Militärschlag im Gaza-Streifen: Israel überprüft Bombardierung von Wohnhaus

War es ein Versehen? Mindestens elf Mitglieder einer Familie sind auf einen Schlag getötet worden, als israelische Raketen in einem dreistöckigen Wohnhaus im Gaza-Streifen einschlugen. Nun untersucht die Armee den Vorfall.

Bombardiertes Haus der Familie Dalu in Gaza: Technischer Fehler? Zur Großansicht
AFP

Bombardiertes Haus der Familie Dalu in Gaza: Technischer Fehler?

Gaza - Es sind schreckliche Bilder, die Fernsehsender und Nachrichtenagenturen zeigen: Aus den Trümmern eines Wohnhauses in Gaza-Stadt tragen Männer Leichen von Kindern. Es ist das Haus, in dem die Familie Dalu lebte. Mindestens elf Familienmitglieder sind bei einem Luftanschlag der israelischen Armee am Sonntag ums Leben gekommen, darunter vier Kinder. Israels Verteidigungsministerium steht nun unter Druck - war die Bombardierung ein Fehler?

Ein Armeesprecher sagte am Montag, man prüfe Berichte, die Luftwaffe habe versehentlich das falsche Haus bombardiert. In einigen Zeitungsberichten ist von einem "technischen Problem" die Rede. Noch sei unklar, ob das Ziel falsch erfasst worden sei oder sich eine Rakete selbstständig gemacht habe, berichtet die Zeitung "Haaretz". Die Untersuchung laufe. Eigentlich habe der Angriff einem ranghohen Hamas-Mitglied gegolten.

Allerdings widersprechen sich die Berichte zum Teil. Einige TV-Sender berichten, der Hamas-Kommandeur habe in dem Haus neben der Dalu-Familie gelebt. Der Sender "Russia Today", kurz RT, spricht deshalb von einem "tödlichen Irrtum" auf Grund eines technischen Fehlers. Die Korrespondentin von Al-Dschasira berichtet dagegen im Blog des Senders, dass die israelische Armee einen Unfall ausschließt. Demnach soll die Familie Dalu in dem gleichen Gebäude wie der Hamas-Kommandeur gewohnt haben.

Israel will verhandeln

Die israelische Regierung ließ unterdessen verlauten, man sei bereit, in den Gaza-Streifen einzumarschieren. Allerdings bevorzuge man eine diplomatische Lösung, sagte ein ranghoher Beamter aus dem Umfeld von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber wenn die Diplomatie scheitert, haben wir keine andere Wahl, als Bodentruppen zu schicken", so der nicht namentlich genannte Vertreter.

Fotostrecke

9  Bilder
Gaza-Streifen: Das Leid der Zivilisten

Die israelische Armee flog am Montag erneut heftige Angriffe auf Ziele im Gaza-Streifen. Dabei wurden nach Angaben palästinensischer Rettungsdienste insgesamt zehn Zivilisten sowie zwei Feldkommandeure der Bewegung Islamischer Dschihad getötet. 30 Menschen wurden verletzt.

Westerwelle reist noch am Montag nach Israel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte an Israelis und Palästinenser, einen Waffenstillstand zu vereinbaren. Ihre Sorge sei groß, weil jede Gewalteskalation die Lage in der Region noch gefährlicher mache, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Der Beschuss Israels aus dem Gaza-Streifen sei durch nichts zu rechtfertigen.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) will noch an diesem Montag in den Nahen Osten reisen, um sich um ein Ende der Gewalt zu bemühen. Am Abend trifft Westerwelle in Tel Aviv zunächst den israelischen Außenminister Avigdor Lieberman. Am Dienstag sind nach Angaben des Auswärtigen Amts Gespräche mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas und mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu geplant.

Waffenstillstand nur im Gegenzug zu Garantien

Die radikalislamische Hamas will einem Waffenstillstand nur im Gegenzug zu Garantien zustimmen. "Israel will zuerst einen Waffenstillstand und dann über Regelungen reden", sagte ein Politbüromitglied der Palästinenserorganisation der deutschen Nachrichtenagentur dpa. "Doch wir lehnen das ab. Wir wollen wissen, wie der Waffenstillstand umgesetzt und wie er gesichert wird und dass Israel ihn respektiert."

