15:37 Uhr
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1948 Gründung des Staates Israel
1947-49 Palästina-Krieg/Israelischer Unabhängigkeitskrieg
1956 Suezkrise/Sinai-Feldzug
1967 Sechs-Tage-Krieg
1973 Jom-Kippur-Krieg
1978 Camp-David-Friedensabkommen
1982 Erster Libanon-Krieg
1987-1993 Erste Intifada
1993-1995 Oslo-Friedensprozess
2000-2005 Zweite Intifada
2005 Scharon-Plan
2006 Libanon-Feldzug
2008/09 Gaza-Krieg

Israel wäre wohl bereit, sich aus mehr als 90 Prozent des Westjordanlands zurückzuziehen und einen Kompromiss einzugehen: Israel behält die großen Siedlungsblöcke und entschädigt die Palästinenser dafür mit Land in der Wüste Negev, das an Gaza grenzt.

Israel will das Recht auf Rückkehr nur für die Gebiete eines zukünftigen Staates Palästina in die Praxis umsetzen. Es soll keine Rückkehr in israelisches Territorium geben.

Israel will das Westjordanland und Gaza durch hohe Brücken oder Tunnel miteinander verbinden. Israel verwaltet und sichert den Verbindungsweg.

Israel will die Mehrheit der palästinensischen Viertel Jerusalems vom Staat Palästina verwalten lassen, die jüdischen Enklaven in Ost-Jerusalem stehen unter israelischer Verwaltung. Beide Staaten kontrollieren den Tempelberg gemeinsam, möglicherweise mit internationaler Beteiligung.
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