Israelische Siedler unter Verdacht Baby bei Brandanschlag im Westjordanland getötet

Bei einem Brandanschlag auf ein Haus im Westjordanland ist ein palästinensisches Baby getötet worden. In der Nähe fanden sich hebräische Graffiti, offenbar warfen radikale israelische Siedler Molotowcocktails in die Wohnung.


Unbekannte haben ein Wohnhaus in dem palästinensischen Dorf Kfar Douma in der Nähe von Nablus mit Molotowcocktails beworfen und dadurch in Brand gesetzt. Bei dem Anschlag wurde ein 18 Monate alter Junge getötet. Seine Eltern und der vierjährige Bruder überlebten den Angriff mit zum Teil schweren Verletzungen.

Das Feuer hatte die Familie offenbar im Schlaf überrascht. Die Täter flüchteten. Laut Augenzeugen sollen sie in Richtung der nahegelegenen jüdischen Siedlung Maale Ephraim gerannt sein.

Die israelische Polizei geht davon aus, dass es sich bei dem Anschlag um eine sogenannte Price-Tag-Attacke handelt. So werden Angriffe von jüdischen Siedlern auf arabische Einrichtungen in den besetzten Gebieten genannt. "Das ist ein mutmaßlicher Angriff mit nationalistischen Motiven", sagte Polizeisprecherin Luba Samri.

In unmittelbarer Nähe das Tatorts im Westjordanland fanden die Ermittler hebräische Graffiti. Dort standen unter anderem die Worte "Rache" und "Lang lebe der Messias".

Radikale Siedler werden für zahlreiche Brandanschläge gegen Moscheen, Kirchen und arabische Wohnhäuser in den vergangenen Jahren verantwortlich gemacht. Die israelische Regierung verurteilt die Übergriffe.

Armeesprecher Peter Lerner verurteilte den Anschlag von Kfar Douma als "barbarischen Terrorakt". Das israelische Militär verstärke seine Bemühungen, die Terroristen aufzuspüren.

syd/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.