Zwischenfall im Mittelmeer Israelische Marine stoppt Gaza-Hilfsschiff

Die israelische Armee hat im Mittelmeer ein Hilfsschiff von der Reise zum Gazastreifen abgehalten. Beim Entern des Schiffs wurde niemand verletzt - an Bord war auch ein Deutscher.

  Kriegsschiff und Frachter vor Israels Küste: Zwischenfall im Mittelmeer
AP

Kriegsschiff und Frachter vor Israels Küste: Zwischenfall im Mittelmeer


Die israelische Marine hat ein propalästinensisches Solidaritätsschiff auf dem Weg nach Gaza aufgebracht. Es habe auf der "Marianne" keine Gewalt und keine Gegenwehr der Mannschaft gegeben, teilte die Armee mit. Mehrere Aufforderungen zum Umkehren seien zuvor ignoriert worden. Das Boot werde nun in den Hafen von Aschdod gebracht. Die Aktivisten teilten mit, an Bord sei niemandem etwas passiert.

"Gemäß internationalem Recht hat die israelische Marine den Frachter mehrfach aufgefordert, seinen Kurs zu ändern", hieß es in einer Mitteilung des Militärs. Da die Besatzung dies abgelehnt habe, hätten Marinesoldaten das Schiff geentert, um es von einer Verletzung der israelischen Seeblockade des Gazastreifens abzuhalten. Wie eine Armeesprecherin bestätigte, handelte es sich bei dem abgefangenen Schiff um den schwedischen Trawler "Marianne von Göteborg".

Erinnerungen an tödlichen Zwischenfall

Die Solidaritätsflotte wollte die seit fast einem Jahrzehnt dauernde Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen. Das Schiff ist Teil der sogenannten Freiheitsflotte III - ein Konvoi mehrerer Schiffe mit propalästinensischen Aktivisten an Bord, die im Mai aufgebrochen waren. In einer Erklärung der Aktivisten hieß es, Ziel der Flotte sei es, "auf die Verletzung der Rechte von 1,8 Millionen Palästinensern im größten Freiluftgefängnis der Welt aufmerksam zu machen".

Unter den mehr als 50 Teilnehmern der Solidaritätsaktion sind der frühere tunesische Präsident Moncef Marzouki, der israelisch-arabische Parlamentarier Basel Ghattas sowie der deutsche Journalist Martin Lejeune.

Bei einer ähnlichen Aktion im Jahre 2010 hatten israelische Soldaten das türkische Schiff "Mavi Marmara" gestürmt, wobei zehn türkische Staatsbürger ums Leben kamen. Die Seeblockade vor der Küste des Gazastreifens ist seither äußerst umstritten. Erst vor wenigen Monaten hatte sich Außenminister Steinmeier bei einem Besuch in der Konfliktregion für eine Lockerung der Maßnahme starkgemacht.

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Steinmeier: Visite im Gazastreifen

mxw/dpa/AFP

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