Schlechte Behandlung Gericht spricht Ex-Angestelltem von Netanyahu Entschädigung zu

Ein Gericht in Jerusalem hat geurteilt: Sara Netanyahu behandelte ihren Angestellten schlecht, die Rede ist von Demütigungen und Wutausbrüchen. Der Mann wird nun entschädigt, das Geld kommt aus der Staatskasse.

Benjamin und Sara Netanyahu (Archivbild 2015): Niederlage vor Gericht
REUTERS

Benjamin und Sara Netanyahu (Archivbild 2015): Niederlage vor Gericht


Der frühere Hausmeister des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu hat eine Klage gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber gewonnen. Meni Naftali müsse nach einer Entscheidung des Jerusalemer Arbeitsgerichts mit umgerechnet 39.000 Euro entschädigt werden, berichtete unter anderem die Nachrichtenseite "ynet".

Sara Netanyahu habe den Angestellten schlecht behandelt. Im Urteil war die Rede von "übertriebenen Forderungen, Beleidigungen, Demütigungen und Wutausbrüchen" der First Lady. Die Entschädigung solle aus der Staatskasse bezahlt werden, da Naftali nicht von Netanyahu persönlich, sondern von dessen Büro eingestellt wurde. Das berichtet die Zeitung "Haaretz".

Naftali sprach den Angaben zufolge von einem "kleinen Sieg". Er kündigte an, seine Kampagne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Jerusalemer Residenz der Netanyahus fortsetzen zu wollen. Derzeit schreibe er ein Buch, aber dabei werde er es nicht belassen, sagte Naftali im israelischen Rundfunk. Eigenen Angaben zufolge arbeitet er momentan als Nachtwächter.

Die Klage hatte Naftali im März 2015 eingereicht. Er beschuldigte die Netanyahus, von ihm geleistete Überstunden nicht bezahlt zu haben. Die Frau des Regierungschefs habe ihn außerdem "verächtlich" behandelt und sich "unkontrollierte verbale Entgleisungen" geleistet. Die Netanyahus hatten geltend gemacht, verbitterte ehemalige Angestellte hätten die Vorwürfe gestreut, um ihren guten Namen zu beschmutzen. Sara Netanyahu, eine frühere Stewardess, ist in Israel äußerst unbeliebt, sie gilt als süchtig nach Luxus und Anerkennung.

Die Polizei hat sie in den vergangenen Monaten zudem wegen Vorwürfen vernommen, sie habe öffentliche Gelder verschwendet. Israels damaliger Generalstaatsanwalt Jehuda Weinstein hatte vor einem Jahr eine Untersuchung von Verschwendungsvorwürfen gegen Netanyahu und seine Frau angeordnet.

Sara Netanyahu wird unter anderem verdächtigt, Ausgaben im Privathaus der Netanyahus in der Küstenstadt Caesarea auf Staatskosten abgerechnet zu haben. Beispielsweise besteht der Verdacht, Netanyahu habe Gartenmöbel offiziell für den Amtssitz in Jerusalem gekauft, sie dann aber de facto im Privathaus aufgestellt. Anfang 2015 sorgte zudem "Bottlegate" für Schlagzeilen: Sara Netanyahu hatte in den Jahren 2009 bis 2013 Pfandgelder für Flaschen einbehalten, die zuvor mit Staatsgeldern gekauft worden waren.

aar/dpa/AFP



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