Kopfschuss auf Palästinenser Soldat Elor Azaria vorzeitig aus Haft entlassen

Elor Azaria tötete einen am Boden liegenden Palästinenser mit Kopfschuss, die milde Haftstrafe für den israelischen Soldaten sorgte für Entrüstung. Jetzt kam er früher als geplant frei, um an einer Hochzeit teilnehmen zu können.

Elor Azaria (Mitte, Archivbild)
REUTERS

Elor Azaria (Mitte, Archivbild)


Die Bilder entstanden zufällig und gingen um die Welt: In den Aufnahmen der Menschenrechtsorganisation Betselem war zu sehen, wie der israelische Soldat Elor Azaria einen wehrlos am Boden liegenden Palästinenser durch einen Kopfschuss tötete. Die Tat ereignete sich im März 2016 - nun hat Azaria seine Strafe dafür abgesessen. Am Dienstag wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen.

Eigentlich sollte er das Gefängnis erst am Donnerstag verlassen. Nun kam er schon zwei Tage vorher frei, um an der Hochzeit seines Bruders teilnehmen zu können. Das berichteten israelische Medien.

Anfangs war Azaria wegen Totschlags zu 18 Monaten Haft verurteilt worden, die Strafe wurde jedoch zweimal verkürzt. Der Soldat habe aus Rache für einen verletzten Kameraden gehandelt, sagte die Vorsitzende Richterin Maja Heller. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte sich mehrfach für eine Begnadigung des Ex-Soldaten ausgesprochen. Präsident Reuven Rivlin hatte eine Begnadigung jedoch abgelehnt. Azaria hatte nie Reue für seine Tat geäußert.

Die Militärführung hatte den Soldaten für die Tötung des wehrlos am Boden liegenden Palästinensers scharf kritisiert. Sie sah in Azarias Verhalten einen Verstoß gegen den militärischen Ehrenkodex der Armee. Menschenrechtsorganisationen sprachen von einer regelrechten "Hinrichtung". In radikalen Kreisen wurde der Soldat hingegen wie ein Held gefeiert.

Azaria hatte vor dem Militärgericht argumentiert, er habe befürchtet, sein Opfer Abdul Fatah al-Scharif hätte einen Sprengstoffgürtel zünden können. Die Richter stuften dies allerdings als nicht glaubhaft ein. Scharif hatte zuvor mit einem Komplizen einen israelischen Soldaten mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt. Nachdem andere Soldaten auf ihn geschossen hatten, lag er blutend auf der Straße, ehe der Militärsanitäter Azaria nach elf Minuten an ihn herantrat und ihn mit einem Kopfschuss tötete.

vks/dpa/AFP

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