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Aufruf von Israels Armee: Zehntausende Menschen sollen Lager im Gazastreifen verlassen

Israel will den Bodenkrieg im Gazastreifen ausweiten - trotz steigender Opferzahlen. Die Armee rief rund 50.000 Bewohner der Flüchtlingslager al-Bureidsch und al-Maasi auf, ihre Unterkünfte zu verlassen.

Tel Aviv/Gaza-Stadt - Die israelische Armee zerstört im Gazastreifen Tunnel und Raketenabschussrampen der radikalislamischen Hamas. Jetzt steht das Militär offenbar vor der Ausweitung des Bodenkriegs. Die Armee rief am Samstag die rund 50.000 Bewohner der Flüchtlingslager al-Bureidsch und al-Maasi auf, ihre Unterkünfte zu räumen. Diese befinden sich im Zentrum des kleinen Palästinensergebiets an der Mittelmeerküste.

"Wir wollen die Operationen ausweiten und nach unseren Erfordernissen ausrichten", sagte der israelische Generalstabschef Benny Gantz bei einem Besuch des Streitkräfte-Kommandos Süd in Beerscheva.

Laut der Uno verdoppelte sich seit Beginn der Bodenoffensive die Zahl der Flüchtlinge. Demnach suchten rund 40.000 Menschen Zuflucht in Gebäuden der Vereinten Nationen.

Nach Angaben der palästinensischen Rettungsdienste steigen die Opferzahlen: 316 Menschen seien seit Beginn der israelischen Luftangriffe am 8. Juli getötet sowie 2283 weitere verletzt worden. Seit dem Vorrücken israelischer Bodentruppen in den Gazastreifen in der Nacht zum Freitag seien mindestens 70 weitere Palästinenser ums Leben gekommen, hieß es. Zwei Drittel der Opfer seien Zivilisten.

Obama "tief besorgt"

Israel steht zunehmend in der Kritik wegen der zahlreichen zivilen Opfer bei dem Einsatz. Auch US-Präsident Barack Obama brachte dies in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zum Ausdruck, wie BBC berichtete. Er sei "tief besorgt" angesichts der vielen zivilen Opfer, sagte demnach Obama. Israel habe das Recht auf Selbstverteidigung, der US-Präsident warnte aber vor einer Eskalation.

Auf israelischer Seite wurden in der Nacht zum Samstag ein Offizier schwer und zwei Soldaten leicht verwundet, wie das Militär mitteilte. Ein israelischer Soldat war zu Beginn der Bodenoffensive getötet worden - er wurde Opfer eines irrtümlichen Beschusses aus den eigenen Reihen, wie eine Untersuchung der Armee ergab.

Am Samstag wurde bei einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ein Israeli getötet, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Demnach traf der Flugkörper ein Haus in einem Beduinendorf nahe der südisraelischen Stadt Dimona. In der Nähe steht Israels Atomreaktor. Der 32-jährige Mann ist das zweite zivile Opfer in Israel seit Beginn der Luftangriffe.

Uno beginnt Vermittlungsmission

Ziel des israelischen Einsatzes im Gazastreifen ist es nach Militärangaben, die Infrastruktur der radikalislamischen Hamas zu zerstören. Dabei geht es insbesondere um die zahlreichen Tunnel, durch die immer wieder Hamas-Kämpfer nach Israel gelangen, um dort Anschläge auszuführen oder Menschen zu entführen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon wird am Samstag zu einer Vermittlungsmission in der Region erwartet. Ban wolle sich für eine Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern einsetzen, sagte sein Stellvertreter Jeffrey Feltman am Freitag bei einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung des Sicherheitsrats in New York. Der EU-Ministerrat rief beide Seiten auf, umgehend einem Waffenstillstand zuzustimmen.

Ein Besuch von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Ankara war am Freitag ohne greifbare Ergebnisse geblieben. Die Türkei, die gute Verbindungen zur Hamas hat, hatte sich als Vermittler angeboten. Zugleich ist aber das Verhältnis Ankaras zu Israel wegen der unterschiedlichen Positionen zur Gaza-Frage sehr angespannt.

Die Hamas greift Israel seit der vergangenen Woche verstärkt mit Raketen an. Jeden Tag werden im Durchschnitt mehr als 100 der Geschosse abgefeuert, teilte die israelische Armee mit.

heb/dpa

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insgesamt 97 Beiträge
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1. Wohin denn?
robbyy 19.07.2014
Der Gazastreifen ist doch abgeriegelt, kaum größer als ein Erdbeeracker und gehört du den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt.....
2. Tieftraurig
hebe1234 19.07.2014
Das macht mich traurig und betroffen. Und die ganze Welt schaut zu. Ihr Völker der Welt, schaut auf dieses Land!
3. ?
FBN 19.07.2014
Zitat von robbyyDer Gazastreifen ist doch abgeriegelt, kaum größer als ein Erdbeeracker und gehört du den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt.....
Also Paris ist dichter besiedelt - von diversen Asiatischen Metropolen ganz zu schweigen.
4. Sind die denn von allen guten Geistern verlassen?
Pfaffenwinkel 19.07.2014
Wo sollen denn die Menschen hingehen?
5.
kittekatz 19.07.2014
Gaza ist kleiner als das bundesland Bremen oder zum Beispiel halb so groß wie Hamburg. Die Frage "Wohin mit ihnen?" ist gerechtfertigt.
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