Israel-Protokolle "Worauf ich stolz bin? Einen Staat zu haben"

Israel feiert 70 Jahre Unabhängigkeit - wie blicken die Menschen auf ihr Land? Worauf sind sie stolz? Und was denken die Palästinenser? Ein Rundgang in Jerusalem.

Anna Reimann

Aus Jerusalem berichtet


Es gibt keinen Frieden zum Geburtstag, auch keine Ruhe. Im Gegenteil: In diesen Wochen, in denen der Staat Israel seinen 70. Jahrestag feiert, gibt es eher noch mehr von dem, was das Land seit seiner Gründung am 14. Mai 1948 geprägt hat: Spannungen und Konflikte.

Am Rande des Gazastreifens erschießen israelische Soldaten Demonstranten, die die Warnungen der Armee ignorieren und sich - zum Teil bewaffnet - den Grenzanlagen nähern. Parallel dazu wächst die Furcht vor einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Israel und Iran oder der Hisbollah. Immer wieder gibt es Terrorangriffe von Palästinensern auf israelische Sicherheitskräfte, die Hamas schießt Raketen auf israelisches Gebiet.

Israel, das nach dem Holocaust den Juden endlich eine Heimat geben sollte, hat einen wohl beispiellosen wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg hinter sich. Aber es ist eingekesselt von Feinden, die es vernichten wollen oder Nationen, die nicht für es einstehen würden. Mehrere Anläufe zu einem Frieden mit den Palästinensern scheiterten.

Das Leid der Juden, der Israelis, ist untrennbar verbunden mit dem Schicksal der Palästinenser. 700.000 von ihnen haben in den Jahren 1947 und 1948 ihre Heimat verloren, sind geflohen oder wurden vertrieben.

Anders als die Israelis haben die Palästinenser keinen eigenen Staat. Ihre Führung ist in Teilen radikal, die verschiedenen Gruppen untereinander verfeindet. Im nach außen abgeriegelten Gazastreifen hat die islamistische Hamas die eigene Bevölkerung in Geiselhaft genommen. Sanktionen verschärfen die Situation der zwei Millionen Menschen auch noch. Gleichzeitig werden im Westjordanland mehr und mehr Siedlungen gebaut, gebilligt oder unterstützt von der weit nach rechts gerückten israelischen Regierung.

Jerusalem
    In Jerusalem befinden sich mit der Klagemauer, dem Tempelberg und dem Felsendom wichtige heilige Stätten von Judentum und Islam. Wem die Stadt gehört, das ist zwischen Israelis und Palästinensern hoch umstritten. Beide Seiten reklamieren bis heute Teile oder die ganze Stadt für sich. Der künftige Status der Stadt gilt als einer der Hauptknackpunkte eins möglichen Friedensschluss.
  • 1967 hatte Israel nach dem Sieg im Sechs-Tage-Krieg den Ostteil Jerusalems annektiert. Die internationale Gemeinschaft aber erkennt diese Annexion nicht an, sondern betrachtet Ost-Jerusalem als besetzt. Israel betrachtet Jerusalem als seine Hauptstadt - bis zu dem 6. Dezember 2017, als US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt anerkannte, hatte das kein anderer Staat getan. Am 14. Mai wollen die USA in Jerusalem ihre Botschaft eröffnen.
Faktisch ist Jerusalem derzeit im Alltag eine geteilte Stadt. Im Westen Jerusalems leben jüdische Israelis, die östlichen Stadtteile, die bis 1967 zu Jordanien gehörten, sind palästinensisch geprägt. Allerdings haben Juden dort in den vergangenen Jahren Siedlungen gebaut, so dass auf dem Gebiet Ost-Jerusalems neben den 300.000 Palästinensern rund 220.000 jüdische Siedler wohnen. Palästinenser, die in Ost-Jerusalem leben, haben in der Regel keinen israelischen Pass, sondern eine sogenannte Jerusalem ID, die ihnen Zugang zum israelischen Sozialversicherungssystem und kommunales Wahlrecht gewährt. Zwischen Westjordanland und Jerusalem hat Israel in den letzten Jahren eine Mauer gebaut. Die Einreise in die Stadt aus der Westbank ist seitdem nur über einen Checkpoint möglich.

Zwei Völker leiden. Haben die Menschen in Israel nach Jahrzehnten des Konflikts, der Gewalt und Enttäuschung überhaupt noch Hoffnung? Gibt es noch Verständnis für die anderen Seite? Was verbinden sie mit Israel?

Jerusalem ist die Stadt, deren Status ein entscheidender Faktor für eine Friedenslösung ist. Wer mit den Menschen in der Metropole spricht, erlebt Vieles: Mitgefühl, Zuversicht, Kompromisslosigkeit - und Erschöpfung.

Das sagen Menschen in Jerusalem über Israel - 13 Protokolle:



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