Attentat am Tempelberg Großmufti von Jerusalem wieder frei

Die tödlichen Schüsse auf zwei israelische Polizisten in Jerusalem sorgen für Anspannung: Laut seinem Sohn wurde der oberste muslimische Geistliche der Stadt festgenommen. Mittlerweile ist er wieder frei.


Nach dem tödlichen Angriff auf Polizisten in Jerusalem hat die israelische Polizei offenbar den Großmufti der Stadt festgenommen. Die Polizei habe Großmufti Muhammad Ahmad Hussein in der Altstadt abgeführt, sagte sein Sohn Dschihad der Nachrichtenagentur AFP. Mittlerweile wurde der Geistliche wieder freigelassen, Israels Polizei wollte sich zunächst nicht zu den Angaben äußern. Zuvor hatten Angreifer in der Altstadt von Jerusalem zwei Polizisten durch Schüsse tödlich verletzt.

Nach Angaben der Polizei wurden bei einer Schießerei drei Beamte getroffen, zwei von ihnen starben später im Krankenhaus an ihren Verletzungen. Demnach eröffneten die Angreifer am Löwentor in der Nähe des heiligen Tempelbergs das Feuer auf die Beamten. Sie seien in Richtung al-Aksa-Moschee geflüchtet, dort seien sie niedergeschossen worden.

Sicherheitskräfte riegelten daraufhin die gesamte Altstadt ab, die Freitagsgebete in der al-Aksa-Moschee wurden abgesagt. Der Großmufti hatte die Absage scharf kritisiert. Mit seinen Anhängern protestierte Hussein in Jerusalems Altstadt gegen diesen Schritt. Der Großmufti ist der höchste islamische Würdenträger in Jerusalem.

In der Vergangenheit lösten Zwischenfälle auf dem Tempelberg häufig Aufruhr in der ganzen Region aus. Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas verurteilte in einem Telefonat mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu den Anschlag, warnte aber gleichzeitig, die Schließung des Tempelbergs für Muslime könne Auswirkungen haben. Die radikalislamische Palästinenser-Organisation Hamas lobte die Attentäter. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

Das Auswärtige Amt verurteilte den Angriff: "Wir trauern mit den Familien der Beamten, die dabei ums Leben gekommen sind, und wünschen dem verletzten Polizisten eine rasche und vollständige Genesung", sagte ein Sprecher. Es handele sich um den schwersten Anschlag seit Jahren, der in unmittelbarer Nähe des Tempelbergs verübt wurde. Die Tat werfe einen "schweren Schatten auf das friedliche Miteinander der Gläubigen aller drei großen monotheistischen Weltreligionen in Jerusalem".

cte/AFP/Reuters

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