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu will am Dienstag mit einer Delegation der Arabischen Liga in den Gaza-Streifen fahren, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Er hatte die israelischen Angriffe in der vergangenen Woche als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" bezeichnet. Israel warf er vor, den Gaza-Streifen in ein Gefängnis verwandelt zu haben.

Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon verlangte von beiden Seiten eine sofortige Waffenruhe. Jede weitere Eskalation der Lage werde unausweichlich das Leiden der betroffenen Zivilisten erhöhen und müsse vermieden werden. Ban wird am Montag zu Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in Kairo erwartet, wo er die ägyptischen Vermittlungsbemühungen unterstützen will. Am Dienstag will Ban nach Israel weiterreisen.

heb/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 52 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Langsam wirds lästig
Jondo 19.11.2012
"auf einen Schlag bei einem Luftschlag" ist die x-te verquereFormulierung, de mir hier auffällt. Liebe spon-Verantwortliche, wenn Ihr keinen habt, der sowas vor Veröffentlichung mal gegenliest - und dem solche Fehler auch auffallen..... gegen leistungsgerechte Vergütung übernehme ich das gerne. Solche Fehler sind niveaulos und unwürdig.
2. Hui...
Wildes Herz 19.11.2012
... da kann man ja nur hoffen, dass man nicht zufällig selbst in einem Haus lebt, in dem - oder in dessen näherer Umgebung - ein ranghoher Kommandeur von *whatever* wohnt... sonst könnte schon das hier das letzte Posting bei SPON gewesen sein!
3. kennt man doch
Adam_Sapfel 19.11.2012
Zitat von sysopWar es ein Versehen? Mindestens elf Mitglieder einer Familie sind auf einen Schlag bei einem Luftschlag getötet worden, als israelische Raketen in einem dreistöckigen Wohnhaus einschlugen. Nun prüft die Armee den Vorfall. Israel prüft Bombardierung von Wohnhaus in Gaza - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-prueft-bombardierung-von-wohnhaus-in-gaza-a-868043.html)
Dahinter steckt Absicht, kein Versehen, das wird von der Armee aber jetzt nur 'geprüft' - wenn überhaupt -um die Kritiker zu beruhigen. Und sollte die UN eine neutrale Untersuchungskommission fordern wird das von Israel abgelehnt, weil sie natürlich was zu verbergen haben. War früher auch schon immer so.
4. ein Textmodul - "Nun prüft die Armee..."
Emil Peisker 19.11.2012
Zitat von sysopWar es ein Versehen? Mindestens elf Mitglieder einer Familie sind ...getötet worden, als israelische Raketen in einem dreistöckigen Wohnhaus einschlugen. Nun prüft die Armee den Vorfall. Israel prüft Bombardierung von Wohnhaus in Gaza - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-prueft-bombardierung-von-wohnhaus-in-gaza-a-868043.html)
Die israelische Armee prüfte schon hunderte Fälle dieser Art. Und nie hört man etwas vom Ergebnis. Es ist ein Textmodul ohne irgendeine Konsequenz.
5. Na da kann man ja...
Hemul 19.11.2012
Zitat von Jondo"auf einen Schlag bei einem Luftschlag" ist die x-te verquereFormulierung, de mir hier auffällt. Liebe spon-Verantwortliche, wenn Ihr keinen habt, der sowas vor Veröffentlichung mal gegenliest - und dem solche Fehler auch auffallen..... gegen leistungsgerechte Vergütung übernehme ich das gerne. Solche Fehler sind niveaulos und unwürdig.
...froh sein, solche Menschen wie Sie zu haben, denen eine "verquerte Formulierung" eher in`s Auge sticht, als die elf toten Menschen. Einfach toll, soviel Mitgefühl!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Gazastreifen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 52 Kommentare

Reichweite der Hamas-Raketen Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Reichweite der Hamas-Raketen


Fotostrecke
Raketenbeschuss in Israel: Volltreffer aufs Dach

Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 7,837 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt:
Reuven Rivlin

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Israel-Reiseseite


Fotostrecke
Raketenabwehr "Iron Dome": Israels Eisenkuppel
Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
DPA
Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
DPA
Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
DPA
Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
AP
Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
AP
Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
DPA
Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
REUTERS
Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.