Entführung befürchtet Israelische Soldaten suchen in Hebron nach vermissten Teenagern

Israel macht palästinensische Terroristen für das Verschwinden von drei israelischen Jugendlichen verantwortlich - die Vermissten sollen entführt worden sein. Mit einem Großaufgebot der Armee wird in Hebron nach den Teenagern gesucht.

Israelische Soldaten führen in Hebron einen Verdächtigen ab
DPA

Israelische Soldaten führen in Hebron einen Verdächtigen ab


Hebron - Das Verschwinden von drei Jugendlichen in der Nähe von Hebron sorgt für Spannungen zwischen Israel und Palästina. Die seit Donnerstag vermissten Männer sind nach Angaben der israelischen Armee von palästinensischen Terroristen entführt worden. "Wir glauben, dass sie tatsächlich gekidnappt wurden", sagte ein israelischer Militärvertreter am Samstag.

Laut Medienberichten gehen die drei Vermissten auf eine Talmudschule, einer von ihnen sei US-Bürger. Sie sind seit Donnerstag verschwunden. Zuletzt seien sie dabei gesehen worden, wie sie per Anhalter von der Schule zurück in ihre Siedlung fahren wollten.

Israels Armee hat nun seine Präsenz im Westjordanland verstärkt, israelische Soldaten verhafteten laut Angaben von palästinensischen Offiziellen mindestens ein Dutzend Bewohner von Hebron. Einige der Festgenommenen sind nach Angaben von Augenzeugen Mitarbeiter von Autowerkstätten - Hintergrund sei die Annahme, dass die drei Jugendlichen in einem Fahrzeug verschleppt wurden. Zudem werde das Material von privaten Sicherheitskameras ausgewertet. 300 Menschen seien unter Hausarrest gesetzt worden.

"Wissen nicht, ob sie noch leben"

"Wir wissen nicht, ob die Vermissten leben oder bereits tot sind", sagte ein israelischer Armeezugehöriger. Um die Suche auszuweiten entsende Israel eine "signifikante" Zahl von zusätzlichen Soldaten nach Hebron, unter anderem auch eine Truppe Fallschirmjäger. Man wolle die Aktion damit "zu einem schnellen Ende" bringen.

Auf die Frage, ob die Jungen entführt worden sein könnten, um palästinensische Gefangene freizupressen, sagte der Militärvertreter, die Armee prüfe alle Szenarien.

Nach Angaben des Armeezugehörigen arbeite Israel in dem Fall mit palästinensischen Behörden zusammen. Das Verschwinden der drei Jugendlichen ist der erste ernsthafte Zwischenfall zwischen Israel und Palästina, seit sich zu Beginn des Monats die palästinensische Einheitsregierung von Fatah und Hamas unter Führung des bisherigen Ministerpräsidenten Rami Hamdallah vereidigt wurde.

Israel hatte im April die Friedensgespräche aus Protest gegen die Annäherung ausgesetzt, die deutsche Bundesregierung hatte den Schritt hingegen begrüßt. Die Hamas, die Israels das Existenzrecht abspricht, wird von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Zweifelhaftes Bekennerschreiben

Im Internet tauchte am Samstag ein Bekennerschreiben auf, dessen Echtheit aber zunächst nicht nachgewiesen werden konnte. Darin bekannte sich ein angeblich im Westjordanland ansässiger palästinensischer Zweig der radikalislamischen Gruppierung Islamischer Staat im Irak und in der Levante (Isil) zu der Entführung. Isil kämpft derzeit im Irak gegen die Regierung und hat in den vergangenen Tagen mehrere Städte im Norden des Landes erobert.

Ein Sprecher der palästinensischen Sicherheitskräfte hatte Berichte über eine Entführung der israelischen Teenager durch Palästinenser am Freitag als "verrückt" bezeichnet.

Zwischen Israel und dem Gazastreifen gab es am Samstag indes neuen Raketenbeschuss. Zunächst traf nach israelischen Armeeangaben eine Rakete aus dem von der radikalen Palästinenserbewegung Hamas kontrollierten Gazastreifen den Süden Israels, ohne Schäden anzurichten. Israel beschoss daraufhin nach Angaben beider Seiten Ziele im Süden des Gazastreifens. Auch hierbei sei niemand verletzt worden.

cst/Reuters/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 85 Beiträge
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pegasus2012 14.06.2014
1. optional
Wenn das israelische Militär in nächtlichen Aktionen palästinensische Kinder entführt weil diese mit Steinen geworfen haben, und diese mit verbunden Augen durch die Gegend gekarrt und in Stresspositionen ausharren müssen, wird in der internationalen Presse nicht so ein Aufsehen gemacht. Teilweise wissen die Eltern wochenlang nicht wo ihre Kinder sind. Betrifft es israelische Kinder ist das festsetzen von 300 Personen plötzlich ein legitimes Mittel.
nickleby 14.06.2014
2. Wo Rauch, dort Feuer
Angesichts der augenblicklichen Situation in Syrien und der Levante ist die Mutmaßung naheliegend, dass terroristische arabische Kidnapper tätig waren. Konsequentes Handeln seitens der Israelis ist vonnöten. Die Israelis müssen ihr Land und die israelische Bevölkerung schützen.
braveman 14.06.2014
3. Hier tritt wieder die Unmenschlichkeit
terroristischer Atacken zutage. Es ist zu hoffen, dass die jungen Männer noch leben und bald wohlbehalten zu ihren Familien zurückkehren können!
demiurg666 14.06.2014
4. Die Mär von Steinewerfern
Es war einmal ein Spon Leser der glaubt bis heute das auf palästinensischer Seite nur kleine Kinder mit Steinen werfen. Es weiß es so genau, weil er mal dieses Bild gesehen hat wie ein palästinensischer Junge von Israelischen Soldaten erschossen wurde. An diesem Tag beschloss der Spon Leser, nie wieder eine Zeile über den Konflikt zu lesen, aber dennoch Kommentare zu schreiben. Die Moral von der Geschicht', versteht der Spon Leser leider nicht.
tschinakl 14.06.2014
5. @ pegasus2012
Jaja. Aber wenn Palästinenser ihre Kinder als Schutzschilde missbrauchen, ist Ihnen das sicherlich keinen Kommentar wert, bzw. dann sind einzig und allein die Israelis Schuld, gehe ich recht in der Annahme? Für Israel steht die Sicherheit seiner Einwohner nun mal an oberster Stelle; das ist nun wirklich nichts Neues.
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