Historischer Besuch Papst der ägyptischen Kopten reist nach Jerusalem

Eigentlich verbietet Ägyptens koptische Kirche ihren Anhängern Reisen nach Israel. Ausgerechnet der Papst macht nun eine Ausnahme - und reist zu einer Beerdigung nach Jerusalem.

Papst Tawadros (Archivbild): Über Tel Aviv nach Jerusalem
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Papst Tawadros (Archivbild): Über Tel Aviv nach Jerusalem


Das Oberhaupt der koptischen Kirche in Ägypten, Papst Tawadros II. ist zu einem historischen Besuch in Jerusalem eingetroffen. Es ist der erste Besuch eines koptischen Würdenträgers aus Ägypten in Israel seit 1967.

Tawadros' Vorgänger, Papst Schenuda III., hatte den ägyptischen Kopten 1979 verboten nach Israel zu reisen. Er protestierte damit gegen die israelische Annektion von Ostjerusalem und gegen die Normalisierung der Beziehungen zwischen Ägypten und Israel. Offiziell ist dieses religiöse Verbot noch immer in Kraft, doch seit Schenudas Tod 2012 sind jeweils zur Osterzeit hunderte ägyptischer Kopten zu den heiligen Stätten in Jerusalem gereist.

Papst Tawadros II. nimmt in Jerusalem an der Beerdigung des verstorbenen koptischen Erzbischofs im Heiligen Land teil. Die feierliche Beisetzung von Erzbischof Anba Abraham, der am Mittwoch im Alter von 72 Jahren verstarb, wird am Samstag stattfinden. Abraham galt als zweiwichtigste Figur der koptischen Kirche hinter dem Papst.

Über Tel Aviv nach Jerusalem

"Der Besuch von Papst Tawadros II. dient ausschließlich der Teilnahme an der Beerdigung und nichts anderem", sagte sein Sprecher Bulos Halim. Die grundlegende Haltung der koptischen Kirche habe sich nicht geändert.

Trotzdem ist die Mitteilung bemerkenswert. Die koptische Führung betont nämlich, dass Tawadros über Tel Aviv nach Jerusalem reiste: Der Papst fuhr also durch israelisches Staatsgebiet und reiste nicht über Jordanien und das Westjordanland in das besetzte Ostjerusalem.

Als Erzbischof Abrahams Vorgänger in Jerusalem verstarb, war dessen Leichnam zur Bestattung nach Ägypten übergeführt worden. Abraham habe aber in seinem letzten Willen verfügt, "dass er in Jerusalem beerdigt werden möchte", erklärte Halim.

Die Trauerfeier wird im Patriarchat der orthodoxen Kopten stattfinden, das unmittelbar an die Grabeskirche inmitten der Altstadt angrenzt und zum Teil auch deren Dach beansprucht. Am Eingang zum koptischen Patriarchat befindet sich die neunte der 14 Kreuzwegstationen auf der Via Dolorosa. In der Grabeskirche unterhalten die Kopten eine winzige Kapelle an der Rückseite der Gruft Jesu.

In Ägypten sind die Kopten die bei weitem dominante Strömung des Christentums und stellen nach unterschiedlichen Statistiken sechs bis zehn Prozent der 90 Millionen Einwohner. In Israel und den palästinensischen Gebieten sind sie dagegen eine der kleinsten der 13 dort registrierten christlichen Konfessionen. Ihr gehören nur mehrere hundert Familien an. Zum koptischen Patriarchat gehört auch ein Kloster, in dem eine zweistellige Zahl von Mönchen lebt.

syd/AFP



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